Trumps Kongress-Rede wirkte professionell und versöhnlich - doch der Schocker kam ganz am Schluss

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  • Donald Trump hat vor dem Kongress ungewöhnlich professionell gesprochen - jedenfalls größtenteils
  • Konkretes war von ihm nicht zu erfahren, das sei alles erst in Arbeit
  • Im Video seht ihr, wann nicht einmal die Mitglieder seiner Partei applaudieren wollten

Donald Trumps Rede vor dem US-Kongress ist mit Spannung erwartet worden. Doch wer gehofft hatte, endlich konkrete Informationen über die politischen Pläne des US-Präsidenten zu bekommen, wurde enttäuscht.

Trump wiederholte lang bekannte Forderungen: Er wolle schon bald eine "sehr, sehr große Mauer" an der Grenze zu Mexiko bauen - wann mit dem Bau begonnen werden soll oder wie diese Mauer aussehen soll, sagt er nicht.

Die Gesundheitsreform "Obamacare" solle rückgängig gemacht werden. Durch was das System ersetzt werden soll, sagte er nicht. Es werde an einem Plan für eine neue Gesundheitsreform gearbeitet, verriet Trump. Wie diese aussehen soll, erfuhren die Zuhörer nicht.

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Er versprach mal wieder eine historische Steuerreform. Unternehmen sollten weniger Steuern bezahlen, um überall wettbewerbsfähig zu sein und florieren zu können. Gleichzeitig solle die Mittelschicht in den USA von massiven Steuererleichterungen profitieren. Ins Detail ging Trump nicht. Sein Team arbeite daran, so Trump.

Trotzdem konnte man seiner Rede vier Neuigkeiten entnehmen:

1. Trump hatte seine Hausaufgaben gemacht

Schon das ist eine kleine Sensation: Trump las die Rede sorgfältig von einem Teleprompter ab, anstatt mit wilden Gesten draufloszureden, wie es sonst seine Art ist. Übliche Wortbausteine einer Trump-Rede wie "total desaster" oder "so sad" waren nicht zu hören.

Die ganze Rede wirkte sehr durchdacht und sorgfältig von einem professionellen Schreiber verfasst. Gleich am Anfang seiner Rede verurteilte er "Hassverbrechen" und sprach dabei Übergriffe gegen jüdische Gemeinden und den Mord an einem Inder an.

Er rief Republikaner und Demokraten dazu auf, zusammenzuarbeiten. Die Zeit für Denken in kleinen Dimensionen sei vorbei. Banale politische Kämpfe müssten enden. "Wir brauchen nur den Mut, die Träume zu teilen, die unsere Herzen füllen", sagte Trump. "Von nun an wird Amerika von unserem Streben befähigt - nicht von unserer Furcht belastet." Das wirkte erheblich professioneller als seine bisherigen Reden. Man fragte sich unwillkürlich: War das wirklich Trump, der da sprach?

2. Er schlug versöhnliche Töne gegenüber Minderheiten an

An mehreren Stellen sprach Trump die Situation von Minderheiten in den USA an und kündigte an, auch deren Situation verbessern zu wollen. Er schlug hier Töne an, die man so von ihm noch nie vernommen hatte.

So lud er eine schwarze Schülerin aus einer armen Familie in den Kongress ein, die es geschafft hat, durch die Unterstützung der Regierung eine gute Ausbildung zu erhalten. Jetzt mache sie einen Abschluss als Sozialarbeiterin.

Für Trump ein Beispiel, wie es immer laufen sollte. Er will ein Bildungsgesetz, das auch Latinos und Afroamerikanern helfe, die derzeit keine Chancen bekämen. Wie dieses Gesetz aussehen soll, verriet er natürlich nicht.

3. Trump will ein Einwanderungsgesetz statt Abschottung

Die große Neuigkeit war die Ankündigung einer Einwanderungsreform. Die USA bräuchten ein System, das sich an Leistungen orientiere, so wie es etwa in Kanada oder Australien der Fall sei, sagte Trump.

"Es ist ein Grundprinzip, dass diejenigen, die ein Land betreten wollen, sich finanziell versorgen können", fügte der Präsident hinzu. "Aber in Amerika setzen wir diese Regel nicht um und belasten unsere öffentlichen Ressourcen, auf die unsere ärmsten Bürger angewiesen sind."

Er glaube, dass eine echte Reform des Einwanderungssystems möglich sei, solange sie die Ziele verfolge, die Jobsituation der Amerikaner zu verbessern und die nationale Sicherheit zu stärken.

4. Die Provokation durfte nicht fehlen - das "Büro für die Verbrechen von Migranten"

Bei so vielen versöhnlichen Tönen gegenüber Einwanderern brauchte Trump offenbar noch einen provozierenden Knaller, um seine Stammwähler nicht zu verschrecken.

Er kündigte gegen Ende der Rede die Einrichtung eines "Büros für die Verbrechen illegaler Einwanderer" an. Das solle die Kriminalität von Menschen, die sich illegal in den USA aufhalten, dokumentieren. Zudem soll es Opfern eine Stimme geben, die "aus politischen Interessen" mundtot gemacht wurden.

Um diesen Punkt zu unterstreichen, hatte er zwei Witwen von Polizisten eingeladen, die 2014 von einem Einwanderer ohne Aufenthaltsgenehmigung getötet worden waren, sowie den Vater eines Mannes, der 2008 von einem mutmaßlichen Gangmitglied erschossen worden war. Sie wurden laut Trump "brutal ermordet durch einen Einwanderer" und "abgeschlachtet durch illegale Migranten", sagte Trump.

So kennt man das von ihm. Auf einmal schien Trump wieder er selbst zu sein.

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(sk)

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