POLITIK
25/02/2017 16:52 CET | Aktualisiert 25/02/2017 18:45 CET

Rumana Ahmed: "Ich habe als Muslima unter Trump gearbeitet - acht Tage lang"

  • Eine muslimische Mitarbeiterin des Weißen Hauses berichtet über den Stimmungswandel unter Trump

  • Sie hat gekündigt, weil sie den harten Kurs Trumps nicht mittragen kann

  • Ihr Gastbeitrag in "The Altantic" gibt einen ebenso wertvollen wie verstörenden Einblick

Rumana Ahmed ist US-Amerikanerin. Abschluss an der George Washington Universität. Angestellte im Sicherheitsrat unter Barack Obama. Rumana Ahmed hat ihre Wurzeln in Bangladesh. Ist kopftuchtragende Muslima. Und hat nach acht Tagen unter Donald Trump hingeworfen.

In einem Beitrag für das US-Magazin "The Atlantic" hat Ahmed ihre Geschichte aufgeschrieben. Sie ist so spannend, weil sie von einer Insiderin stammt und weil sie zeigt, welchen Raubbau Trump da betreibt an den Menschen und dem System, das ihm anvertraut wurde.

Ahmed schreibt, wie sie Trumps Treiben im vergangenen Jahr "konsterniert" verfolgte, besorgt, ungläubig, erfüllt von dunkler Vorahnung. Trump hatte aus seiner Verachtung von Muslimen nie einen Hehl gemacht. Doch Ahmed, so schreibt sie es, wollte genau deswegen unter Trump weiterarbeiten - um ihm zu zeigen, dass der Islam und Muslime viele Facetten haben.

Acht Tage lang hat sie es mit dem US-Präsidenten ausgehalten.

Ein Dekret, das Muslime als Terroristen abstempelt

Dann erließ Trump sein Dekret, das Menschen aus sieben muslimisch geprägten Ländern die Einreise verbot. Es ist nicht nur moralisch fragwürdig. Sondern sogar juristisch so dilettantisch gearbeitet, dass ein Gericht nach dem anderen es zurückwies.

Ahmed schreibt, sie konnte nicht mehr damit leben, dass sie für jemanden arbeitete, der sie und alle anderen Muslime nicht als Bürger, sondern nur noch als Gefahr sah. Der alles zerstören wollte, wofür sie als Amerikanerin stand.

Diskriminierung sollte legal werden, das Machtgleichgewicht, die gegenseitige Kontrolle der Verfassungsorgane ausgehebelt werden.

Sie beschreibt, wie sich das Klima im Weißen Haus änderte. Wie Posten unbesetzt blieben. Wie weiße Männer dominierten. Wie etablierte Strukturen zusammenbrachen, unterwandert wurden und sich alle Macht im Westflügel konzentrierte. Dem Teil des Weißen Hauses, wo der Präsident residiert.

rumana ahmed

Sie zitiert einen Angestellte, der schon seit Ronald Reagan im Weißen Haus arbeitet, seit den 80er-Jahren also. Er sagte: "Dieser Ort hier ist auf den Kopf gestellt worden. Es herrscht Chaos. Ich habe so etwas niemals zuvor erlebt."

Die Abneigung, die ihr überall entgegenschlug, sei so heftig gewesen wie in der Zeit nach den Terroranschlägen im September 2001. "Trump schien die Antithese zu allem zu sein, wofür wir standen. Ich fühlte mich verloren."

Verlorene Gesellschaft

Wenn eine Frau wie Ahmed, eine Patriotin, eine Hochgebildete, eine gut in der Gesellschaft vernetzte sich so fühlt – dann mag man nicht daran denken, wie jene empfinden, die sich schon vor Trumps Wüten ausgegrenzt fühlten. Trump spaltet die amerikanische Gesellschaft. Er zerreißt sie.

Und das zerstört nicht nur das Klima im Land. Es erodiert ein Land, dessen Identität untrennbar mit Vielfalt verbunden ist.

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(jg)

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