Spielzeugfreier Kindergarten - was das wirklich bedeutet

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Im spielzeugfreien Kindergarten dürfen die Kinder ihre Beschäftigung und Spielzeiten selbst bestimmen | SolStock via Getty Images
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  • Die Kinder beschäftigen sich mit wenigen Spielmaterialien
  • Die Erzieher haben eine stille Beobachterrolle
  • Neben der Suchtprävention fördert man die Kreativität und Fantasie der Kinder

Der spielzeugfreie Kindergarten entstand als Projekt in Anlehnung an die Idee zur Suchtprävention vom Kindergartenalter an. Spielzeugfrei bedeutet an der Stelle aber nicht, komplett auf Spielsachen zu verzichten. Das Ziel besteht vielmehr darin, die Reizüberflutung auf ein Minimum zu reduzieren.

Der spielzeugfreie Kindergarten lässt sich als Projekt in den Betreuungseinrichtungen ausschließlich für kurze Zeiträume integrieren. Er ist darauf ausgerichtet, dass sich die Kinder vermehrt mit sich selber beschäftigen. Die Fokussierung auf das Konsumverhalten, das bei den Kindern oftmals von Anfang an stark ausgeprägt ist, tritt auf diese Weise in den Hintergrund.

Was ein spielzeugfreier Kindergarten fokussiert

Die Beschäftigung der Kinder im spielzeugfreien Kindergarten beinhaltet hauptsächlich das Spiel mit Naturmaterialien und mit Dingen, die man gut zweckentfremden kann. Zum Beispiel mit Kissen, Decken, Tücher und Schachteln.

Gleichzeitig leben die Kinder nicht nach einer festgelegten Struktur und die Spontaneität des Kindes steht im Vordergrund. Der Alltag der Kinder ist mit zahlreichen Ruhepausen versehen, sodass die Kinder ebenfalls lernen, mit Phasen des Nichtstuns zurechtzukommen.

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Vorteil: Kinder dürfen selbstbestimmt und kreativ spielen

Nach einem gemeinsamen Morgenkreis dürfen die Kinder die Art ihrer Beschäftigung, ihre Spielpartner und die Zeiten selbst bestimmen. Die Erzieher haben im spielzeugfreien Kindergarten die Rolle eines stillen Beobachters und greifen ausschließlich in Ausnahmefällen ein, wenn das Kind durch außergewöhnliche Umstände gefährdet ist.

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Durch die fehlende Spielzeug- und Konsumüberflutung fördert diese Idee die Fantasie und Kreativität der Kinder. Ein fertiges Konzept für den Tagesablauf präsentieren Erzieher den Kindern hierbei nicht.

Demzufolge sind die Mädchen und Jungen gefordert, aus den vorhandenen Spielsachen und -gegenständen für sich eine eigene Welt zu erschaffen. Der Erfolg stärkt das Selbstbewusstsein der Kinder.

Nachteil der Idee: Die Kinder werden nicht auf die Schule vorbereitet

Die Nachteile dieser Art der Pädagogik bestehen darin, dass die Kinder im Kindergarten nicht ausreichend auf die Schule vorbereitet werden und ausschließlich die Förderung ihrer Stärken und ihrer Interessen gewährleistet ist. Ihre Defizite finden bei dieser Methode keinen Ausgleich.

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