POLITIK
25/02/2017 23:23 CET | Aktualisiert 26/02/2017 08:03 CET

Die "Business Angela": Was Experten Merkel für den Wahlkampf raten

Fabrizio Bensch / Reuters
Was Experten Angela Merkel für den Wahlkampf raten

CDU-Chefin und Kanzlerin Angela Merkel hält sich bislang sehr zurück mit Hinweisen, mit welchen Themen sie ihre Partei in den Bundestagswahlkampf führen will.

Hin und wieder taucht in ihren Reden etwas auf, das ein Hinweis sein könnte - aber so schemenhaft bleibt wie ein kleiner heller Fleck im Nebel.

An diesem Samstag hat Merkel in Stralsund ein paar Andeutungen gemacht. Von Generationengerechtigkeit war da die Rede, von jungen Familien, um die man sich kümmern müsse. Von Geld, das man erst einmal haben müsse, bevor man es ausgeben könne. Solche Sachen eben.

Die "Business Angela"

Die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" ("FAS") hat Experten gebeten, ein paar Vorschläge zu erarbeiten, wie Merkel gegen den SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz ankommen könnte.

Einig sind sich die Fachleute - wen wundert's - dass Merkel auf Wirtschaft setzen solle. Die Kernkompetenz der Union. Und auf wirtschaftliche Sicherheit. Die Frage ist, wie Merkel das am besten verkaufen könnte.

Die Berliner Agentur "Super an der Spree“ schlägt vor, Merkel solle als "Business Angela“ im schönsten "Startup-Sprech" ihren Platz als "oberste Exportweltmeisterin" verteidigen. Eine andere Agentur plädiert für den wirtschaftspolitisch gefärbten Slogan "Für ein starkes Deutschland“.

Manfred Güllner, Chef des Berliner Umfrageinstituts Forsa, rät, Merkel solle etwa auf die Sicherheit der Rente abstellen. Das sei ein Thema, das alle interessiere.

Stabilität ja, Stillstand nein

Nicht einig sind sich die Experten allerdings, wie Merkel sich gleichzeitig als Stabilitätsanker in turbulenten Zeiten präsentieren könnte, ohne zu undynamisch zu wirken.

"Super an der Spree" hält Konrad Adenauers Spruch von 1957 "Keine Zeit für Experimente" für ganz passend, ist in der "FAS" zu lesen. Eine andere Agentur hält das wiederum für gefährlich, weil es zu sehr nach Stillstand klinge.

Schulz Gerechtigkeitskampagne

Spannend ist auch, was die Experten in der "FAS" über Schulz' Kampagne sagen. Der ehemalige Europa-Politiker ist schon etwas konkreter geworden als Merkel und setzt auf soziale Gerechtigkeit wie vor der Agenda 2010.

Forsa-Chef Güllner glaubt, dass das Thema selbst für Schulz' Anhänger kaum eine Rolle spiele, sie schätzen vor allem ihn als Person. Und viele könnten den Eindruck bekommen, dass sich Schulz nicht um alle Bürger kümmern wolle, sondern nur um die Minderheit der Benachteiligten.

Sollte das stimmen, würde das Merkel zugute kommen.

Union will Programm im Sommer vorstellen

Was Merkel wirklich plant, wird allerdings noch lange ihr Geheimnis bleiben. Die Union will ihr Programm erst im Sommer vorstellen.

Der Vorteil der Taktik: Merkel kann lange Schulz' Pläne kritisieren, ohne selbst wegen Details angegriffen zu werden.

Der Nachteil: Schon jetzt hat sich bei vielen Deutschen eine Art Sättigungsgefühl eingestellt, was Merkel angeht. Wenn sie jetzt noch monatelang nichts Neues bringt, wird sich das wohl noch verstärken.

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(ks)

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