Ihr rechten Angstmacher: Wir lassen uns Karneval von Euch nicht kaputt machen!

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Ihr rechten Angstmacher: Wir lassen uns Karneval von Euch nicht kaputt machen! | Getty Images
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Ihr rechten Angstmacher:

morgen ist Weiberfastnacht, der Tag, an dem der Höhepunkt einer jeden Karnevalssaison beginnt. Sechs Tage lang werden ganze Regionen dieses Landes im fröhlichen Ausnahmezustand versinken, bevor nächste Woche dann die Fastenzeit beginnt.

Es wird auf den Straßen gefeiert, getrunken und geküsst werden. Manche Leute werden ziemlich abgedrehte Kostüme tragen, andere werden am Aschermittwoch einen verdammt dicken Schädel haben.

Wer auch immer Geschäftsbeziehungen nach Köln, Düsseldorf oder Mainz pflegt, sollte ja nicht auf die dämliche Idee kommen, nächsten Montag Termine anzusetzen. Denn da ist um diese Zeit so ziemlich jeder mit Kostüm und guter Laune bei dem Umzügen unterwegs.

Diese Tage der unbeschreiblichen rheinischen Leichtigkeit sind Teil unserer Kultur. Nicht nur aus religiösen Gründen. Das offene und zwanglose Straßenfestival, das der Karneval auch ist, steht für die Art und Weise, wie wir Demokratie leben.

Ihr macht uns Karneval nicht kaputt

Wir können und müssen uns diese Zwanglosigkeit leisten, weil Angst der Feind der Freiheit ist.

Und an der Stelle komme ich zu Euch, Ihr rechten Panikmacher: Ihr wartet auch dieses Jahr wieder darauf, dass etwas passiert, aus dem Ihr politisch Profit schlagen könnt. So wie Ihr damals in München geifernd über die Ereignisse im Olympia-Einkaufszentrum hergefallen seid, weil Ihr an einen islamistischen Anschlag geglaubt habt.

Aber eines schreibt Euch hinter die Ohren: Wir lassen uns von Euch den Karneval nicht kaputt machen.

Ich kann mir bildlich vorstellen, wie Ihr ab Donnerstag in der Finsternis Eurer Wohnzimmer sitzen werdet und die sozialen Netzwerke checkt. Gab es in Köln einen neuen „Sexmob“? Wurde in Mainz ein Anschlag vereitelt?

Es wird Hochsaison für Fakenews sein, weil viele Hunderttausend in Deutschland nur darauf warten, dass „Muslime“, „Ausländer“ oder am besten: „islamistische Flüchtlinge“ dazu beitragen, „unsere Sicherheit“ zu bedrohen.

Hochsaison für Fakenews

Kommt Euch irgendein noch so absurder Kappes unter, überlegt Ihr nicht lang und klickt auf „teilen“. Weil Ihr Euch in Euren Überzeugungen bestätigt fühlt, dass dieses Land am Rande einer geradezu apokalyptischen Katastrophe steht.

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Leider werdet Ihr in Eurem schrägen Weltbild unbewusst von den Sicherheitsbehörden unterstützt. In Mainz etwa sind Lastwagen ab 3,5 Tonnen in der Innenstadt verboten. Eine Reaktion auf den Anschlag auf dem Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz, der sich kurz vor Weihnachten in Berlin ereignet hat.

Das kann man einerseits nachvollziehen, denn von den Sicherheitsbehörden wird Präsenz und Aktivität erwartet, nicht zuletzt wegen der rechten Hetze gegen Muslime und Ausländer, die es außerhalb von Berlin nach dem Anschlag von Berlin gab.

Kommt endlich klar

Andererseits sind solche Maßnahmen auch ein Ausdruck von Hilflosigkeit: Denn wenn schwere Lastwagen nicht verfügbar sind, kommen eben andere Waffen oder zu Waffen pervertierte Gebrauchsgegenstände zum Einsatz. Lieferwagen oder Bagger, beispielsweise. Das ist die absurde Logik des Terrors: Er findet immer einen Weg. Absolute Sicherheit gibt es nicht.

Aber wenn ich mir so vorstelle, wie ihr mit Euren Schweppes-Gesichtern vor Euren Computern sitzt und darauf wartet, dass schlechte Nachrichten durchs Internet rasen, dann macht mich ein Gedanke optimistisch: Dass sich auch dieses Jahr wieder Million von Menschen die Freude am Karneval nicht nehmen lassen werden. Trotz allem.

Und die traurigsten Gestalten in den nächsten Tagen werdet Ihr sein. Keine Häme an der Stelle. Nur die Hoffnung, dass Ihr endlich einmal lernt.

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