Virtueller Lynchmob: Wie die rechte Nachrichtenseite "Breitbart" Trump-Kritiker bedroht

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STEVE BANNON
"Bannons Lynchmob": Wie die rechte Nachrichtenseite "Breitbart" Trump-Kritiker mundtot macht | Carlos Barria / Reuters
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  • Die rechte US-Nachrichtenseite "Breitbart" fährt offensiv Kampagnen gegen Kritiker Donald Trumps
  • Damit stachelt "Breitbart" rechte Gruppierungen an, die mit Gewalt drohen
  • Mit Steve Bannon sitzt der Initiator dieser Hass-Lawine im Weißen Haus

Wer wissen will, wie sich die USA gerade verändern, sollte die Geschichte von Rosa Brooks kennen. Die Juristin hatte in einem Kommentar Zweifel an der Führungsstärke des Präsidenten Donald Trump geäußert. In ihrer regelmäßigen Kolumne für das Polit-Magazin “Foreign Policy” spekulierte Brooks, das US-Militär könnte möglicherweise gegen Trump rebellieren.

Wenig später bedrohten Unbekannte die Kolumnistin. Zunächst waren es nur wenige. Dann immer mehr. Sie schrieben Hassbotschaften in sozialen Medien, beleidigten sie per Mail - und schickten schließlich Morddrohungen.

Auslöser für diese Hass-Welle war ein Artikel der Internetseite “Breitbart”. Darin attackierte ein Autor die Juristin Brooks in scharfen Worten. Genau solche Aktionen sind das Prinzip von "Breitbart".

"Breitbart" steuert Mob gegen Journalisten und Bürgerrechtler

Auf den ersten Blick kommt die Seite wie ein News-Portal daher - mit zugespitzten Nachrichten und Hassbotschaften über Einwanderer, Minderheiten und Linke.

Doch sie ist viel mehr. Sie liefert den ideologischen Unterbau nicht nur für Trump-Anhänger, sondern auch für die Bewegung der sogenannten Neuen Rechten, deren Anhänger gegen Schwule, Muslime, Frauen und letztlich all das sind, was eine freie Gesellschaft ausmacht.

Mit ihren Botschaften steuert die Seite einen brutalen Mob, der mal gegen Journalisten zu Felde zieht, mal gegen Bürgerrechtler, und mal gegen Künstler - gegen Menschen wie Brooks, die es wagen, die rechten Hassprediger und Populisten zu kritisieren.

Und hinter diesem Imperium aus Hass-Söldnern steckt Donald Trumps Chef-Berater Steve Bannon.

Viel weiß man nicht über den Mann, weil sich Bannon stets im Hintergrund hält. Früher einmal war er Investmentbanker, dann machte er ein Vermögen in der Filmindustrie. Schließlich übernahm Bannon das Nachrichtenmagazin "Breitbart“, das sich dem Kampf gegen das Establishment verschrieben hat. Mit allen Mitteln.

Dort ist er offiziell zwar seit ein paar Monaten raus.

Mehr zum Thema: Trumps Chefstratege Bannon glaubt: Die Apokalypse kommt und ein Krieg ist unausweichlich

Doch die Nähe von "Breitbart" zu Trump ist nicht zu übersehen. Im Wahlkampf wurde die Seite zum erbitterten Vorkämpfer gegen die linksliberale Elite - zugunsten von Trump.

Brooks Fall zeigt so deutlich wie kaum ein anderer, wie das System “Breitbart” funktioniert.

Einige Tage nach der “Foreign Policy”-Kolumne, startete "Breitbart“ den Gegenangriff gegen Brooks: "Ex-Obama-Mitarbeiterin schlägt 'Militärputsch’ gegen Trump vor“ titelte die Nachrichtenseite suggestiv.

Brooks hatte die Zurechnungsfähigkeit Trumps in Frage gestellt. Für "Breitbart“ ein Skandal. Die rechte Seite antwortete schroff: "Brooks, die keine professionelle Psychologin ist, hat keinen Beweis für ihre hanebüchene psychologische Beurteilung vorgebracht, außer politische Entscheidungen zu zitieren, die ihr nicht gefallen“.

Was auf die rechte Retourkutsche folgte, zeigt die zerstörerische Macht von “Breitbart”. "Das Alt-Right-Internet war in Flammen gesetzt“, erinnert sich Brooks. Heute glaubt sie: "Bannons Lynchmob war hinter mir her“ .

Morddrohungen und Hass-Anrufe

Die Lawine war schnell losgetreten. Nachrichtenseiten und Onlineforen jenseits des rechten Randes griffen das Thema auf – und bliesen zur Hetzjagd. Die berüchtigte rechtsradikale und verschwörungstheoretische Seite "InfoWars“ machte aus der ursprünglichen Meldung: "Soros-Insiderin fordert vom Militär, Trump zu entmachten“.

Andere Magazine schrieben: "Jüdische Ex-Pentagon-Mitarbeiterin ruft das Militär auf, Trump zu stürzten“. Brooks wurde auf mehreren Internetseiten als "Vaterlandsverräterin“ verleumdet.

"Am Nachmittag bekam ich Morddrohungen“, berichtet die Kolumnistin. In Mails schreiben Rechtsradikale, sie würden Brooks den Kopf abschneiden, sie erhängen, deportieren, ins Gefängnis werfen.

Auch bei Twitter häuften sich Beleidigungen gegen die Autorin. "Schlampe“ war dort zu lesen, "Fotze“ und "Judenschwein“. Ein Unbekannter drohte via Telefon, sie zu erschießen.

infowars

Breitbart-Redakteure führen die Online-Armee an

All das zeigt, wie der politische Diskurs in den USA gerade verroht. Noch erschreckender ist allerdings, dass “Breitbart” seine Hetzjagd gegen Kritiker bewusst betreibt.

Die einflussreiche Nachrichtenseite gibt Personen zum Abschuss frei, wenn sie nicht in das radikale Weltbild der Rechten passen.

Ein Beispiel: Ex-"Breitbart“-Autor Milo Yiannopoulos, eine Ikone der Neuen Rechten, wurde im Sommer vergangenen Jahres von Twitter verbannt. Er hatte sich zuvor an rassistischen Hasstiraden gegen die schwarze "Ghostbusters“-Schauspielerin Leslie Jones beteiligt.

Nachdem sie in den sozialen Netzwerken übel beschimpft wurde und sich zur Wehr setzte, twitterte Yiannopoulos: "Wenn du am Anfang keinen Erfolg hast, weil deine Arbeit furchtbar ist, spiel halt das Opfer.“ Später warf er ihr vor, Analphabetin zu sein.

Yiannopoulos Antwort in einem "Breitbart“-Kommentar zeigt die Agenda der Nachrichtenseite: "Mit dieser feigen Suspendierung, hat Twitter gezeigt, dass es ein Schutzraum für muslimische Terroristen und 'Black-Lives-Matter“-Extremisten ist aber eine No-Go-Zone für Konservative.“

Dieser Kommentar zeigte ein weiteres Mal: "Breitbart" sieht sich als Front gegen Bürgerrechtler, Feministen und Linke, als radikale Antwort auf politische Korrektheit.

Auch Konservative werden Ziel der Attacken

Aber "Breitbart" denunziert und bedroht nicht nur linksliberale Journalisten und Künstler.

Der konservative Publizist John Podhoretz etwa wurde in einem aufwendigen "Breitbart“-Artikel demontiert, nachdem er Kritik an Donald Trump und der Nachrichtenseite geäußert hatte.

Seither bekomme er fast täglich Beleidigungen und Bedrohungen bei Twitter, schilderte er dem US-Magazin "The Daily Beast“.

breitbart

"Es macht meine Frau nervös. Sie sagt, ich sollte damit aufhören“, berichtet Podhoretz, der weiter die Konfrontation mit Rassisten und Antisemiten sucht.

Der Republikaner Rick Wilson, Politikberater und im Wahlkampf Unterstützer von Marc Rubio, wurde bereits im Sommer 2015 zu einem Lieblingsziel von "Breitbart“, weil er sich der rassistischen Stimmungsmache der Nachrichtenseite entgegen stellte. Bannon höchstpersönlich bezeichnete Wilson damals als "Angreifer der republikanischen Basis“.

Doch es blieb nicht bei einer Medienkampagne gegen den Republikaner. Eine "Breitbart“-Redakteurin versuchte mit wiederholten Anrufen bei seinem Arbeitgeber, Wilsons Entlassung zu erwirken.

Unbekannte versuchten die Kreditwürdigkeit des Politikberaters herauszubekommen, verbreiteten gefälschte Nacktbilder seiner Tochter im Internet und setzten üble Gerüchte über seinen Sohn in Umlauf.

"Breitbart"-Leser drohten Wilson sogar, seine Tochter zu vergewaltigen.

breitbart

Hat Putin einen Anteil?

Auch die konservative Kolumnistin Bethany S. Mandel musste erfahren, was es bedeuten kann, Donald Trump zu kritisieren. Sie kaufte sich im vergangenen Jahr sogar eine Waffe, als die Anfeindungen gegen sie im Wahlkampf unerträglich wurden.

Heute jedoch glaubt sie, es sei nicht nur die Angst-Maschinerie “Breitbarts”, die den politischen Diskurs in den sozialen Medien der USA zerstöre.

"Ich glaube die Drohungen kamen vor allem von russischen Trollen, nicht von Breitbart-Lesern oder überhaupt Amerikaners“, sagte Mandel der Huffington Post.

Sie glaube nicht an ein System hinter den Attacken, die "Breitbart“ und seine Leser immer wieder auf Kritiker des Präsidenten und seiner Bewegung starten.

Aber ist das wirklich glaubhaft?

Sicher ist nämlich: "Breitbart“ ist sich seiner Macht im Netzwerk der Alt-Right-Bewegung durchaus bewusst.

Bannon sagte der "Washington Post“ vergangenes Jahr über seinen ehemaligen Arbeitgeber: "Wir nennen uns selbst den 'Fight Club’. Du kommst nicht zu uns, wenn du es warm und flauschig willst.“

"Breitbart“ kämpfe "giftig“ gegen das Establishment und die "politische Klasse“.

Und mit Bannon ist das Gift jetzt in Washington eingezogen. Es ist damit mächtiger als jeh zuvor.

Jedes Kind braucht die Chance auf Bildung

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