Warum eins der kleinsten Länder zu den größten Energiesparern der Erde gehört

Bhutan ist zwar klein, aber ein Vorreiter bei der Nachhaltigkeit.

Jahrhundertealte Traditionen auf dem Weg in das moderne Zeitalter, mit magischen Bergen und Klöstern – Bhutan ist ein zauberhaftes Land. Wegen seiner Lage zwischen den Giganten Indien und China könnte man den 750.000-Einwohner-Staat leicht vergessen. Doch in den vergangenen Jahren konnte die Welt Bhutan dabei zusehen, wie es riesige Fortschritte in der Nachhaltigkeit machte. Mit Erfolg: Viele nennen es bereits das grünste Land der Erde.

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Tradition spielt in Bhutan eine große Rolle, immerhin bedeutet der ursprüngliche Landesname Druk yul so viel wie „Land des Donnerdrachens“ und bis 1999 waren nicht einmal Fernseher erlaubt. Daher begann der Kampf gegen den Klimawandel vorsichtig, um unerwünschte moderne Technologie fernzuhalten. 2014 führte die Regierung Elektroautos ein.

Um den Absatz zu fördern, erließ sie die Importsteuer (und subventionierte LED-Leuchten). Mittlerweile gibt es zehn Ladestationen in dem Land, das Weltspitze auf dem Gebiet der Elektromobilität werden will. Wichtig ist das, weil die Einfuhren von fossilen Brennstoffen um 70 Prozent gesenkt werden sollen. Und das ist noch nicht alles: Die Hauptstadt Thimphu wird in eine Art Fahrradmetropole umgewandelt, mit eigenen Straßen für die Zweiräder.

Große Pläne für ein kleines Land. Bhutan hat sie sich gesetzt und auch erreicht. 2009 wurde es der erste Staat, der sich CO2-Neutralität zum Ziel setzte. Mittlerweile ist es das einzige Land mit einer Kohlenstoff-Bilanz unter null: Wegen der weitläufigen Wälder absorbiert es mehr CO2, als es ausstößt. Die Waldfläche, 72 Prozent des Staatsgebiets, ist deshalb per Gesetz streng geschützt.

Als Folge davon belegen Nationalparks, Naturreservate und Tierschutzgebiete mehr als die Hälfte des Landes. Es könnte sogar noch mehr werden: Eine Initiative namens Green Bhutan fördert Pflanzungen von Bäumen, Pflanzen und Blumen sowohl in der Stadt als auf dem Land.

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Im vergangenen Jahr wurden die ersten Windräder in Bhutan aufgestellt. Im Dorf Rubesa sollen die ersten beiden Turbinen zusammen 600 Kilowatt erzeugen. Das ist genug, um 300 Haushalte mit Strom zu versorgen. Bewährt sich das Projekt, sollen 24 weitere Windfarmen aufgestellt werden. Die steigende Nachfrage nach Elektrizität soll durch erneuerbare Energiequellen gedeckt werden.

Für Bauern in abgelegenen Gegenden ist Strom sogar kostenlos, damit diese kein Feuerholz zum Kochen mehr nutzen. Ein wichtiger Schritt in einem Land, in dem 70 Prozent der Bürger in der Landwirtschaft arbeiten. Zudem entstand der Plan, Solarzellen aufzubauen, die jeweils rund ein Megawatt Strom produzieren. Dazu sollten 13.500 Solarkochöfen und 2.800 kleines Biogasanalagen in 20 Bezirken verteilt werden. Eine weitere Idee: kleine Wasserkraftwerke, die zusammen 33.000 Megawatt produzieren könnten.

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Wasserkraft ist ein entscheidender Teil des Lebens in Bhutan. In städtischen Gebieten sorgt sie für 100 Prozent des Stroms, in ländlichen Gegenden für 94 Prozent. Jährlich verkauft der Staat 70 Prozent des erzeugten Stroms an seinen Nachbarn Indien. Klappt es mit den ehrgeizigen Zielen im Wasserkraftsektor, wird es noch deutlich mehr saubere Energie nach Indien und China exportieren können – zwei Länder, die beim Klimaschutz nicht gerade eine weiße Weste haben.

Premierminister Tshering Tobgay sagte im vergangenen Jahr: „Jedes Land ist anders. Doch gemein haben alle, dass sie Wege suchen, mit denen sie besser als bisher die Umwelt schützen können. Es gibt kein zweites Bhutan auf der Erde. Doch wann immer etwas in einem gewichtigen Maßstab funktioniert, wollen andere davon lernen.“

Die Regierung von Bhutan will seinen Nettoausstoß von Treibhausgasen auf null bringen, bis 2030 keinen Abfall mehr produzieren und bis 2020 nur noch komplett ökologische Lebensmittel anbauen. Für ein Land, das sich erst in den 1970-er Jahren der Welt geöffnet hat, bewältigt es den Kampf gegen den Klimawandel beeindruckend eigenständig, ohne Hilfe von außen.

Dank einer Fülle von Frischluft, ausladenden Landschaften und etlichen Flüssen gilt es als eins der grünsten und glücklichsten Länder der Welt. Wer Bhutan kennt, für den ist das kein Wunder.

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