"Jeden Morgen schaue ich zuerst, ob sie noch lebt" - Vater einer 16-Jährigen veröffentlicht Brief, um andere Eltern zu warnen

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Der Kanadier Sean O'Leary warnt andere Eltern vor Drogensucht bei Kindern. | O'Leary
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"Jeden Morgen schaue ich zuerst nach, ob meine Tochter noch lebt. Es ist ein Albtraum, so zu leben". Diese traurigen Worte stammen von Sean O'Leary. Seine 16-jährige Tochter Paige ist seit 20 Monaten drogenabhängig. Jetzt möchte er anderen Eltern von süchtigen Kindern helfen, indem er seine persönliche Geschichte erzählt.

O'Leary lebt mit seiner Familie im kanadischen Ottawa. Vor kurzem starben in dem Stadtviertel Kanata drei Teenager an einer Überdosis. Der Kanadier ist sich sicher, dass die drei toten Jugendlichen erst der Anfang waren.

"Noch stärker als die Trauer ist die Angst"

"Ich empfinde tiefe Trauer für die Eltern, deren Kinder gestorben sind", schreibt O'Leary in einem offenen Brief auf Facebook. "Aber noch stärker als die Trauer ist die Angst, mit der ich und viele andere jeden Tag leben müssen."

Die Angst vor gepanschten und selbst zusammengebrauten Drogen, die seine Tochter und andere Kinder nehmen. Sie könnten ihnen zum Verhängnis werden.

"Sie nehmen Drogen, mit denen wir uns als Eltern überhaupt nicht auskennen. Das sind keine Pillen aus der Apotheke. Ich lese und höre immer wieder davon, dass der Missbrauch von verschreibungspflichtigen Opiaten drastisch zunimmt. Unsere Kinder nehmen aber keine verschreibungspflichtigen Drogen. Sie basteln sie selbst zusammen, in irgendeinem Keller oder Labor. Niemand weiß, was in dem Zeug enthalten ist", warnt er.

"Ich habe sie zuhause eingesperrt"

Der verzweifelte Vater hat vieles probiert, um seine Tochter vor einem schrecklichen Schicksal zu bewahren. "Ich habe sie zuhause eingesperrt, ich bin ihr überall hin gefolgt, habe sie von Straßen aufgesammelt, bin unangekündigt in fremde Häuser marschiert, um meine Tochter dort rauszuholen. Wir hatten schon viele Rettungs- und Polizeieinsätze in unserem Haus", schreibt O'Leary.

"Trotzdem sitzen wir jeden Tag hier und wissen nicht, ob unsere wunderschöne Tochter morgen noch lebt", stellt er die aussichtslose Situation dar.

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In seinem Text macht er nicht nur deutlich, wie anstrengend es ist, mit einem süchtigen Kind zusammenzuleben. Er möchte auch den vielen anderen Eltern helfen.

"Es ist besser, zwei Familien zu fragen als eine"

Der Mann, der noch weitere Kinder hat, schreibt: "Ich weiß zwar keine Antwort auf das Dilemma. Aber eins weiß ich: Wenn ein Betroffener eine Frage hat oder Hilfe braucht, ist es besser, wenn er zwei Familien fragen kann, als bloß eine. Zehn Familien an seiner Seite zu haben ist besser als zwei, und so weiter."

Darum hat er sich dazu entschlossen, eine Selbsthilfegruppe zu gründen, in der sich Eltern austauschen können.

Auch in Deutschland gibt es Beratungen

Auch in Deutschland gibt es Programme, bei denen sich Eltern suchtgefährdeter Kinder beraten lassen können. Eins davon ist das "Elsa-Programm" (Elternberatung bei Suchtgefährdung und Abhängigkeit von Kindern und Jugendlichen). Dort können sich Hilfesuchende sowohl online beraten lassen als auch eine Beratungsstelle in ihrer Nähe finden.

Im Jahr 2015 starben 1.226 Menschen in Deutschland an ihrem Drogenkonsum. Sieben davon waren Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren. Insgesamt stiegen die Todesfälle im Vergleich zum Vorjahr um knapp 19 Prozent an. Das offenbart der Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung.

Kindern helfen

Seit Jahren schon warnen Experten, dass allein in Deutschland jedes fünfte Kind in Armut lebt. Viel schwieriger noch die Situation von Kindern in Südeuropa, Afrika oder Südasien. Wie ihr selbst aktiv werden könnt, erfahrt ihr bei unserem Kooperationspartner Betterplace.

(jg)

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