"Cicero" über die Verrohung im Internet: Ist Political Correctness ebenso schlimm wie Fake News?

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FRAUKE PETRY
Frauke Petry und Martin Schulz - zwei Seiten einer Medaille? | Reuters / Getty / HuffPost
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Wenn es um die Debattenkultur in Deutschland geht, geht es immer wieder um Facebook. Es geht um Hass-Kommentare und um Falschmeldungen, die Medien und politische Aktivisten streuen, um ihre Agenda zu verbreiten.

Alles deutet darauf hin: Die Bundestagswahl in diesem Jahr wird auch eine Schlacht der sozialen Medien, eine Schlacht der Kommentarspalten.

Das Politik-Magazin "Cicero“ hat genau dieser Schlacht nun eine Titelgeschichte gewidmet. "Hatebook – die Pöbel-Demokratie“ titelt das konservative Magazin. Medienwissenschaftler Norbert Bolz von der TU Berlin analysiert darin, wie der Diskurs im Internet verroht – und benennt einen klaren Schuldigen.

Er ist der Meinung, die klassischen Medien seien schuld daran, dass wir heute mehr über Hass und Lügen diskutieren müssen als über politische Ideen.

Es gibt nur Likes und Hass

Bolz’ brutale Erkenntnis: "Online kritisiert man nicht mehr, sondern man hasst.“ Die Verlagerung der Diskussionen in den virtuellen Raum habe einen "Enthemmungseffekt“ nach sich gezogen. Nicht nur "Respekt und Manieren“ seien diesem zum Opfer gefallen, sondern auch "Sorgfalt im sprachlichen Ausdruck“.

Das filterlose Internet, für Bolz zunächst eine "Kultrurrevolution“, sei zu einem hohen Preis gekommen. Im Internet dominiere heute der Hass.

Der Medienwissenschaftler spricht von einer "dualistischen Welt“, die die Sozialen Medien böten. Neben dem Like-Button, dem virtuellen Ausdruck der Zuneigung, gebe es nur den Hass. Das gelte für Rechtspopulisten ebenso wie für andere politische Lager, etwa für die Gegner des US-Präsidenten Donald Trump.

"Weiße Lügen sind die Propaganda der Gutmenschen"

Immer wieder im Zentrum der Facebook-Diskussion: Die Vorwürfe, Medien würden dort gezielt Lügen bereiten. Bolz ist der Meinung, das Wort "Lügenpresse“ sei zum einen zwar "ein Ausdruck von Paranoia“, zum anderen beruhe es jedoch auf einer richtigen Beobachtung.

Mehr zum Thema: "Von wegen schweigende Mehrheit": Wie eine kleine Gruppe rechter Hetzer die Demokratie gefährdet

Jede Art des Verschweigens oder Überteibens von Seiten staatlicher Institutionen und Medien sei bereits eine Lüge. Der Wissenschaftler spricht hier von "weißen Lügen", nennt diese sogar "Propaganda der Gutmenschen“.

Regierungen würden durch solche "weißen Lügen“ versuchen, Bürger in die moralisch richtige Richtung zu stupsen.

Sein Beispiel liegt Jahrzehnte zurück: In den 1908er-Jahren hatte die britische Regierung mit überspitzten Nachrichten vor einer Aids-Epidemie gewarnt, um die Bürger zu schützen. Streng genommen waren viele der Berichte eine Lüge.

"Politische Korrektheit ist Realitätsverweigerung"

Immer wenn die Medien entscheiden würden, eine Nachricht nicht zu publizieren, "weil sie vielleicht 'Fremdenfeindlichkeit’ auslösen könnte, täten sie im Grunde dasselbe, suggeriert der Kolumnist.

Prinzipiell sei das ähnlich schlimm wie das Verbreiten von Falschmeldungen von rechten Aktivisten. "Political Correctness ist die linke, Fake News ist die rechte Variante derselben Realitätsverweigerung“, schreibt Bolz.

Seine Lösung für das Problem: Massenmedien müssten beginnen, ihre Meldungen von "regierungsnahen Meinungen“ zu befreien. Nur darin liege der Weg aus "der Sackgasse der politischen Korrektheit“.

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(jg)


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