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28/02/2017 09:38 CET

So widerlich freuen sich AfD-Politiker über die Inhaftierung des "Welt"-Reporters Yücel in der Türkei

dpa
Deniz Yücel sitzt aufgrund seiner Artikel in einem türkischen Gefängnis

  • "Welt"-Journalist Deniz Yücel bleibt weiterhin in türkischer Haft

  • Medien und Politiker in Deutschland setzen sich für die Freilassung ein

  • AfD-Politiker sorgen derweil für Aufregung, weil sie sich über die Verhaftung freuen

Der Fall hat das Potential die deutsch-türkischen Beziehungen nachhaltig zu schädigen. Deniz Yücel, deutsch-türkischer Journalist "Der Welt", muss nach 13 Tagen im Polizeigewahrsam in Istanbul auf unbestimmte Zeit in Untersuchungshaft.

Aber während Medien und Politik hierzulande für die Freilassung Yücels kämpfen, freut sich die AfD über die Inhaftierung. Das zeigen die Reaktionen zahlreicher Politiker der Partei.

So schreibt der Bundesvorsitzende des AfD-Nachwuchses "Junge Alternative", Markus Frohnmaier, auf Twitter: "National-Borderliner Yücel hätte in Deutschland schon längst wegen Beleidigung und Volksverhetzung Gefängnis von innen erleben sollen."

Auch Holger Arppe, der für die AfD im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern sitzt, befürwortet die Haft von Yücel. "Von mir aus kann er bleiben, wo er ist."

Die AfD-Politiker echauffieren sich hauptsächlich über eine Kolumne Yücels, die 2011 in der linken Tageszeitung "Taz" erschienen ist. Unter dem Titel "Super, Deutschland schafft sich ab!" kommentierte der Journalist den Geburtenrückgang - in dem beißenden Ton, für den er bekannt ist.

Der Artikel, der vor fast 6 Jahren schon viele Rechte erregte, wurde nun von AfD-Politikern wieder ausgegraben.

Kritik auch an Merkel

Der Berliner AfD-Abgeordnete Harald Laatsch stellt gleich noch eine Verbindung zu Kanzlerin Angela Merkel her. Kritik an ihr darf bei der AfD schließlich nie fehlen - egal wie absurd der Vergleich ist.

So behauptet Laatsch, dass der Anschlag am Breitscheidplatz "nicht annähernd so viel Interesse" seitens Merkel bekommen hätte wie nun der Fall Yücel.

Der Düsseldorfer AfD-Kreisverband setzt ebenfalls nach und twittert: "Jetzt kann er in Ruhe über seine Aussage über uns Deutsche nachdenken."

Die türkischen Behörden werfen dem 43-Jährigen Journalisten "Propaganda für eine terroristische Vereinigung und Aufwiegelung der Bevölkerung" vor. Verdächtige können in der Türkei bis zu fünf Jahre in Untersuchungshaft gesperrt werden.

(ben)

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