Mutter wird todgeweihtes Baby zur Welt bringen - damit seine Organe anderen das Leben retten können

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Keri Young ist im siebten Monat schwanger, mit ihrem zweiten Kind. Für die meisten Mütter wäre das eine Zeit der Vorfreude, der Vorbereitung, der Unbeschwertheit.

Doch die Amerikanerin und ihr Mann Royce wissen, dass das kleine Mädchen, das sie Eva nennen wollen, nicht überleben wird. Denn vor einigen Wochen mussten Ärzte dem Paar die traurige Nachricht überbringen, dass ihr Baby kein Gehirn werde ausbilden können.

Trotzdem haben die beiden sich dazu entschlossen, dass Eva auf die Welt kommen soll. Keri wird die Schwangerschaft bis zum Ende durchstehen und auch die Geburt auf sich nehmen, denn: Wenn Eva schon nicht leben kann, dann will das Paar zumindest, dass dank der Kleinen andere Leben gerettet werden können.

Evas Organe sollen nach der Geburt gespendet werden.

"Es war einer der eindrucksvollsten Momente, die ich je erlebt habe"

Royce beschreibt in einem bewegenden Post auf Facebook, wie es zu der Entscheidung kam und wie es ihm und seiner Frau damit geht. Vor allem aber will er mit seinen Worten der ganzen Welt zeigen, wie sehr er Keri für ihren Mut und ihre Stärke bewundert.

Er schreibt:

"Neulich, kurz bevor ich nach New Orleans aufbrach, beobachtete ich meine wundervolle Frau, wie sie friedlich auf der Couch schlief.

Ich sah sie an, wie sie da lag, mit ihrem dicken Bauch mit unserer Tochter drin. Einer Tochter, die nur wenige Tage leben wird. Und in diesem Moment war ich einfach überwältigt davon, wie unglaublich diese Frau ist. Ich bin Autor, deswegen neige ich dazu, meine Gefühle aufzuschreiben. Also zog ich mein Handy aus der Tasche und begann hineinzutippen, was ich dachte.

Heute Abend sitze ich einige tausend Meilen entfernt in einem Hotelzimmer und habe gerade diesen tollen Jungen namens Jarrius getroffen, der eine Lebertransplantation braucht. Und mir wird klar, dass ich diese Worte nicht für mich behalten will, wie ich es sonst tue, sondern dass ich allen sagen will, wie unglaublich meine Frau Keri Young ist (Ich vermisse sie, seit ich das Haus verlassen habe, deswegen denke ich sowieso die ganze Zeit an sie.).

Ich dachte an den Moment zurück, als wir erfuhren, dass Eva nicht perfekt ist, und daran, dass Keri 30 Sekunden, nachdem der Arzt uns gesagt hatte, dass unser Baby kein Gehirn hat, fragte: “Wenn ich sie trotzdem zur Welt bringe, können wir dann ihre Organe spenden?” Ihr ganzer Körper wurde von heftigen Schluchzern geschüttelt.

Ich erinnere mich daran, dass der Arzt seine Hand auf Keris Schulter legte und sagte: 'Ach meine Liebe, es ist so mutig, dass Sie das sagen.' So nach dem Motto, jaja, das ist nett gemeint, aber kommen Sie schon. Aber Keri meinte es so.

Da stand ich, am Boden zerstört und mit gebrochenem Herzen, doch meine Ehrfurcht vor ihr baute mich ein wenig auf. Ich fühlte mich, als würde ich außerhalb der Szene stehen, als würde ich beobachten, wie eine Superheldin ihre Superkräfte entdeckt.

Im buchstäblich schlimmsten Moment ihres Lebens - in dem sie herausfand, dass ihr Baby sterben würde - brauchte sie nicht mal eine Minute, um daran zu denken, wie sie dafür das Leben von anderen retten könnte. Es war eines der eindrucksvollsten Dinge, die ich je erlebt habe.

In in den acht Jahren, die wir jetzt verheiratet sind (und 15 Jahren als Paar) gab es viele Momente, in denen ich innehielt und mir dachte ‘heilige Scheiße, was bin ich für ein Glückspilz, dass ich diese Frau geheiratet habe’. Aber dieser war anders. Mir wurde mit einem Schlag bewusst, dass ich nicht nur mit der besten Freundin verheiratet bin, die ich je hatte, sondern vor allem auch mit einem wirklich bemerkenswerten, besonderen Menschen.

Der ganze Prozess, der folgte, war hart. Aber ich kann das, wie ihr auch, nur wie von einer Tribüne aus beurteilen. Keri war die ganze Zeit auf dem Spielfeld, sie fühlte jeden kleinen Tritt, jeden Schluckauf und jede Drehung des Babys.

Sie wird jede Sekunde jeden Tages daran erinnert, dass sie ein Baby in sich trägt, das sterben wird. Ihr Rücken schmerzt. Ihre Beine auch. Sie muss all das durchmachen, was eine Schwangerschaft so mit sich bringt. Aber das Licht am Ende ihres neunmonatigen Tunnels wird sich nach der Geburt in eine Dunkelheit verwandeln, wie Keri sie nie zuvor gespürt hat.

Sie wird mit allen körperlichen Reaktionen klarkommen, die nach einer Geburt eintreten. Ihre Brüste werden Milch produzieren, sie wird sich von den Strapazen erholen müssen. Doch all das ohne das weiche, behagliche, neugeborene Wesen, das eine Mutter daran erinnert, dass es das alles wert war.

Wir haben aus mehreren Gründen beschlossen, dass Keri Eva bis zum Ende austrägt. Doch der erste und wichtigste ist, dass so ihre Organe gespendet werden können. Wir sagen das nicht, weil wir wie großartige Menschen klingen möchten oder so. Es war für uns nur die Möglichkeit, weiterzumachen und Eva die Chance zu geben, ihre Mama und ihren Papa kennenzulernen.

Die Organe unserer Babys zu spenden war Keris Wunsch vom Moment an, als wir die schlimme Nachricht erfuhren. Wir werden uns für immer daran erinnern, wie schön es war, unsere Tochter zu halten und sie zu küssen und die Geschenke, die sie in ihrem kleinen Körper trägt sind das, was wirklich zählt. Keri begriff das sofort. Dieses Kind, Jarrius, trug ein T-Shirt, auf dem stand ‘Es braucht Leben, um Leben zu retten’.

Ich konnte nicht aufhören, darüber nachzudenken. Irgendwo da draußen gibt es eine Familie, die leidet und auf ein Wunder für ihr Baby hofft, wohl wissend, dass dafür das Baby einer anderen Familie zuerst sterben muss. Eva kann dieses Wunder sein.

Wir nähern uns der Ziellinie - und obwohl es großartig sein wird, Eva kennenzulernen, werden wir einen Preis dafür zahlen müssen. Wir werden für eine Geburt ins Krankenhaus gehen und ohne Baby zurückkommen.

Viele Menschen sagen Dinge nach schlimmen Erlebnissen wie ‘Ich würde nichts ändern’. Doch das werde ich nicht sagen. Ich würde das definitiv ändern, wenn ich könnte. Ich will, dass meine Tochter perfekt ist. Ich will, dass sie an ihrem ersten Geburtstag die Kerze ausblasen kann.

Ich will, dass sie sich den Kopf an unserem Sofatisch stößt, wenn sie laufen lernt. Ich will, dass sie eine irre hohe Handyrechnung hat, weil sie Jungs Sms schreibt. Ich will sie zum Altar führen. Ich möchte all das so gerne verändern. Aber das kann ich nicht. Das ist unsere Realität. Und die lässt sich nicht ändern.

Wann immer Harrison sich weh tut oder mit ein paar Stichen genäht werden muss oder irgendwas, fragt Keri ‘Bist du stark? Bist du mutig?’. Und der kleine Junge nickt und sagt ‘Ich stark! Ich mutig!’. Ich schaue Keri in diesem Moment an und ich muss nicht einmal fragen. Sie IST stark. Sie IST mutig.

Sie ist unglaublich. Sie ist bemerkenswert. Sie ist aus einem anderen Holz geschnitzt. Sie kombiniert Witz, Schönheit, Albernheit, Charakterstärke und Integrität und das macht sie zu einer großartigen Frau.

Und irgendwie habe ich es geschafft, dass sie meine Frau ist. Es ist nicht so, als hätte es diese schreckliche Situation gebraucht, um mir das klarzumachen. Doch erst dadurch habe ich gemerkt, dass ich allen davon erzählen möchte.”

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(lm)

(mm)

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