POLITIK
26/02/2017 18:56 CET | Aktualisiert 26/02/2017 18:56 CET

Tausende Russen protestieren in Moskau gegen Wladimir Putin

dpa
Tausende Russen protestieren in Moskau gegen Wladimir Putin

  • Bei einem Gedenkmarsch für den ermordeten Oppositionspolitiker Nemzow in Moskau wurde Kritik an Präsident Putin laut

  • "Putin ist Krieg", skandierten tausende Russen

Bei einem Gedenkmarsch für den vor zwei Jahren ermordeten Oppositionspolitiker Boris Nemzow haben tausende Russen in Moskau gegen Präsident Wladimir Putin protestiert.

Demonstranten trugen am Sonntag russische Fahnen und Plakate mit einigen Zitaten Nemzows wie etwa "Russland wird frei sein". Die Polizei sprach von 5000 Teilnehmern, die Organisatoren gaben die Zahl dagegen mit mehr als 10 000 an. Auch in anderen Städten des Landes, darunter St. Petersburg und Nemzows Heimatstadt Nischni Nowgorod, gab es Demonstrationen zu seinen Ehren.

Laut dem US-Magazin "The Atlantic" sollen die Demonstranten in Moskau "Putin ist Krieg" gerufen haben.

Oppositionsführer angegriffen

"Es ist sehr wichtig, dass die Menschen nach zwei Jahren weiter auf die Straßen gehen und ihre Solidarität mit Ideen zeigen, für die Boris Nemzow kämpfte und sein Leben gab", sagte Nemzows Freund Ilja Jaschin der Nachrichtenagentur Interfax zufolge.

Die Demonstration in Moskau verlief weitgehend friedlich. Allerdings wurde Oppositionsführer Michail Kasjanow von einem Unbekannten angegriffen, der ihm grüne Farbe ins Gesicht warf. Die Polizei nahm zudem mehrere Personen fest. Nach der Kundgebung legten Tausende Blumen an der Stelle nieder, an der Nemzow am 27. Februar 2015 abends in der Nähe des Kremls erschossen worden war.

Der Mord ist bis heute nicht aufgeklärt. Der mutmaßliche Todesschütze war ein Offizier der Sicherheitskräfte des tschetschenischen Präsidenten Ramsan Kadyrow, der wiederum als Putins Mann fürs Grobe gilt. Eine offizielle Untersuchung zu dem Fall hat nicht festgestellt, wer die Tat angeordnet hatte.

Nemzow war in den 1990er Jahren unter Präsident Boris Jelzin Gouverneur von Nischni Nowgorod und dann stellvertretender Ministerpräsident gewesen. Später wurde er einer der energischsten Kritiker von Jelzins Nachfolger Putin.

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