Tragischer Tod eines Babys in den USA zeigt, wie gefährlich homöopathische Mittel sein können

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Der Tod eines neun Monate alten Babys sorgt in den USA für Aufruhr. Das Mädchen starb, nachdem ihm seine Mutter ein homöopathisches Mittel gegeben hatte. (Eine Zusammenfassung des Textes seht ihr oben im Video)

Vor dem Einschlafen bekam die Kleine homöopathische Zahntabletten. Als die Mutter nach einer Stunde wiederkam, fand sie ihre Tochter tot in ihrem Bettchen.

Auch in Europa facht der Tod des Kindes die Debatte über eine alternative Heilmethode neu an.

Es ist nicht der erste Fall , der in Zusammenhang mit dem Mittel bekannt wird.

Tod durch Überdosierung

Im Januar veröffentlichte die FDA, die Kontroll- und Zulassungsbehörde der USA einen alarmierenden Bericht. Zwischen 2006 und 2016 dokumentierte die Behörde fast 400 Fälle mit massiven Nebenwirkungen nach Einnahme von Hyland’s homeopathic teething products bei Kindern - genau das Mittel, das im aktuellen Fall zum Tod geführt hatte.

Alle Kinder, denen das Mittel verabreicht wurde, wiesen ähnliche Symptome auf: Ohnmacht, Lähmungserscheinungen, Krämpfe, Atemnot. Als sie die Tabletten nicht mehr bekamen, verschwanden auch die - teilweise lebensgefährlichen - Symptome.

Im Fall des kleinen Mädchens kam jedoch jede Hilfe zu spät. Es starb durch eine zu hohe Dosierung des Medikaments.

Bereits Ende Januar warnten die Medikamentenwächter der FDA vor homöopathischen Zahn-Tabletten. Sie enthalten das Gift der Tollkirsche (Atropa Belladonna). Dieses ist so stark, dass schon zwei bis drei Beeren für Kinder tödlich sind.

Das Medikament wurde inzwischen vom Markt genommen

"Wie der Körper von Kindern unter zwei Jahren auf Belladonna reagiert, ist unvorhersehbar“, sagte Janet Woodcock, Direktorin für Medikamentenforschung bei der FDA in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung".

"Wir raten Eltern und Erziehern davon ab, Kindern homöopathische Zahn-Tabletten zu geben und sie unnötigen Risiken auszusetzen“, so Woodcock.

Die FDA hat den Hersteller Standard Homeopathic Company in Los Angeles aufgefordert, das Produkt vom Markt zu nehmen. Dieser Forderung ist die Firma offenbar inzwischen nachgekommen. Auf der Seite des Unternehmens ist der Hinweis vermerkt, dass die Tabletten nicht mehr vertrieben werden.

Im November 2016 hatte bereits das Unternehmen Raritan Pharmaceuticals aus New Jersey drei homöopathische Mittel zurückgezogen, weil sie ebenfalls bedrohliche Mengen Belladonna enthielten.

Die Wirksamkeit und Sicherheit von homöopathischen Mitteln entziehen sich der staatlichen Kontrolle, weil diese in vielen Ländern – so auch in Deutschland – als "besondere Therapierichtung“ geschützt sind. Auch deshalb muss kein Nachweis erbracht werden, dass sie den Patienten nützen – und auch nicht, dass sie unschädlich sind.

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Der Glaube an die Globuli - Die Verheißungen der Homöopathie

Da die FDA jedoch die Bevölkerung schützen soll, hat sie im September 2016 vor homöopathischen Zahnprodukten gewarnt. Viel zu zögerlich, wie Kritiker sagen.

In den USA, aber auch in Deutschland sind homöopathische Mittel äußerst populär. 2015 wurden allein in deutschen Apotheken rund 412 Millionen Euro mit Homöopathika umgesetzt.

Trotzdem genießt die Homöopathie weiter Sonderrechte und muss weder Nutzen noch Risiken nachweisen.

"Bei leichten Verdünnungen kann die Langzeiteinnahme homöopathischer Präparate riskant sein“, sagte Norbert Schmacke, Gesundheitswissenschaftler in Bremen und Buchautor ("Der Glaube an die Globuli“) der "SZ".

In Deutschland besteht durch das Präparat allerdings kein Risiko, denn es ist hier nicht erhältlich. Dennoch sollten Verbraucher vorsichtig sein, so Schmacke:

"Schließlich wird mit Belladonna, Arsen und Quecksilber hantiert.“ Schmacke warnt: Verbraucher würden in die Irre geführt – und lebten gefährlich, wenn sie auf die Harmlosigkeit der Präparate vertrauten.

Schmackes eindringliche Forderung: "Es wird Zeit, dass die Politik den Schutzzaun um die Homöopathie einreißt.“

UPDATE 23.02.2017, 11.30 Uhr: Inzwischen wird das Produkt über die offizielle Seite des Herstellers Hyland's nicht mehr vertrieben. Wir haben die betreffende Stelle im Artikel angepasst.

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(lk)

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