Wenn Spaß zu Rassismus wird: Skandal um politisch inkorrekte Karnevalskostüme in Fulda

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dpa
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Deutschland hat eine neue Rassismus-Debatte.

Der Hintergrund: Mehrere Kostüme auf Karnevalsveranstaltungen, bei denen sich Jecken als Schwarze verkleidet hatten. Vor allem der Karnevalsverein "Südend" in Fulda ist in die Schlagzeilen geraten, weil eines ihrer Mitglieder sich seit 15 Jahren als "Neger vom Südend" verkleidet.

Mitglieder der Hochschule in Fulda hatten den Karnevalsverein angeschrieben. Sie werfen den Jecken in umständlichen Worten vor: "Auch wenn Ihnen das nicht bewusst sein sollte, verbreiten Sie mit ihm rassistische Stereotype und schreiben koloniale Bildwelten fort."

"Völkermord wird verharmlost"

Weiter schreiben die Sozialwissenschaftler aus Fulda in breit gestreuten E-Mails: Die für den Verein typischen Tropenuniformen seien den Uniformen der Truppen in den deutschen Kolonien nachempfunden. "Dadurch wird Völkermord, Unterdrückung und Entrechtung verharmlost und gutgeheißen", heißt es in einer Mail.

Der Südend-Vorsitzende Andreas Beck ist empört. "Die Vorwürfe sind eine Frechheit. Auf Facebook werden wir sogar als kleine Massenmörder beschimpft", sagte er der "Fuldaer Zeitung". Der Verein pflege eine lange Tradition und gehe respektvoll mit jedem Menschen um.

Der Verein erhält Rückendeckung. Winfried Kollmann, Protokollchef des Karnevalsverbands Kurhessen, sagte, die Vorwürfe seien "unverfroren und unverschämt". Fuldas CDU-Oberbürgermeister Heiko Wingenfeld äußerte, die Wissenschaftler hätten "von der Fastnacht keine Ahnung".

Stiftung startet Kampagne gegen Diskriminierung

Aber Fulda ist nicht der einzige Ort, an dem es in Bezug auf Karneval gerade ein Rassismus- und Diskriminierungs-Debatte gibt. Auch in Düsseldorf sind politisch inkorrekte Kostüme ein Thema.

Die Amadeu-Antonio-Stiftung, die sich gegen Rassismus engagiert, sorgt in den sozialen Netzwerke zudem gerade für Aufregung, weil sie eine Kampagne gegen Diskriminierung und Rassismus veröffentlicht hat.

Ziel der Stiftung ist es, die Wahrnehmung für versteckten Rassismus bei Karnevalskostümen zu stärken:

Gegen die Kampagne machen derzeit vor allem Rechte in den sozialen Netzwerken mobil. Auf der anderen Seite wächst aber auch die Sorge vor Gewalt aus dem linken Lager.

Jecken verzichten auf Schminke

Die Polizei geht davon aus, dass sich die Kritik an dem Verein nicht auf Mails beschränkt, sondern am Rosenmontagszug fortsetzen wird. "Wir haben konkrete Hinweise, die auf eine erhöhte Gefährdung des Vereins hindeuten", sagte Polizeisprecher Martin Schäfer. Denkbar sei etwa, dass es zu Blockaden komme oder Farbbeutel geworfen würden. Polizeibeamte werden die Narren deshalb am Montag begleiten.

Auch der Karnevalsverein in Fulda hat inzwischen reagiert. Seine Mitglieder wollen sich zwar für den Umzug noch verkleiden, aber nicht mehr das Gesicht schwarz schminken, wie die "Bild"-Zeitung berichtet.

(jg)

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