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26/02/2017 09:21 CET | Aktualisiert 26/02/2017 09:53 CET

77 Prozent der Deutschen fordern Verbot des Erdogan-Besuchs

Umit Bektas / Reuters
77 Prozent der Deutschen wollen Erdogan-Besuch verbieten

  • 77 Prozent der Deutschen wollen Erdogan-Auftritt in Deutschland verbieten

  • Der türkische Präsident will schon im März nach Deutschland kommen

  • Er will bei den 1,4 Millionen wahlberechtigten Türken für sein Präsidialsystem werben

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan befindet sich im Wahlkampf. Und dabei zählen nicht nur die Stimmen der Türken, die in der Türkei leben. In Deutschland leben insgesamt 1,4 Millionen wahlberechtigte Türken - und die sollen, wenn es nach Erdogan geht, natürlich für ihn stimmen.

Und um das zu erreichen, will der türkische Präsident im Frühjahr nach Deutschland kommen - angeblich soll es schon im März soweit sein. Eine große Mehrheit der Deutschen ist nicht begeistert von diesem Plan: 77 Prozent fordern ein Verbot des Erdogan-Auftritts.

Am 16. April stimmen die Türken ab

Das ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid im Auftrag der "Bild am Sonntag". 15 Prozent der Befragten sind gegen ein Verbot, acht Prozent waren unentschlossen.

Am 16. April stimmt die Türkei in einem Referendum über Erdogans umstrittene Reform ab. Insgesamt leben 2,9 Millionen wahlberechtigte Türken außerhalb der Türkei. Erdogan hatte bereits in der Vergangenheit Wahlkampf in Deutschland betrieben, und war damit auf scharfe Kritik gestoßen.

Grünen-Chef Cem Özdemir hat den geplanten Auftritt scharf kritisiert: "Dass Erdogan unsere Demokratie dazu missbraucht, für seine Diktatur in der Türkei zu werben, finde ich unerträglich. Propaganda für einen Folter- und Unterdrückungsstaat hat in unserem Land nichts verloren“, sagte er der "Bild am Sonntag".

Merkels Reisen sind "grundfalsch"

Außerdem kritisierte er die Politik der Bundesregierung gegenüber dem türkischen Präsidenten. Zur geplanten Reise von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im April in die Türkei sagte Özdemir "Ich finde es grundfalsch, dass Kanzlerin Merkel immer vor wichtigen Wahlen, wie jetzt beim Referendum über Erdogans Staatsumbau in die Türkei reisen will".

Das könne nur als Unterstützung für Erdogans Weg in die Diktatur gewertet werden. "Traurig, aber wahr: Bei dieser Bundesregierung werden Menschenrechte klein geschrieben. Damit wird auch die Würde Eu­ro­pas mit Füßen ge­tre­ten.“

Özdemir kritisierte vor allem die Passivität der Bundesregierung: "Er­do­gans Spit­zel­netz­werk hat in deut­schen Mo­sche­en oder Schu­len nichts ver­lo­ren. Aber die Bun­des­re­gie­rung schaut ein­fach weg. Sie hat so lange ge­war­tet, bis alle be­trof­fe­nen Per­so­nen und Be­wei­se außer Lan­des ge­bracht wur­den."

Außerdem sagte Özdemir, dass Prä­si­dent Er­do­gan glaube, Frau Mer­kel wegen des Flücht­lings­pakts in der Hand zu haben und die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land wie eine Au­ßen­stel­le der Tür­kei be­han­deln zu kön­nen. Die Bun­des­re­gie­rung sei viel zu ängst­lich ge­gen­über Er­do­gan.

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