Syrische Flüchtlinge verkaufen in der Türkei ihre Organe

Veröffentlicht: Aktualisiert:
SYRIEN
Reuters
Drucken
  • Syrische Flüchtlinge in der Türkei verkaufen zunehmend ihre Organe auf dem Schwarzmarkt
  • Das hat eine Recherche des MDR-Magazins "Fakt" ergeben
  • Die Flüchtlinge verkaufen ihre Organe, weil sie keine Arbeit oder Bleibe haben

Flüchtlinge aus Syrien verkaufen aus purer Verzweiflung in der Türkei ihre Organe. Das berichtet das MDR-Magazin "Fakt".

Die Syrer ließen sich eine Niere oder einen Leberlappen herausoperieren, um an Geld zu kommen. Den Recherchen nach gibt es auf dem Schwarzmarkt für eine Niere zwischen 6000 und 11.000 Euro.

"Es gibt keine andere Möglichkeit, um an Geld zu kommen"

Flüchtlinge sagten den Reportern, sie wollen mit dem erhofften Geld nach Europa reisen. Ein Mann sagte den Journalisten, er habe eine schwer kranke Tochter, die auf eine Knochenmarkspende und Operation angewiesen sei. Mit Geld von Freunden aus Syrien habe er die Fahrt nach Deutschland finanzieren wollen, sei aber jetzt in der Türkei gestrandet.

"Fakt" zitiert einen Mann namens Ahmed so: "Ich kann kein Türkisch, ich habe keine Bekannten, keine Arbeit, keine Wohnung. Ich verkaufe meine Niere, weil ich riesige Probleme habe und unter Druck stehe. Es gibt keine andere Möglichkeit, um an zu Geld zu
kommen, als meinen Körper zu verkaufen."

Käufer aus dem Westen oder der Golfregion

Ein Organhändler, mit dem die Reporter undercover sprachen, bot eine Niere inklusive Transplantation in einer türkischen Klinik für knapp 30.000 Euro an.

Käufer seien Patienten aus dem Westen oder Saudi-Arabien. Der Handel laufe vor allem über das Internet, etwa das soziale Netzwerk Facebook.

Wo die Operationen genau durchgeführt werden, konnte "Fakt" nicht belegen. Die Reporter hörten aber von illegalen OPs in einer Klinik der osttürkischen Stadt Malatya sowie in Privatwohnungen.

Schon früher Berichte über Organhandel im Libanon

Berichte über Organhandel in der Region gab es auch schon früher. Das Nachrichtenmagazin "Spiegel" zitierte 2013 den Anwerber eines libanesischen Organhändlerrings. Dieser sagte, es gebe einen regelrechten Andrang von Verkaufswilligen.

Damals sollen Spender 7000 Dollar für eine Niere bekommen haben, der Preis für die Käufer aus dem Westen und den Golfstaaten lag wohl bei bis zu 15.000 Dollar.

Der Sender ABC zitierte im Januar Campbell Fraser von der Griffith University im australischen Brisbane. Er sagte, Ägypten und die Türkei hätten im Organhandel den Platz Chinas und der Philippinen eingenommen, den früheren Zentren des illegalen Organhandels. In Ägypten nahmen die Behörden im Dezember 45 Ärzte und Krankenschwestern wegen des Verdachts auf Organhandel fest.

In der Türkei leben derzeit etwa 2,8 Millionen syrische Flüchtlinge, unter teils schrecklichen Bedingungen. Die EU hat der Türkei bislang etwa 2,2 Milliarden der versprochenen drei Milliarden Euro überwiesen, die im Rahmen des EU-Türkei-Deals zur Unterstützung der Flüchtlinge gedacht sind.

Organhandel - ein Verbrechen

Die Vereinten Nationen geißeln den Organhandel als Verbrechen der organisierten Kriminalität. Sie weisen darauf hin, dass Migranten und heimatlose Menschen oft Opfer würden. Betroffen seien Menschen jeden Alters.

Duminda Wijesekera, Experte für Geldwäsche an der George Mason University in Washington, sagte dem Sender ABC, letztlich verdienten am Organhandel Schmuggler und Terrororganisationen sowie Waffenhändler.

Karl Kopp von "Pro Asyl" sagte "Fakt", für ihn habe der Organhandel eine neue Dimension erreicht. "Wir waren gewohnt, dass Schutzsuchende obdachlos sind, mittellos, betteln müssen. Dass Frauen ihren Körper verkaufen müssen. Die Steigerungsform ist jetzt, dass auch Organe verkauft werden müssen, um eine menschenwürdige Perspektive oder eine Fluchtalternative zu entwickeln."

Der "Fakt"-Beitrag wird am Dienstag, 21. Februar, um 21.45 Uhr im Ersten ausgestrahlt und am Mittwoch, 22. Februar, um 5 Uhr wiederholt.

Flüchtlingskrise: Helft den Helfern!

Die Flüchtlingskrise bewegt die Deutschen wie kein anderes Thema. Viele blicken fassungslos auf das, was sich an Europas Grenzen abspielt. Auf das Leiden und die Nöte der Hilfesuchenden.

Dabei gibt es zahlreiche Menschen und Organisationen, die vor Ort helfen, die Probleme zu lösen. Wie ihr selbst aktiv werden könnt, erfahrt ihr bei unserem Kooperationspartner Betterplace..

(jg)

Korrektur anregen