Grünen-Chef Cem Özdemir attackiert Martin Schulz

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CEM OEZDEMIR
Cem Özdemir kritisiert die Reformvorschläge von Martin Schulz | Fabian Bimmer / Reuters
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  • Cem Özdemir hat in einem Interview die Reformpläne von Martin Schulz kritisiert
  • Schulz' Pläne würden Menschen vom Arbeitsmarkt fernhalten
  • Der Grünen-Chef nimmt seine eigene Partei in die Pflicht: Sie soll drittstärkste Kraft bei der Wahl werden

Schlechte Nachrichten für ein mögliches rot-rot-grünes Bündnis: Cem Özdemir geht zum Angriff auf Martin Schulz über. Der Grünen-Parteichef hat in einem Interview mit der "Bild am Sonntag" die von Schulz geplanten Korrekturen an der Agenda 2010 kritisiert.

"Ich wundere mich sehr darüber, dass sich die SPD von der Agenda 2010 verabschieden will. Martin Schulz kommt mit seiner Kritik sehr altbacken daher“, sagte Özdemir der Zeitung. Özdemir wunderte sich in dem Interview über das Gesellschaftsbild des SPD-Kanzlerkandidaten: "Aus SPD-Sicht ge­hö­ren äl­te­re Ar­beit­neh­mer ent­we­der in den Ru­he­stand, Stich­wort Rente mit 63, oder sie sol­len län­ger Ar­beits­lo­sen­geld be­kom­men."

Özdemir hält nichts von Schulz' Reformplänen: "Es ist doch ver­rückt, Men­schen vom Ar­beits­markt fern­zu­hal­ten, statt sie in gute Jobs zu brin­gen." Er kenne viele äl­te­re Men­schen, die fit sind und gern län­ger ar­bei­ten wol­len, so Özdemir.

"Au­ßer­dem zielt Schulz auf eine sehr ein­ge­schränk­te Grup­pe. Wer sind denn die schwer ar­bei­ten­den Men­schen? Ge­hö­ren die prekär Be­schäf­tig­ten nicht auch dazu, die Al­lein­er­zie­hen­den, die kurz­fris­tig Be­schäf­tig­ten?"

"Wir sind keine grüne Deko für die SPD oder Union"

Immerhin: Özdemir begrüßt, dass Martin Schulz die SPD wieder aufgerichtet habe. "Vor einem Monat gab es doch nur die Frage, mit wem Angela Merkel nach der Wahl weitermacht", sagte er. Jetzt gebe es für die Grünen auch wieder die Möglichkeit mit der SPD zu koalieren.

Aber eines sei dabei klar: "Die Grünen als Koalitionspartner gibt es nur mit einem Wechsel zu einer ökologischen und gerechteren Politik. Wir sind keine grüne Deko für SPD oder Union.“

Die Große Koalition verschlafe die Zukunft, so Özdemir. Sie gaukele den Wählern vor, dass alles so bleiben kann, wie es ist. "Wenn man auch bei uns verarmte, von Fabrikruinen bestimmte Industrieregionen wie in den USA will, empfehle ich die Wahl von CDU, CSU und SPD", so der Spitzenkandidat der Grünen.

Seine Partei hingegen wolle das Land modernisieren, und Elektromobilität fördern, "damit die deutsche Autoindustrie auch morgen noch stark ist." Es gehe dabei um Hunderttausende Arbeitsplätze.

Özdemir nimmt seine eigene Partei in die Pflicht

Özdemir kritisierte in dem Interview auch seine eigene Partei.

Die Grünen haben seit Monaten miserable Umfragewerte und stecken in einem Fünf-Jahres-Tief. Dazu sagte Özdemir: "Wir haben uns seit dem Parteitag im November zu viel mit uns selber beschäftigt und lieber Flügelkämpfe ausgetragen, statt Antworten auf die Probleme der Menschen zu liefern." Damit müsse nun Schluss sein.

Für die Bundestagswahl 2017 rechnet Özdemir mit deutlich mehr Stimmen als den aktuellen sieben Prozent in den Umfragen. "Unser Ziel ist es, die Grünen zur drittstärksten Kraft nach Union und SPD zu machen“, so der grüne Spitzenkandidat. "Ich biete Ihnen eine Wette an um ein Jahresabo für eine Obstkiste: Bei der Bundestagswahl werden die Grünen ein zweistelliges Ergebnis erreichen."

Und es gibt auch Grund zur Hoffnung für die Grünen: Die Partei verzeichnet Rekordeintritte - wegen Donald Trump. Das zumindest glaubt der politischen Bundesgeschäftsführer der Partei Michael Kellner. Er sagte der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ), er gehe von einem "Trump-Effekt" aus. Laut "FAZ" haben die Grünen so so viele Mitglieder wie noch nie in ihrer Geschichte. Im vergangenen Jahr konnte die Partei 2.178 Mitglieder hinzugewinnen.

Damit haben die Grünen knapp 61.600 Mitglieder - so viele wie noch nie in der Parteigeschichte.

(ks)

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