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22/02/2017 08:47 CET

Porsche Panamera Turbo beim Porsche Driving Experience: Wie quer ist quer genug?

Porsche
Drift-Erlebnis Panamera: Erst ging das Talent aus, dann die Straße

Einen Porsche zu besitzen ist das eine, ihn zu beherrschen das andere. Vor allem auf Eis und Schnee. Das beruhigende Gefühl, in brenzligen Situationen die Nerven und die Kontrolle zu behalten, vermitteln geschulte Instrukteure in Lappland auf einem Gelände mit den Ausmaßen von 80 Fußballplätzen.

Ssssst. Knirsch. Rumms. Stille. Dieses Geräusch-Quartett möchte man nicht hören. Schon gar nicht, wenn man in einem Porsche auf Eis vom erleuchteten Pfad der vollkommenen Drift-Tugend abgekommen bist. Hilflos wie ein fetter Käfer auf dem Rücken steckt der Panamera Turbo fest. Wo kein Grip, sorgen auch 550 PS nur für durchdrehende Räder, selbst der Allradantrieb ist außer Kraft gesetzt. Zwei Tonnen mit dem Unterboden auf einer festen Schneeschicht haben eben denselben Effekt wie eine Hebebühne. Und das alles, weil zuerst das Talent und dann die Straße ausging, wie Profis süffisant zu analysieren pflegen.

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Holiday on Ice. Eine leicht peinliche Zwangspause. Weil nun auch die anderen Eisheiligen, die mit um den Panamera-Kurs der Porsche Driving Center nahe des Polarkreises tobten, solange warten müssen, bis man aus seiner misslichen Lage befreit ist. Die Hilfe naht schnell, aber es braucht doch einige Versuche, ehe der Cayenne den Panamera mit dem Abschleppseil wieder auf den Icetrack verpflanzt hat. Schäden? Nicht ein Kratzer. Dafür eine Belehrung von Frau Instruktorin. "Du warst in der Kurve erst nicht weit genug am Scheitelpunkt und dann zu spät am Gas, "erklärt Maria die ungebremste Rodelpartie auf allen vier Rädern. Die 33-jährige Leipzigerin war die einzige Frau unter den Fahrlehrern dieses Lehrgangs, aber Zweifel an ihren Fähigkeiten verboten sich - als ihr Beifahrer in einem Turbo S hatte sie mir schnell gezeigt, wo der Eispickel hing.

Eiswarnung: Fahren ja, gehen nein

Die endlos weißen Weiten Lapplands, eine knappe halbe Autostunde außerhalb des finnischen Skiortes Levi, sind die ideale Umgebung, sich im Auto auf Eis und Schnee gefahrlos auszutoben. Die Porsche Driving School hat sich in dieser dünn besiedelten Gegend auf großzügigen 329.000 Quadratmetern eingerichtet, was ziemlich genau der Größe von 80 Fußballfeldern entspricht. "Das Besondere an diesem Gelände ist," warnt Briefing-Guido, schon seit 20 Jahren als Instruktor am Start," dass man hier zwar wunderbar fahren, aber nicht gehen kann. Denn überall ist Eis."

Ständig sind Spezialfahrzeuge mit angehängten Wassertanks im Einsatz, um die einzelnen Sektionen auf Spiegelglätte zu präparieren. Es gibt einen großen Kreisel mit 120 Meter Durchmesser und einen kleinen mit 30 Metern. Dazu Slalom- und Handlingkurse, eine GT3 Cup Arena und bereits erwähnte Panamera Arena. Und vier Forrest Tracks, kleine Rundstrecken, die durch finnische Wälder führen. Wobei die Tannen respektvollen Abstand zum kurvenreichen Geschlängel halten. Und das ist gut so, denn die Teilnehmer schleudern mit teurem Gerät durch die Landschaft, vier fünftägige Sessions mit jeweils drei Fahrtagen bietet was Wintertraining der Porsche Driving Experience im Hohen Norden an: Camp4 Precision mit CarreraS-Modellen für Erstteilnehmer, Camp4S Performance als Anschlusskurs, beim Ice-Force Master geht es mit Turbos zur Sache, bei Ice-ForceS Special als Königsdisziplin mit der fast kompletten Porsche-Modellpalette.

Keine bleibenden Schäden an Blech und Seele

Welch erhabener Anblick: Tausende PS mit dem Gegenwert von ein paar Millionen, einer der wertvollsten Parkplätze auf Erden. Cayman 718, Carrera und Carrera 4S, Turbo und Turbo S, Panamera Turbo und GT3. Hübsch aufgereiht und bereit für die Damen und Herren Journalisten aus ganz Europa. Ob man im fernen Zuffenhausen wusste, was man tat? Man wusste. Im Gegensatz zu manch schreibendem Probanten, der die Unterschiede zwischen Heck- und Allradantrieb kreiselnd erfuhr oder sich kurzfristig ins weiße Nirwana verabschiedete. Aber das hatten wir ja schon. Bleibende Schäden an Blech und Seele waren am Ende des Tages jedenfalls nicht zu beklagen.

Dafür jede Menge Demut. Okay, der Ritt im 918 Hybrid mit einem talentierten jungen Finnen namens Janko war ein durchaus beeindruckendes Erlebnis. Aber die volle Dröhnung gab's in nur zwei fliegenden Runden durch den Wald von Walter Röhrl, dem Altmeister, der in ein paar Tagen 70 wird. Siebzig? Wer dem wohl für alle Zeiten besten Rallyefahrer der Republik bei der wahren Kunst zusieht, mit minimalen Korrekturen am Lenkrad bei Vollgas einen Porsche Turbo S auf die eleganteste aller fahrerischen Möglichkeiten übers Eis tanzen zu lassen, der weiß, dass er vom Driften nichts weiß. Andererseits: In den Genuss eines Porsche Cayenne mit Abschleppseil kommt der Walter nie.

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