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27/02/2017 19:22 CET

Spannende Utopie: Wie ein 100-Jähriger die Stadt der Zukunft entwirft

The Venus Project

  • Das Venus Project arbeitet an der Vision einer umweltfreundlichen und sozial gerechten Zukunftsstadt

  • Dahinter steckt der 100-jährige Architekt und Designer Jacque Fresco

  • Viele seiner Ideen sind radikal und utopisch, doch sein Projekt stößt Diskussionen an

Soziale Ungerechtigkeit, Krankheiten, Obdachlosigkeit, Umweltverschmutzung: In großen Städten sind die vielen Probleme unserer Gesellschaft greifbar. Schon Leonardo da Vinci versuchte daher zu seiner Zeit, eine Stadt zu entwerfen, die allen Menschen ein besseres Zusammenleben ermöglicht.

Eine Idealstadt, das ist auch der Lebenstraum des 100-jährigen Sozial-Architekten Jacque Fresco. Zusammen mir der Illustratorin Roxanne Meadows hat er das Venus Project ins Leben gerufen – er will eine Stadt planen, die nicht nur umweltfreundlich ist, sondern auch sozial gerecht und sicher.

Die Illustrationen der Beiden sind atemberaubend: In einer kreisförmig angeordneten Siedlung erheben sich futuristisch anmutende Gebäude aus einer grünen Oase aus Bäumen und Wasser.

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Ein Modell des Projekts

Doch das Venus Project ist weit mehr als eine architektonische Utopie. Für Fresco ist es auch eine soziale Wunschvorstellung. Der 1916 in Brooklyn geborene Designer träumt von einer Stadt, die nicht von Politikern regiert wird, sondern von einem zentralen Computer, die ihre Wirtschaft nicht auf Geld aufbaut, sondern auf Tauschhandel.

Die verrückte Idee findet Anklang

All das klingt verrückt, doch Frescos Pläne, an denen er in seinem Forschungszentrum im Süden Floridas tüftelt, stoßen auf reges Interesse. Ein Dokumentarfilm, der sein Projekt vorstellt, wurde über eine Million Mal gesehen, immer mehr Besucher finden den Weg in sein Kreativzentrum.

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Der 100-jährige Jacque Fresco

Bisher bestehen die Pläne des Venus Project, das 1995 gegründet wurde, nur auf Papier – und in den beeindruckenden Animationen und Illustrationen der Entwickler. Einige der typischen weißen Kuppelhäuser Frescos stehen bereits auf dessen Forschungsareal in Florida.

Schon bald soll jedoch eine ganze "experimentelle Forschungsstadt“ entstehen, die erste Ideen der Visionäre umsetzt.

Es gehe um ein "neues soziales Design“, erklärt Frescos Partnerin Meadows dem US-Magazin "Inhabitat“. Die Architektur sei entworfen worden, um "Ressourcen zu schonen und einen hohen Lebensstandard zu ermöglichen, damit die gesamte Weltbevölkerung einen Zugang zu adäquatem Wohnen, nähreichem Essen, sauberen Wasser und allen Möglichkeiten haben kann, die unsere technische Zivilisation schafft.“

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Ein Kuppelhaus, wie Fresco sie bereits gebaut hat

Firmen wie Google arbeiten bereits an Super-Städten

Das klingt utopisch – und ist auch durchaus so gemeint. Doch die Besucher des Forschungszentrums verstehen die Botschaft. "Bloomberg“ zitiert einen Gast: "Firmen wie Google bauen tatsächlich bereits 'smarte’ Städte – es passiert also. Und das hier ist ein interessanter Rahmen, durch den man einige der Probleme sieht.“

Probleme, vor denen auch das Venus Project höchstwahrscheinlich stehen wird, sollte die Zukunfts-Enklave einmal Realität werden. Denn obwohl Fresco von seinem Regierungscomputer schwärmt ("er ist nicht bestechlich“, "die Technik für so etwas haben wir bereits“); wie eine solche digitale Regierung aussehen soll, ist bislang nur recht dürftig erklärt worden.

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Auch das Ende der Geldwirtschaft ist kein einfaches Unterfangen, wie etwa das von der Unesco geförderte Projekt Auroville zeigt. Die "internationale“ und "universelle“ Stadt in Indien wollte Regierung und Geld abschaffen.

Heute kann man zumindest letzteres für gescheitert erklären: Bis zu 50.000 US-Dollar kosten Häuser in Auroville, viele der kleinen ansässigen Unternehmen akzeptieren längst Bargeld, die Bürger der Stadt leben teilweise in großer finanzieller Sorge.

Frescos Visionen könnten Debatten anstoßen

Mit seinem radikalen konsum- und kapitalismuskritischen Kurs hat sich Fresco viele Feinde gemacht.

Dennoch: Viele Ideen, die Fresco mit seinem Venus Project anstößt, sind eine nähere Betrachtung wert. Die Fokussierung auf erneuerbare Energien, eine Kombination aus Solarpanelen, Wind- und Wasserkraftanklagen und Geothermie, also Erdwärme-Kraftwerke, könnte für die Großstadt der Zukunft wegweisend werden.

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Auch autonom fahrende Elektroautos, Magnetzüge und verschiedene Formen futuristischer Flugobjekte möchte der Erfinder testen – besser heute als morgen.

Der 100-Jährige ist überzeugt: Nur technologischer Fortschritt kann Armut und soziale Ungerechtigkeit besiegen.

Jedes Kind braucht die Chance auf Bildung

Egal wo auf der Welt: Ohne Bildung haben Kinder aus armen Familien in der Regel keine Chance. Doch die ist mitunter teuer - und so vergrößert sich vielerorts das Ungleichgewicht. Dieses Problem versuchen Organisationen in aller Welt zu lösen. Wie ihr selbst aktiv werden könnt, erfahrt ihr bei unserem Kooperationspartner Betterplace..

(ks)

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