NACHRICHTEN
27/02/2017 21:44 CET | Aktualisiert 28/02/2017 07:52 CET

Chile wird jede Woche von Naturkatastrophen gebeutelt - jetzt ist die Hauptstadt ohne Trinkwasser

JeremyRichards via Getty Images
<HH--PHOTO--CHILE--5134118--HH>

  • In Santiago de Chile sind 1,4 Millionen Menschen ohne Trinkwasser

  • Grund sind Überschwemmungen

  • Fast jede Woche wird Chile von einer anderen Naturkatastrophe heimgesucht

Chile wird in diesem Jahr von Naturkatastrophen fast im Wochentakt gebeutelt - erst die schlimmsten Waldbrände der Geschichte, nun Überschwemmungen. Das hat drastische Folgen für die Hauptstadt.

Für Claudio Orrego ist das längst mehr als ein Warnsignal. Der Regierungsbeauftragte für Santiago de Chile sieht die Tatsache, dass nach einem Unwetter und Überschwemmungen mehr als 1,4 Millionen Menschen in der Hauptstadt Chiles und in angrenzenden Städten plötzlich ohne Trinkwasser sind, als einen Boten des Klimawandels.

"Das Anormale fängt an, normal zu werden"

"Das Anormale fängt an, normal zu werden", sagt er. Starker Regen in 4500 Metern Höhe, das komme in den letzten Jahren immer häufiger vor, sagt er dem Portal "Emol.com". Santiago müsse sich nicht nur stärker auf die Gefahr schwerer Erdbeben vorbereiten, sondern auch darauf, dass verstärkte Regenfälle in solchen Höhen die Wasserversorgung in Santiago de Chile von Millionen Menschen erheblich gefährden kann.

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

Was ist passiert? In den nahe gelegenen Anden hat es sintflutartige Regenfälle gegeben, der Rio Maipo trat über die Ufer und wurde zum reißenden Schlammstrom. Mindestens drei Menschen starben. 19 galten als vermisst, fast 400 Menschen waren von der Außenwelt abgeschnitten und mussten mit Hilfe von Helikoptern versorgt werden.

Schlangen vor mobilen Trinkwasserdepots

Der Wasserversorger Aguas Andina war gezwungen, seine Trinkwasserproduktion im Rio Maipo wegen der reißenden Fluten, die viel Geröll mit sich führten, zeitweilig einzustellen. Am Montag konnte zwar die Produktion wieder angefahren werden, "aber noch nicht zu 100 Prozent", teilte der Versorger mit. Zudem müsse man ein Wassernetz von 15.000 Kilometern Länge befüllen.

Mehr zum Thema: Klimawandel war gestern - so sieht Trumps Energiepolitik aus

In Santiago bildeten sich Schlangen vor mobilen Trinkwassertanks, wo die Menschen Plastikflaschen befüllten. Chile war erst vor kurzem von den schlimmsten Waldbränden seiner Geschichte heimgesucht worden.

Zerstört wurde dabei ein Gebiet von mehr als 500.000 Hektar im Zentrum des Landes - eine Fläche, die mehr als fünf Mal so groß wie Berlin ist. Elf Menschen starben - hier war es vor allem eine große Trockenheit, die die rasante Ausbreitung der Brände begünstigte.

Die geografische Lage von Santiago begünstigt Überschwemmungen

Durch die geografische Lage Santiagos, an den steil abfallenden Anden gelegen, können solche Veränderungen bei Regenmengen in großer Höhe sich zu einem Versorgungsrisiko auswachsen, wie das aktuelle Beispiel deutlich zeigt. Doch für den Regierungsbeauftragten Claudio Orrego ist auch der Versorger an der aktuellen Misere mitschuldig.

"Es gab Wettervorhersagen, die diese anormale Situation in der Kordilliere prognostiziert haben." Man darf aber nicht vergessen: In Chile wird im November ein Nachfolger für Präsidentin Michelle Bachelet gewählt, deren Beliebtheitswerte im Keller sind. Das linke Lager muss daher den Machtverlust fürchten.

(bp)

Sponsored by Trentino