Absurder Skandal-Wahlkampf in Frankreich - jetzt solidarisiert sich Le Pen mit einem ihrer Rivalen

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LE PEN FILLON
Fugures of Francois Fillon (L), former French prime minister, member of The Republicans political party and 2017 presidential candidate of the French centre-right, French National Front leader Marine Le Pen (R) and French Socialist party 2017 presidential candidate Benoit Hamon (bottom C) are paraded through the crowd during the Carnival parade of the 133rd carnival, the first major event since the city was attacked during Bastille Day celebrations last year in Nice, France, February 19, 2017. | Eric Gaillard / Reuters
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  • Der Wahlkampf in Frankreich wird von Skandalen erschüttert
  • Jetzt gerät auch Marine Le Pen in den Strudel der Politikaffären - sie soll Geld veruntreut haben
  • Das bringt Le Pen dazu, sich ausgerechnet mit einem ihrer ärgsten Rivalen zu solidarisieren

Als "Kandidatin des Volkes" hatte sich Marine Le Pen beim Start ihrer Präsidentschaftskampagne bezeichnet. Als Anti-System-Kandidatin, gegen die sozialistische Linke, gegen die konservative Rechte, gegen das vereinte Europa. Mit ihrer Front National will sie Frankreich wieder den Franzosen zurückerobern.

Dafür ist Le Pen jedes Mittel recht: Fremdenfeindliche Parolen, nationalistische Rhetorik - und scheinbar auch die Inanspruchnahme von illegaler Wahlkampfhilfe. Die französische Justiz hat wegen des Verdachts auf illegale Wahlkampfhilfe Ermittlungen gegen einen Mitarbeiter der Rechtspopulistin eingeleitet.

Wie die französische Nachrichtenagentur AFP am Samstag unter Berufung auf Justizkreise berichtete, wurde das Verfahren gegen Frédéric Chatillon bereits am 15. Februar eröffnet. Ihm wird vorgeworfen, öffentliche Gelder veruntreut zu haben.

Der Skandal bringt Le Pen nun sogar dazu, sich dem konservativen Kandidaten François Fillon anzunähern.

Es ist nicht Le Pens erster Skandal...

Chatillon soll über seine Firma Riwal für die Front National überteuertes Wahlkampfmaterial verkauft und der Partei zudem auf Umwegen einen Kredit gewährt haben.

Es ist nicht der erste Skandal dieser Art der Front National: Bereits seit Ende Oktober laufen gegen die FN Ermittlungen im Zusammenhang mit dubiosen Wahlkampfgeldern. Es geht um die Finanzen der Partei während der Kommunal- und Europawahlen 2014 und die Departementswahlen 2015.

Und noch eine Affäre belastet Le Pen: Ihre Partei soll aus Parlamentsmitteln Assistenten von Europaabgeordneten bezahlt haben, die in Wahrheit nur für die Parte tätig waren. Seit wenigen Tagen läuft ein Ermittlungsverfahren der französischen Justiz in dem Fall.

Doch Le Pen weigert sich, einer Vorladung der Polizei nachzukommen. Das bestätigten Ermittler der Deutschen Presse-Agentur. Le Pens Anwalt Rodolphe Bosselut sagte dem Sender BFMTV, dass die Chefin der Front National (FN) bereit sei, nach den Wahlen mit den Ermittlern zu sprechen.

Le Pen selbst hatte die Eröffnung des Ermittlungen als politisches Manöver ihrer Gegner bezeichnet.

... und auch nicht der erste im französischen Wahlkampf

Le Pens Probleme mit der Justiz sorgen jetzt dafür, dass sie sich jetzt ausgerechnet mit ihrem Rivalen François Fillon von der republikanischen Partei verbrüdert.

Fillon hat seinen eigenen Skandal am Hals. Jahrelang hatte er seine Frau Penelope auf Kosten des französischen Parlaments als Assistentin beschäftigt. Mehrere Hunderttausend sollen so veruntreut worden sein. Die Justiz ermittelt nun wegen des Verdachts auf Scheinbeschäftigung.

Lange genug habe das gedauert, sagte Le Pen der Zeitung "La Provence". Die Affäre um Fillon habe die "persönliche Bindung zwischen François Fillon und den Franzosen beschädigt." Es sei nun aber höchste Zeit, "dass wir uns auf jene Probleme konzentrieren, die die Franzosen interessieren."

... und auch nicht der erste im französischen Wahlkampf

Was die Franzosen vor allem interessieren dürfte, ist, welcher Kandidat noch übrig bleibt, um ab April ihre Republik anzuführen.

Yannick Jadot, der Kandidat der Grünen, ist aus dem Wahlkampf ausgestiegen und unterstützt nun den Kandidaten der Sozialisten, Benoît Hamon. Doch der ist in Frankreich schlichtweg zu unbeliebt und hat laut Umfragen wenig realistische Chancen auf einen Wahlsieg.

Bleibt Emmanuel Macron, der ehemalige Sozialist und Wirtschaftsminister, der als Kandidat der unabhängigen Bewegung "En Marche!" die Herzen der Franzosen im Sturm erobert hat.

Ein bisschen links, ein bisschen liberal, ein bisschen wirtschaftsnah - und vor allem nicht Marine Le Pen. Macron ist vom Geheimfavoriten zum Hoffnungsträger Frankreichs und Europas geworden. Auch, weil er von den Skandalen Le Pens und Fillons profitiert.

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Aber Vorsicht: Auch um Macron rankten sich bereits die ersten Gerüchte. Er soll eine Affäre mit Mathieu Gallet, dem Chef der staatlichen Radiosender haben, hieß es. Die Geschichte wurde schnell entkräftet, stammte sie doch vom russischen Propagandaportal "Sputnik".

Und auch Macron selbst lachte die Anschuldigungen weg: Wer ihn bei einer Affäre mit Gallet erwischt habe, müsse ein Hologramm von ihm gesehen haben.

Noch hat Macron den absurden Wahlkampf in Frankreich also unbeschadet überstanden. Doch der nächste Skandal kommt bestimmt - und könnte dann auch ihn betreffen.

Mit Material der dpa.

(lp)

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