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27/02/2017 15:45 CET

Fillon wirft Regierung "Quasi-Bürgerkriegs-Klima" in Frankreich vor

Christian Hartmann / Reuters
Präsidentschaftskandidat Fillon wirft der französischen Regierung vor, nicht gegen das Klima eines "Quasi-Bürgerkrieges" vorzugehen

  • Präsidentschaftskandidat Fillon wirft der französischen Regierung vor, nicht gegen das Klima eines "Quasi-Bürgerkrieges" vorzugehen

  • Er bezog sich damit auf Attacken gegen Anhänger des rechtspopulistischen Front National am Sonntag

Der konservative Präsidentschaftskandidat François Fillon hat der französischen Regierung schwere Vorwürfe gemacht. Sie lasse es zu, dass sich im Land "ein Klima eines Quasi-Bürgerkrieges" entwickle, das den Ablauf des Wahlkampfs störe.

Hintergrund sind Zwischenfälle am Rande von Wahlkampfkundgebungen in Frankreich. Fillon bezog sich unter anderem auf Angriffe gegen Busse mit Anhängern der Präsidentschaftskandidatin des rechtspopulistischen Front National, Marine Le Pen, am Sonntag bei Nantes.

Seine eigenen Wahlkampfauftritte würden immer wieder von "einer Handvoll linksextremer Demonstranten" gestört, sagte der ehemalige Premierminister.

Krawalle in Pariser Vororten

Zudem verwies er auf Ausschreitungen in Pariser Vororten bei Protesten gegen Polizeigewalt. Die Regierung müsse aktiv werden, "damit die Krawallmacher und die Feinde der Demokratie aufhören, diesen Präsidentschaftswahlkampf zu stören".

Seit vier Polizisten bei der Festnahme eines 22-jährigen Anfang Februar gewaltsam vorgegangen sein sollen, kommt im nordöstlich von Paris gelegenen Vorort Bobigny immer wieder zu Ausschreitungen.

Premierminister ist empört

Premierminister Bernard Cazeneuve reagierte empört auf Fillons Äußerungen. Er kritisierte, die Verwendung des Begriffs "Quasi-Bürgerkrieg" sei "einfach nicht verantwortungsvoll".

"Ich verstehe es, dass gewisse Kandidaten versucht sind, die Schwierigkeiten ihrer Kampagnen hinter Polemiken zu verstecken", sagte der Sozialist Cazeneuve am Montag vor Journalisten. Fillon war wegen Vorwürfen zur jahrelangen Beschäftigung seiner Frau auf Parlamentskosten in Bedrängnis geraten.

Laut den Umfragewerten dürfte Fillon bei der Wahl im April 2017 hinter Le Pen und dem unabhängigen Kandidaten Emmanuel Macron auf dem dritten Platz landen und damit die Stichwahl um das Präsidentenamt verpassen.

Nach den Berechnungen der britischen Wochenzeitschrift "The Economist" dürfte sich Macron im zweiten Wahlgang gegen Le Pen durchsetzen. Auch Fillon würde gegen die Politikerin in einer Stichwahl gewinnen.

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(ks)

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