Studie: Wissenschaftler vermuten direkten Zusammenhang zwischen Depressionen und Krebs

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DEPRESSION KREBS
Laut den Wissenschaftlern könnte es einen direkten Zusammenhang zwischen Krebs und Depressionen geben. | iStock
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Ein Gefühl wie unter Wasser, wie ein Leben unter einem dunklen Schleier, als würden unsichtbare Kräfte an einem ziehen: So oder so ähnlich beschreiben Menschen mit Depressionen ihre Krankheit.

Und als ob Depressionen nicht schon schlimm genug wären, glauben Forscher nun, außerdem eine direkte Verbindung zu einer anderen schwerwiegenden Erkrankung gefunden zu haben: Krebs.

Zu diesem Ergebnis kam eine überraschende Studie des britischen Epidemiologen David Betty vom University College in London.

In Zusammenarbeit mit einem Team von anderen Wissenschaftlern analysierte der britische Arzt die Daten von 163.363 Engländern und Schotten im Alter von 16 bis 90 Jahren.

Krebs als Folge einer Depression oder Angststörung?

Das Fazit seiner Untersuchung: Menschen, die während der Befragung die Symptome einer Angststörung oder Depression angegeben hatten, starben später viel häufiger an Krebs als der Rest der Befragten.

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Insgesamt starben 4353 Menschen an einem Krebsleiden, mutmaßlich als Folge einer psychischen Erkrankung wie Depressionen oder chronischen Angstzuständen.

Bei manchen Krebsarten zeigte sich dieser Zusammenhang ganz besonders deutlich: Lungen-, Prostata-, Pankreas- und Speiseröhrenkrebs sowie Leukämie waren die häufigsten Todesursachen der Teilnehmer.

Das belegen die Zahlen der Forscher:
In der im "British Medical Journal" publizierten Studie
schlussfolgern sie, dass die Wahrscheinlichkeit an Krebs zu erkranken bei Menschen mit schweren Depressionen um 32 Prozent höher sei, als bei Menschen ohne eine psychische Krankheit.

Die Ergebnisse sollten nicht pauschalisiert werden

"Die Resultate zeigen klar auf, dass bei der von uns untersuchten Personengruppe, die zum Zeitpunkt der Datenerhebung an einer chronischen Stress-Psychose oder Depressionen litten, ein besonders hohes Krebsrisiko bestand", sagte Betty in einem Interview mit der britischen Tageszeitung "Independent".

Eine entscheidende Frage jedoch konnte die Studie nicht beantworten: ob psychisches Leid tatsächlich direkte Auswirkungen auf das Wachsen bösartiger Tumore hat. Der Verdacht liegt zwar nahe, bewiesen ist es aber nicht.

Der Münchner Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie Stephan Leucht sieht die Ergebnisse der britischen Studie kritisch.

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Zwar halte er die Studie durchaus für interessant, man könne ihr aber keine kausale Beziehung zuordnen, sagte er der Huffington Post.

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"Nicht die Depression macht den Krebs, sondern der Krebs macht die Depression“

In Deutschland haben Forscher derartige Langzeitstudien noch nicht durchgeführt, daher fehlt auch der direkte Vergleich. Anders als bei psychischen Erkrankungen wie etwa der Schizophrenie, bei der rein biologische Faktoren eine Rolle spielen, seien die Einflussfaktoren bei Depressionen weitaus breitgefächerter, erklärt Leucht.

So können sowohl biologische als auch psychische, familiäre oder genetische Faktoren die Entwicklung von Depressionen beeinflussen. Auch Kindheitstraumata oder psychische Belastungsstörungen gelten als Auslöser.

Leucht ist der Auffassung, dass gerade im Hinblick auf die Entwicklung von Krebserkrankungen nicht vorschnell geurteilt werden darf. "Nicht die Depression macht den Krebs, sondern der Krebs macht die Depression“, sagt er.

Auch wenn die Ergebnisse der britischen Mediziner umstritten sind, glaubt der britische Forscher Betty, einen großen Schritt vorangekommen zu sein.

Ein großer Schritt für die Forschung?

“Die Ergebnisse der Datenauswertung helfen uns, die gesundheitlichen Zusammenhänge von Körper und Geist besser zu verstehen“, erklärt er.

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Nun wollen er und sein Team der Frage nachgehen, ob Stress und Depressionen die Produktion von Abwehrzellen beeinträchtigen können - Zellen, die das Wachstum von Tumoren im Körper behindern.

Denn: "Eine Depression könnte sich über Störungen in der Hirnchemie auf das Immunsystem auswirken und infolgedessen Entzündungsprozesse im Körper fördern“, schreiben die Forscher in ihrer Studie.

Es könnte ein sensationelles Ergebnis sein - doch nutzt es den Patienten?

Sollte der Zusammenhang zwischen Depressionen und Krebs tatsächlich belegt werden, wäre das ein sensationelles Ergebnis – sowohl für die Krebsforschung als auch für die Psychotherapie.

Doch ob am Ende diese Entdeckung den Menschen, die an Depressionen leiden wirklich helfen, ist fraglich.

Denn eine mahnende Konfrontation mit einem prozentual gesteigerten Krebsrisiko ist mit Sicherheit das Letzte, was ein Mensch der an Depressionen leidet, erfahren will.

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(sma/lk)

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