POLITIK
01/03/2017 18:22 CET

Regierungskritischer Journalist Dündar: "Wir erleben die letzte Phase von Erdogans Regime"

Osman Orsal / Reuters
Can Dündar glaubt an ein Ende der Ära Erdogan

  • Der ehemalige "Cumhuriyet"-Chef Can Dündar glaubt an ein baldiges Ende der Präsidentschaft Erdogans

  • Dündar glaubt, eine mögliche Niederlage im Referendum werde den türkischen Präsidenten entscheidend schwächen

  • Dündar betonte, Erdogan halte die derzeit inhaftierten Journalisten als "Geisel"

Die Lage in der Türkei ist besorgniserregend. Nicht nur für Journalisten wie den "Welt“-Reporter Deniz Yücel, die sich der Unterdrückung der immer autoritärer auftretenden AKP-Regierung ausgesetzt sehen.

Auch bei den türkischen Bürgern wächst vor dem Referendum im April die Angst vor einem Gewaltausbruch. Präsident Recep Tayyip Erdogan will mit diesem das Parlament entmachten unddie Türkei zu einem Präsidialstaat umbauen.

Die Stimmung ist aufgeheizt, Erdogan-Unterstützer und Gegner des Präsidenten haben sich in Drohstellung begeben. Doch während einige Experten vor einem Bürgerkrieg warnen, ist auch ein ganz anderer Schlusspunkt der turbulenten Phase denkbar: das Ende der Ära Erdogan.

Daran glaubt der ehemalige Chefredakteur der Zeitung "Cumhuriyet“, Can Dündar. Er sagte der "Welt“: "Ich glaube, dass wir gerade die letzte Phase von Erdogans Regime erleben.“

"Es wird leichter, Erdogan zu stoppen"

Der oppositionelle Journalist erklärte, wenn Erdogan das Referendum verliere, "wird es leichter sein, ihn zu stoppen“.

Nach aktuellen Umfragen erwartet den türkischen Präsidenten am 16. April ein enges Rennen. Zuletzt lagen laut des türkischen Meinungsforschungsinstitut Gezici die Gegner de Präsidialsystems vorne.

Experten warnen jedoch, bei einer Niederlage Erdogans, sei mit Neuwahlen zu rechnen. Dass der Präsident einen solchen Rückschlag kampflos hinnimmt, scheint schwer zu glauben.

Dündar jedoch zeigte sich optimistisch. Er glaube nicht an einen Bürgerkrieg: "Ich glaube an den gesunden Menschenverstand der türkischen Bürger und hoffe auf einen friedlichen Übergang und eine Rehabilitierung der inhaftierten Kollegen.“

Auch er könne dann wieder zurückkehren, hofft Dündar. Der "Cumhuriyet“-Chef wurde in der Türkei wegen Verrats von Staatsgeheimnissen zu sechs Jahren Haft verurteilt. Noch ist das Urteil nicht rechtskräftig.

Bis zu dem Referendum rechnet Dündar jedoch nicht mit einer Lockerung der Repressionsmaßnahmen Ankaras. So werde auch der "Welt“-Reporter Yücel wohl nicht vor der Volksabstimmung freikommen. "Die Kollegen wissen, dass die türkische Regierung sie als Geiseln genommen hat“, sagte Dündar über die inhaftierten Journalisten.

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(jg)

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