Die Anti-Trump-Oscars: Wie Hollywoods Filmstars ihre Award-Feier in eine Protestveranstaltung verwandeln

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Donald und Melania Trump bei den Academy Awards im Jahr 2011 | Getty
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  • Die Oscarnacht wird dieses Jahr besonders politisch
  • Viele Hollywood-Stars wollen die Academy Awards nutzen, um gegen den US-Präsidenten Donald Trump zu protestieren
  • Auch einige US-Medien schließen sich dem Oscar-Protest gegen Trump an

Hollywood rüstet sich für den Protest gegen Donald Trump: Wie schon der Super Bowl, scheinen auch die Oscars ein Frontalangriff auf den US-Präsidenten werden.

Schon im Vorfeld der Preisverleihung war die erste Protestnote zu vernehmen: Die deutsche Oscar-Anwärterin Maren Ade (40), die für ihren Film "Toni Erdmann" nominiert ist, veröffentlichte mit den anderen für den Auslands-Oscar vorgeschlagenen Regisseuren ein Statement für Weltoffenheit.

Die Filmemacher beklagen darin "das Klima von Fanatismus und Nationalismus, das wir heute in den USA und in so vielen anderen Ländern sehen, in Teilen der Bevölkerung, und, was am bedauerlichsten ist, unter führenden Politikern." Sie formulieren eine deutliche Botschaft an Donald Trump: "Wir glauben nicht, dass es ein bestes Land, bestes Geschlecht, eine beste Religion oder Hautfarbe gibt. Wir wollen, dass diese Auszeichnung ein Symbol der Einheit zwischen den Nationen und der Freiheit für die Künste ist."

Mehr zum Thema: Trump wollte nicht, dass ihr folgenden Superbowl-Werbespot seht

Oscar-Party wird zur Anti-Trump-Rally

Zu den Unterzeichnern des Aufrufs gehört auch der iranische Regisseur Asghar Farhadi. Aus Protest gegen Trumps Einreiseverbot hatte er - genau wie die Hauptdarstellerin seines Films "The Salesman", Taraneh Alidoosti - seine Teilnahme an den Oscars abgesagt. Trumps Politik versuche, "Hass zu fördern", sagte Farhadi am Freitag auf einer Kundgebung.

Diese war von der Künstleragentur United Talent Agency (UTA) veranstaltet worden, die dafür extra ihre traditionelle Oscar-Party abgesagt hatte. Das eigentlich für die Feierlichkeiten vorgesehene Budget wurde komplett an Flüchtlings- und Bürgerrechtsorganisationen gespendet.

Unter dem Motto "United Voices" kamen mehr als 1500 Menschen zu der Anti-Trump-Rally - unter anderem die Filmstars Michael J. Fox und Jodie Foster. Letztere sagte den Teilnehmern: "Wir werden Chaos, Untauglichkeit und Kriegstreiberei nicht akzeptieren."

UTA-Chef Jeremy Zimmer sagte der "Los Angeles Times": "Ich habe nichts gegen Partys, aber ich hatte das Gefühl, dass wir in diesem Moment aufstehen müssen und sagen, 'Hier läuft etwas falsch.'"

"New York Times" wirbt während der Oscars für Wahrheit

Dieses Gefühl hat auch die "New York Times", die wie viele US-Medien immer wieder Ziel heftiger Attacken von Donald Trump wird.

Die "Graue Dame" will während der Oscarnacht einen "Wahrheits-Werbespot" schalten, berichtet die US-Ausgabe der Huffington Post. Der Spot beginnt mit einem weißen Bildschirm, auf dem die Worte "Die Wahrheit ist" gefolgt von dutzenden sich widersprechenden Aussagen erscheinen.

"Die Wahrheit ist, unsere Nation ist gespaltener als je zuvor", "die Wahrheit ist, dass alternative Fakten Lügen sind", "Die Wahrheit ist, dass die Medien unehrlich sind", ist dort zu lesen. Der Spot endet mit der Erkenntnis: "Die Wahrheit ist schwer zu finden. Die Wahrheit ist schwer zu kennen. Die Wahrheit ist jetzt wichtiger, als je zuvor."

Der Werbespot soll laut dem Marketing-Chef der "New York Times", David Rubin, ein Teil des derzeitigen nationalen Dialogs über Fakten und Wahrheiten in den USA sein. Er solle daran erinnern, was Wahrheit "in einer Welt voller Fake News" bedeutet, und "welche Rolle Journalismus und Journalisten dabei spielen", sagte Rubin dem Sender CNN.

Trump reagierte umgehend auf die Ankündigung der "Times", den Werbeclip zu zeigen. Bei Twitter schrieb er: Zum ersten Mal schaltet die scheiternde "New York Times" eine Werbung (eine schlechte), um ihren Ruf zu retten. Sie sollten lieber eine faire und richtige Berichterstattung versuchen!"

Huffington Post USA verleiht "alternative Oscars" an Trump

Auch die Huffington Post USA nutzt die Oscars, um gegen Trump zu protestieren. Zusammen mit dem Videoportal "Outspeak" verleiht sie dem US-Präsidenten und seinem Kabinett "alternative Oscars".

So gewinnt Trump-Beraterin Kellyanne Conway den Oscar für bestes Kostümdesign. Der Preis für den besten Nebendarsteller geht an Pressesprecher Sean Spicer, der für den besten Regisseur an Trumps Einflüsterer Stephen Bannon.

Superstar Trump selbst räumt gleich in mehreren Kategorien ab: Beste Spezialeffekte, bestes Make-Up - und natürlich bestes Drehbuch.

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Die Academy stört sich nicht an der Politisierung der Oscars

Die Anti-Trump Stimmung in Hollywood, getragen auch von Stars wie der Reden schwingenden Meryl Streep oder Robert "Ich will ihm ins Gesicht schlagen" de Niro, wird die Oscarverleihung zu einer politischen Bühne machen.

Die Academy stört sich daran nicht. "Wir sind alle glücklich darüber, dass wir Redefreiheit haben", sagte deren Präsidentin Cheryl Boone Isaacs dem Sender Sky News. "Ich hoffe, dass die Personen, die auf am Abend auf die Bühne treten, 45 Sekunden lang etwas sehr bedeutsames und berührendes sagen werden."

Mit Material der dpa und der AP

(lp)

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