"Wir zerschlagen Deutschland": Wirbel um Aussagen von Ditib-Anhängern in Hamburg

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DITIB
Eine Ditib-Moschee in Deutschland | dpa
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  • Der türkische Moscheeverband Ditib steht seit Monaten in der Kritik
  • Jetzt stellen Hamburger Ditib-Mitglieder die Trennung von Staat und Religion in Frage

Es sind bedenkliche Aussagen, die NDR-Journalisten enthüllt haben: Auf Facebook haben Funktionäre und Anhänger des türkischen Religionsverbandes Ditib die Trennung von Religion und Staat in Frage gestellt.

"Demokratie ist für uns nicht bindend", postete Ishak Kocaman, Vorsitzender des Ditib-Moscheevereins im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg. "Uns bindet Allahs Buch, der Koran."

Die Ditib-Moscheen in Deutschland sind der türkische Religionsbehörde Diyanet unterstellt.

"Ein bisschen emotional geschrieben"

Ein junger Mann, der laut NDR für Ditib in der Jugendarbeit aktiv ist, feiert den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan als Kriegsherrn und droht: "Mein Führer, gib uns den Befehl und wir zerschlagen Deutschland."

Gegenüber dem NDR spielt Kocaman die Äußerungen herunter. Nicht seine Äußerungen auf Facebook seien wichtig, sondern seine Arbeit vor Ort. Zu dem Erdogan-Post sagte Kocaman: "Das sind Jugendliche, die vielleicht etwas ein bisschen emotional geschrieben haben. Die Tatsachen sind immer wichtiger, da passen wir schon auf."

Die Ditib steht seit Wochen in der Kritik, weil einige ihrer Funktionäre für die Türkei spioniert haben sollen.

Ditib-Imame stehen im Verdacht, Informationen über mutmaßliche Gülen-Anhänger gesammelt und in die Türkei übermittelt zu haben. Ankara macht den in den USA lebenden Prediger Fethullah Gülen für den Putschversuch vom Juli 2016 verantwortlich.

Türkei beklagt "Hexenjagd" gegen Ditib

Wegen der Spitzel-Vorwürfe hatten Ermittler vergangene Woche die Wohnungen von vier Imamen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz durchsucht.

Inzwischen hat auch die Türkei reagiert. Statt gegen "Terrororganisationen" wie etwa die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK vorzugehen, finde in Deutschland eine "Verfolgung von Ditib-Mitgliedern" statt, sagte der Sprecher von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan, Ibrahim Kalin, am Mittwoch in Ankara. Anschuldigungen gegen den Moscheeverband seien zudem "haltlos" und das Vorgehen gegen Ditib "politisch motiviert".

Mit Material der dpa

(jg)

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