POLITIK
27/02/2017 10:20 CET | Aktualisiert 27/02/2017 14:08 CET

Deshalb war das Trump-Bashing auf der Oscar-Verleihung ziemlich peinlich

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Verleihung der Oscars in Los Angeles

Die diesjährige Oscar-Verleihung versuchte so krampfhaft politisch zu sein, dass man schon Mitleid mit US-Präsident Donald Trump kriegen konnte.

Und dass man diesen verkorksten Proto-Faschisten vor einer filmschaffenden Bekenntnisbewegung in Schutz nehmen muss, das ist der eigentliche Skandal, der sich vergangene Nacht in Los Angeles zugetragen hat.

Billigwitze vom Fließband

Vier Stunden lang zog Hollywood alle nur denkbaren Register, um Donald Trump zu diskreditieren und ins Lächerliche zu ziehen. Gala-Moderator Jimmy Kimmel etwa fragte gleich zu Beginn: "Ich möchte dem Präsidenten danken. Kann sich jetzt noch jemand daran erinnern, als es letztes Jahr hieß, die Oscars seien rassistisch?"

Später fragte er die "meistüberschätzte Schauspielerin Amerikas" (Donald Trump über Meryl Streep), ob sie ihr Kleid in Ivankas Webshop gekauft habe.

Und noch später versandte er live ein paar Tweets an den Präsidenten. Kimmel ist gelernter Late-Night-Moderator und Comedian. Und die ganze Gala wirkte so, als hätte jemand "Saturday Night Life" mit der Halbzeitshow des Super Bowls gekreuzt. Das war so subversiv wie Schlag ins Gesicht.

Hollywood, so läuft das nicht!

Ob auch manch eine Oscar-Entscheidung als politisches Statement gemeint war?

Darüber zu spekulieren verbietet der Respekt vor den Künstlern. Dass sich aber selbst der Gewinner für das beste Make-Up dazu ermutigt sah, seine Trophäe "allen Einwanderern" zu widmen - und ein anderer Preisträger den Opfern von Polizeigewalt und dass ein Gastmoderator die Grenzmauer zu Mexiko kritisierte: Das war am Ende nicht mehr politisch, sondern ganz arg politisch gewollt.

Verdammt noch mal, Hollywood, so funktioniert das nicht. Und schon gar nicht im Jahr 2017, jenem Hund von einem Jahr, in dem eine elitenkritische Bewegung in Amerika die Macht übernommen hat.

Politik entsteht nicht dadurch, dass jemand ein paar warme Worte in ein Mikrofon säuselt.

Bannon, Conway und Spicer freuen sich

Man kann sich nur vorstellen, was zur gleichen Zeit im Weißen Haus abgelaufen ist: Wie Stephen Bannon, Trumps politischer Chefberater und bekennender Rechtsextremist, zusammen mit der fremdenfeindlichen Giftspritze Kellyanne Conway, dem kanisterköpfigen Regierungssprecher Sean Spicer und der restlichen Finsterbrigade auf dem Sofa saß und sie alle zusammen darüber abgegeiert haben, dass die versammelten Champagner-Künstler von der Westküste noch einmal so ziemlich jeden Fehler des Hillary-Clinton-Wahlkampfs wiederholt haben.

Im Kampf gegen die Trump-Bewegung ist der Glaube an die eigene moralische Überlegenheit ein falscher Ratgeber. So erreicht man niemanden, der nicht ohnehin schon mit dem linken Amerika einer Meinung ist.

Was an diesem Abend in Los Angeles fehlte, war ein echtes Gesprächsangebot an jene, die womöglich noch nicht völlig dem rechtsradikalen Wahnsinn verfallen sind. Das ist freilich schwer zu formulieren. Es bringt längst nicht so viel preiswerten Applaus. Und niemand weiß, ob es am Ende nicht vielleicht doch vergebliche Liebesmühe war.

Aber genau solche Risiken müssen Demokraten derzeit eingehen. Gerade in Amerika.

(ben)

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