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28/02/2017 11:43 CET | Aktualisiert 28/02/2017 11:48 CET

Wie RTL2 es geschafft hat, Millionen Deutsche vor den Kopf zu stoßen

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Wie RTL2 Millionen Deutsche vor den Kopf stößt

Schwule haben echt kein leichtes Leben. Sie müssen ständig in Ganzkörper-Glitzeranzügen herumlaufen und in ihrer Freizeit das Tanzen an der Stange üben. Zumindest ist RTL2 dieser Ansicht.

Am gestrigen Montagabend zeigte der Sender die erste Folge der neuen Sendung "Ich liebe einen Promi" - und stieß damit Millionen Zuschauer vor den Kopf.

Das Konzept ist so simpel wie absurd: Der Protagonist der Sendung bekommt 10.000 Euro geschenkt, wenn es ihm gelingt, seinen Freunden und seiner Familie 48 Stunden lang eine Beziehung mit einem D-Promi vorzuspielen.

Im gestrigen Fall traf es den 28-jährigen Christian. Er sollte so tun, als sei er schwul und in Julian F.M. Stöckl verliebt. Letzterer ist "das schrillste Huhn im deutschen Entertainment-Bereich". Das sagt er zumindest über sich selbst.

So stellt sich RTL2 also einen schwulen Mann vor

Außerhalb seiner Fantasie ist er beruflich vor allem Tuch-Designer, aber weniger durch seine Tücher als durch seine Teilnahme am Dschungelcamp bekannt. Seitdem tingelt er durch das deutsche Trash-TV.

Oder um es mit seinen Worten zu sagen: "Ich hab schon alles gemacht, was im Fernsehen kommt." Ach ja, stimmt. Vor allem als Moderator der "Tagesthemen" ist er uns im Gedächtnis geblieben.

Viel peinlicher als Julian F.M. Stöckl ist aber die Tatsache, wie RTL2 sich einen schwulen Mann vorstellt.

Schwule tragen Sternchen-Schlafanzüge und Täschchen

Julian zieht für 48 Stunden mit Christian zusammen. Als sie schlafen gehen, müssen beide einen Schlafanzug mit vielen kleinen Sternchen anziehen - sowas tragen Schwule, klar. Aber damit nicht genug.

Da Christian jetzt für 48 Stunden einen Homosexuellen spielen muss, kann er natürlich nicht mehr herumlaufen "wie ein Bauer", das würde ja sofort auffallen.

Stattdessen bekommt der Hobby-Fußballer ein Täschchen in die Hand gedrückt. Damit soll er in der Wohnung herumstolzieren wie eines von Heidi Klums Zieh-Models.

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Lilafarbener Sternchen-Schlafanzug und Täschchen in der Hand: So sieht laut RTL2 ein schwuler Mann aus; Credit: RTL2/Screenshot

Am nächsten Tag wird es aber noch besser. RTL2 schickt Christian in eine Table-Dance-Bar im Frankfurter Bahnhofsviertel. Damit er "an seiner schwulen Ausstrahlung arbeiten kann". Dort macht er, was Schwule nach Ansicht der RTL2-Redakteure eben so machen: Er tanzt an der Stange.

"Wir haben extra einen Profi-Stripper engagiert, der Christian dabei helfen soll, seine Hüfte zu lockern", verkündet der RTL2-Sprecher stolz aus dem Off.

Christian soll in Fell-Weste am Laternenpfahl tanzen

Aber auch nach der professionellen Einführung in die Kunst des Strippens ist Christian leider noch nicht schwul genug. Da hilft nur noch eins: Christian muss sich ein Ganzkörper-Glitzeroutfit anziehen.

Damit soll er "schwul", sprich wie ein betrunkenes Model auf Stelzen, durch die Stadt laufen. Für "seine schwule Ausstrahlung" muss er anschließend noch in einer Fell-Weste an einem Laternenpfahl tanzen.

Das Stangen-Tanz-Training soll ja nicht umsonst gewesen sein.

Passend zum Thema: RTL will euch für dumm verkaufen - diese Szene ist der Beweis

Am Abend hat Christian es fast geschafft. Jetzt muss er nur noch seine Eltern davon überzeugen, dass er schwul ist. Seine Mutter ist geschockt. "Aber Cristian ist doch ein Weiberheld", sagt sie fassungslos. Der Weiberheld hält durch - bis die Zeit um ist und Julian ihm endlich 10.000 Euro auf den Tisch knallt.

10.000 Euro dafür, dass er sich selbst und alle Schwulen zwei Tage lang vollkommen lächerlich gemacht hat. Herzlichen Glückwunsch. Und danke, RTL2, für diesen tiefen Einblick in das Leben von Schwulen.

Jetzt verstehen wir sie endlich ein bisschen besser, diese glitzernden Männer, die um Laternenpfähle tanzen.

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(lk)

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