LIFESTYLE
24/02/2017 17:21 CET | Aktualisiert 25/02/2017 14:12 CET

Sie küsst ihr Baby zum letzten Mal: Mutter veröffentlicht trauriges Bild, um andere Eltern zu warnen

John und Louise Done aus dem britischen Bolton hatten einen völlig gesunden kleinen Jungen. Dann aber geschah das, wovor sich alle Eltern fürchten.

Sie bekamen einen Anruf von Johns 19-jähriger Tochter, die gerade auf das neun Monate alte Baby aufpasste. Sie sagte, Harry gehe es nicht gut.

Die beiden eilten nach Hause und sahen sofort, dass mit dem Baby etwas nicht stimmte. Sein Körper war angeschwollen und mit dunkelroten Flecken bedeckt.

Der Krankenwagen brachte Harry in die Notaufnahme. Dort bekamen die Eltern die schreckliche Diagnose: Ihr Sohn hatte Meningitis B - Gehirnhautentzündung.

Der kleine Junge starb in den Armen seiner Mutter

Die Bakterien hatten bei dem kleinen Jungen zu einer Blutvergiftung geführt. Die Ärzte konnten nichts mehr für Harry tun. Nur wenige Stunden nach der Einlieferung erklären sie den Jungen für hirntot.

John und Louise, beide am Boden zerstört, nahmen ihren Sohn ein letztes Mal in den Arm und küssten ihn, bevor die Maschinen abgestellt wurden und sein kleines Herz zu schlagen aufhörte. Er starb in den Armen seiner Mutter.

Zwei Jahre ist das jetzt her und noch immer können die Eltern nicht glauben, dass sie ihren Kleinen auf so schreckliche Weise verloren haben.

Um andere Eltern auf die Gefahren von Meningitis hinzuweisen, haben sie sich nun dazu entschlossen, ihre Geschichte öffentlich zu machen und auch Bilder von den letzten Momenten ihres Sohnes zu zeigen.

"Es ist unglaublich, was mit dem Körper des Babys vor deinen Augen passiert"

“Den meisten Menschen ist nicht klar, wie schlimm Meningitis sein kann”, sagte Louise Done der “Mercury Press”. “Es ist unglaublich, was mit dem Körper des Babys vor deinen Augen passiert. Die Krankheit frisst ihn förmlich auf.” Harry sei nicht mehr wieder zu erkennen gewesen.

“Noch immer leiden wir jeden Tag”, sagte die Mutter der Zeitung. “Der Verlust eines Kindes lässt sich gar nicht in Worte fassen. Es war völlig surreal. An die Wochen nach seinem Tod kann ich mich kaum noch erinnern.”

Sie habe sich gefühlt, als sei sie in einer Parallelwelt. “Es war, als sei mein schlimmster Alptraum wahr geworden. Plötzlich sah ich mein ganzes Leben anders.”

Jetzt kämpft Louise für eine bessere Aufklärung über die Gefahren von Hirnhautentzündung. Sie will andere Eltern warnen, wie schlimm die Krankheit sein kann und sie dafür sensibilisieren, wie wichtig eine Impfung gegen die Krankheit ist.

Mehr zum Thema: Innerhalb einer Stunde sah der Körper einer 18-Jährigen so aus - jetzt warnt sie vor der tödlichen Krankheit

Die Krankheit ist vor allem für Kinder gefährlich, doch auch Erwachsene kann sie treffen. Einen zugelassenen Impfstoff gegen Meningitis B gibt es noch nicht lange - erst seit Ende 2013.

In Deutschland ist die Impfung gegen Meningitis freiwillig

England ist das erste Land der Welt, das die Impfung für Babys zum kostenlosen Standard gemacht hat. Mit zwei Monaten bekommen die Kinder die erste Spritze.

Was die Eltern im Land erzürnt: Bei älteren Kindern wird die Impfung nicht nachgeholt, wenn die Eltern nicht selbst dafür zahlen.

In Deutschland dagegen empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) bislang lediglich eine Impfung für "Personen mit erhöhtem Risiko für Meningokokken-Erkrankungen".

Das sind etwa Menschen mit angeborener Immunschwäche, mit engem Kontakt zu Meningitis-Patienten und Menschen, die dem Erreger im Labor ausgesetzt sein könnten. Nur gegen Meningokokken C wird bisher flächendeckend und gratis geimpft.

"Die Stiko hat entschieden, erst auf Grundlage von Daten zur tatsächlichen klinischen Effektivität der Meningokokken-B-Impfung eine Entscheidung bezüglich einer möglichen Routineimpfung bei Säuglingen, Kleinkinder oder anderen Altersgruppen zu treffen", teilte die Stiko auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur 2016 mit.

Mit diesen Daten rechne man in ein bis zwei Jahren. Bislang lägen nur Daten zur Fähigkeit des Impfstoffs vor, eine Reaktion des Immunsystems auszulösen.

Meningokokken lassen sich gut mit Antibiotika behandeln - wenn man die ersten Symptome richtig deutet und direkt zum Arzt geht. Das Problem ist, dass die Symptome eher unspezifisch sind, etwa Kopfschmerzen, Fieber, Schüttelfrost und Schwindel.

"Von den 28 Todesfällen im Jahr 2015 waren 15 Kinder im Alter von 15 Jahren oder jünger"

"Innerhalb weniger Stunden kann sich ein schweres, lebensbedrohliches Krankheitsbild entwickeln", warnt das Robert Koch-Institut (RKI). Im Jahr 2015 wurden in Deutschland nach vorläufigen Angaben 287 Meningokokken-Erkrankungen an das RKI übermittelt, 9 mehr als 2014. Es gab weit mehr Fälle des Serotyps B als des Serotyp C, gegen den schon breit geimpft wird.

Von 100 Patienten, die sich mit Meningokokken infizieren, sterben in Deutschland acht bis zehn. "Von den 28 Todesfällen im Jahr 2015 waren 15 Kinder im Alter von 15 Jahren oder jünger", teilt das RKI mit.

Mehr zum Thema: Zwischen diesen beiden Fotos liegt ein einziges Versäumnis

Auch wenn die Patienten überleben, können die Folgen schlimm sein: Entwicklungsstörungen und Intelligenzminderung gehören dazu, Lähmungen, Krampfanfälle und Schädigungen des Innenohrs. Manchmal müssen Körperteile amputiert werden. Auch das Bild eines kleinen Mädchens ohne Hände kursierte jüngst in den britischen Medien.

Viele Experten empfehlen daher, Babys auch in Deutschland gegen Meningokokken B standardmäßig zu impfen. "Wir befinden uns momentan in einer Phase von abnehmenden Fallzahlen und somit ist es schwierig für die Stiko ein Impfprogramm zu empfehlen", sagte Ralph Köllges vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte der dpa.

Experten empfehlen Impfung für alle Kinder bis 18 Jahre

In seinen Impfaufklärungen empfehle er die Impfung gegen Meningokokken B, könne aber weder Risikobewusstsein noch Finanzkraft der Eltern bewerten. Bisher erstatteten nur wenige Krankenkassen bis zum Alter von 24 Monaten die Impfung als freiwillige Extra-Leistung.

Da es bei Jugendlichen einen zweiten Erkrankungsgipfel gebe, würde er sich eine Ausdehnung der Empfehlung auf alle Kinder bis 18 Jahre wünschen.

mit Material von dpa

Kindern helfen

Seit Jahren schon warnen Experten, dass allein in Deutschland jedes fünfte Kind in Armut lebt. Viel schwieriger noch die Situation von Kindern in Südeuropa, Afrika oder Südasien. Wie ihr selbst aktiv werden könnt, erfahrt ihr bei unserem Kooperationspartner Betterplace.

(pb)

Sponsored by Trentino