Geheimer Friedensplan mit Russland: Trump-Anwalt verstrickt sich in Widersprüche

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MICHAEL COHEN
Michael Cohen, attorney for The Trump Organization, arrives at Trump Tower in New York City, U.S. January 17, 2017. REUTERS/Stephanie Keith | Stephanie Keith / Reuters
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  • Ein Anwalt Donald Trumps soll einen Geheimplan für einen Frieden in der Ostukraine ausgearbeitet haben
  • Darin soll auch die Aufhebung der Sanktionen gegen Russland verankert sein
  • Jetzt verwickelt sich der Trump-Vertraute in Widersprüche

Die Verbindungen der US-Regierung nach Russland sorgen in den USA einmal mehr für hitzige Diskussionen.

Dieses Mal geht es um einen geheimen Friedensplan für die Ukraine, den Trumps Anwalt Michael Cohen ausgearbeitet haben soll.

Das Brisante: Der Plan wurde in amerikanischen Hinterzimmern ausgetüftelt, ignoriert Interessen der ukrainischen Regierung – und sieht die Aufhebungen der Russland-Sanktionen vor.

Cohen soll den Plan an Trumps Nationalen Sicherheitsberater Michael Flynn übermittelt haben – einen Tag bevor Flynn aufgrund eines fragwürdigen Telefonats mit dem russischen Botschafter zurücktreten musste. Das berichtete die "New York Times“ am Sonntag.

Doch statt den Fall aufzuklären, verwickelt sich der Trump-Anwalt jetzt in Widersprüche. Seine Reaktion zeigt einmal mehr die dubiosen Verstrickungen zwischen Washington und Moskau.

Plan sieht Verpachtung der Krim vor

Der Hintergrund: Cohen soll den Plan zusammen mit Trumps Geschäftsfreund Felix Sater, der ohnehin in Verdacht steht, fragliche Geschäftsbeziehungen nach Russland zu unterhalten, und dem ukrainischen Abgeordneten Andrii Artemenko entworfen haben. So berichtete es die "New York Times".

Die Eckpunkte: Die russischen Truppen sollen sich aus der Ost-Ukraine zurückziehen, die Krim nach einer Volksabstimmung in der Ukraine für 50 oder 100 Jahre an Russland verpachtet werden. Die USA könnten im Gegenzug die Sanktionen gegen Russland aufheben.

Die ersten Reaktion auf den Plan: Laut "New York Times“ hatte der ukrainische Politiker Artemenko erklärt, das Umfeld des russischen Präsidenten Wladimir Putin habe Bereitschaft signalisiert, sich auf einen solchen Deal einzulassen. Der ukrainische US-Botschafter dagegen war "entsetzt“ über die Pläne, das Minsker Friedensabkommen zu umgehen.

Vier verschiedene Versionen einer abenteuerlichen Story

Ein solches Geheimabkommen wäre ein Paukenschlag für die internationalen Beziehungen. Kein Wunder, dass es hohe Wellen schlägt – und Trumps Anwalt Cohen unter Druck setzt. Gegenüber der "Washington Post“ bestritt er nur wenige Stunden nach der Veröffentlichung der "New York Times“, den Plan Flynn übergeben zu haben.

Dass es ihn gebe, verneinte er nicht. Im Gegenteil: Er habe sich im Januar mit Sater und Artemenko in einer Hotel-Lobby in Manhattan getroffen, die beiden hätten ihm das fertige Dokument überreicht, berichtete Cohen der „Washington Post“.

Am Montag dann der Rückzieher: Er wisse nicht einmal, "was der Plan ist“, erklärte der Anwalt gegenüber dem US-Nachrichtenplattform "Business Insider“. Er habe sich jedoch mit Artmenko getroffen, dieser habe ihm einen Vorschlag gemacht. Es gehe um einen Plan, "den die russische Regierung anerkennt und der für Weltfrieden sorgt“.

Republikaner kämpfen gegen neue Russland-Freundschaft

Gegenüber dem US-Sender NBC dann die nächste Vision: Cohen ließ wieder offen, ob es einen solchen Plan gebe und fragte: "Was ist so schlimm daran?“

Nicht nur die Ukraine beobachtet den Vorstoß mit Sorge. In Kiew glaubt man nicht an ein für beide Seiten befriedigendes Übereinkommen aus der Feder der russlandfreundlichen Trump-Gefolgschaft.

Auch das republikanische Establishment will von dem Plan nichts wissen. Im Senat arbeiten hochrangige Parteifreunde des Präsidenten bereits an einem Gesetzentwurf, der die Sanktionen gegen Putin ausweiten soll, statt sie zu lockern.

Trumps Russlandpolitik könnte also das erste große Kräftemessen zwischen der republikanischen Partei und ihrem Präsidenten auslösen - Ausgang offen.

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(ben)

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