Rentner muss nach 30 Jahren ausziehen - weil er plötzlich 2400 anstatt 750 Euro Miete zahlen soll

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MODERNISIERUNG
Paul Bartholomäi muss nach 30 Jahren aus seiner Wohnung in Frankfurt ausziehen. | Hessischer Rundfunk
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30 Jahre hat Paul Bartholomäi im Frankfurter Norden gewohnt. Jetzt muss der Rentner aus seiner Wohnung ausziehen - weil er sich die Miete nicht mehr leisten kann.

Anstatt 750 Euro Miete soll Bartholomäi plötzlich 2.400 Euro Miete zahlen. Das entspricht einer Mietsteigerung von 164 Prozent. Für den Mann ein Ding der Unmöglichkeit.

Der Grund: Das Haus im Jugendstil wechselte den Eigentümer. Dieser will das komplette Objekt modernisieren. "Nicht nur sanieren, komplett modernisieren", sagt Bartholomäi im Interview mit dem Hessischen Rundfunk.

So sind beispielsweise neue Fenster für 118.000 Euro und eine komplett neue Fassade für 100.000 Euro geplant.

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"Ich bin über 70"

Der Mann ist wütend und hat kein Verständnis für die Pläne des neuen Haus-Eigentümers. "Natürlich ist mir das Messer in der Hosentasche aufgegangen", sagt er.

Doch dem Rentner war auch klar: Er muss einfach so schnell wie möglich aus dem Haus raus. Die Luxus-Sanierung möchte er nicht bezahlen. "Ich bin über 70 und ich habe nicht mehr diesen Kampfgeist", erklärt er gegenüber dem Hessischen Rundfunk.

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Recht liegt auf Seite des Vermieters

So unfair die Situation für Bartholomäi auch ist: Rein rechtlich hat der Vermieter nichts zu befürchten. Denn: Die Kosten, die bei einer Modernisierung entstehen, können auf die Mieter umgelegt werden.

Das regelt Paragraph 559 des BGB. Dort heißt es: Hat der Vermieter Modernisierungsmaßnahmen durchgeführt, so kann er die jährliche Miete um 11 Prozent der für die Wohnung aufgewendeten Kosten erhöhen.

"Es ist frustrierend. Wenn einer aus so einer Bruchbude ein Schloss Neuschwanstein machen will, kann man nichts machen", so der frustrierte Rentner.

Bartholomäi ist kein Einzelfall

Paul Bartholomäi ist nicht der einzige, den eine Modernisierung trifft. Rolf Janßen vom Mieterschutzverein Frankfurt betreut derzeit rund 600 solcher Fälle. Auch in anderen Städten scheint es zum Trend zu werden, alte Gebäude kostspielig zu modernisieren. Helfen kann da nur eine Gesetzesänderung.

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