POLITIK
23/02/2017 19:39 CET

Schulz eilt von Umfrageerfolg zu Umfrageerfolg - Unionspolitiker machen der Kanzlerin jetzt Druck

NurPhoto via Getty Images
Was tun gegen Schulz? Angela Merkel will erstmal abwarten

Das Unvorstellbare ist eingetreten. Vor wenigen Wochen schien es noch, als würde die SPD einen langsamen Tod sterben.

Dann änderte sich alles. Seit Martin Schulz als Kanzlerkandidat ausgerufen wurde, erreichen die Sozialdemokraten ein Umfrage-Hoch nach dem anderen. Bereits in zwei Erhebungen von Insa und Emnid haben die Sozialdemokraten die Union überholt.

Angela Merkel scheint nicht zu wissen, wie sie auf den neuen Herausforderer reagieren soll. In der Union macht sich Unruhe breit.

"Die Menschen haben nach einer Alternative zu Frau Merkel gesucht"

Der Politikberater Frank Stauss, der unter anderem Wahlkämpfe für Klaus Wowereit, Gerhard Schröder und Peer Steinbrück begleitet hat, hat eine einfache Erklärung für die verblüffend Wiederauferstehung der SPD. "Die Menschen haben nach einer Alternative zu Frau Merkel gesucht!", sagte er gegenüber der "Bild".

Auch der renommierte Parteienforscher Karl-Rudolf Korte sagte der Huffington Post zuletzt: "Der Merkelmalus der Union wird sichtbar".

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Sie haben sie gefunden. Jahrelang war das Hauptargument für Merkels Kanzlerkandidatur, dass es keine Alternative zu ihr gibt. Nachfolger in der Partei wurden nicht aufgebaut - es gab ja "Mutti". Das rächt sich nun.

Typisch Merkel - sie will erstmal abwarten

Und jetzt? Typisch Merkel: die CDU-Chefin will eine direkte Konfrontation mit Schulz meiden und erstmal abwarten. Sie setzte darauf, dass der Hype um Schulz bald abflauen wird. Dieser Ansicht sind auch Generalsekretär Peter Tauber und Unionsfraktionschef Volker Kauder.

Andere wollen angreifen. Der Junge-Union-Chef Paul Ziemiak sagte gegenüber "Bild": "Die SPD hat derzeit nur einen Inhalt: Martin Schulz. Als CDU müssen wir jetzt in die Offensive, denn die Schonzeit ist vorbei. Schulz muss endlich sagen, wie er zu einer Koalition mit den Linken steht und warum er möchte, dass deutsche Steuerzahler für die Schulden anderer Länder haften.“

Auch Mittelstands-Chef Carsten Linnémann will eine schnelle Reaktion: "Wir müssen jetzt auf Angriff schalten.“

Doch Ziemiak und Linnémann übersehen eines: Mit WAS genau will die Union denn in den Wahlkampf ziehen? Das Programm für den Wahlkampf soll nach "Bild"-Informationen erst nach dem G20-Gipfel in Hamburg im Juli in einer gemeinsamen Vorstandssitzung festgelegt werden. Auch die Union hat außer Merkel nicht viel zu bieten.

Die Union scheint völlig ideenlos

Während Schulz das Thema der sozialen Gerechtigkeit für sich reklamiert und Änderungen an der Agenda 2010 in Aussicht stellt, scheint die Union völlig ideenlos.

Und der vorerst unterdrückte Streit zwischen CSU und CDU um eine Obergrenze der Zuwanderung lähmt die Union weiterhin. Am Montag soll es im CSU-Präsidium deutliche Kritik an Merkels Abwarten gegeben haben. Die soll Parteichef Horst Seehofer grob weg gewischt haben. Er hat die Lage verstanden - Schwestern-Streit kann die Union gerade gar nicht gebrauchen.

Vielleicht könnte die Union bald in die Situation kommen, dass sie etwas tun muss, was zurzeit noch kaum vorstellbar scheint: Die Kanzlerkandidatin auswechseln, um die Wahl zu retten. Es wäre nicht das erste Mal, dass das Unvorstellbare eintritt.

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(lp)

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