Friedrich Merz: "Europa hat in der Substanz ernstere Probleme als die USA"

Veröffentlicht: Aktualisiert:
FRIEDRICH MERZ
Friedrich Merz: "Europa hat in der Substanz ernstere Probleme als die USA" | Ralph Orlowski via Getty Images
Drucken
  • Der frühere CDU-Politiker Friedrich Merz hat in einem Interview davor gewarnt, die Probleme der EU zu vernachlässigen
  • Die Institutionen seien in einer tiefen Krise, die "existenzgefährdend" sei

Der ehemalige CDU-Spitzenpolitiker Friedrich Merz sieht die europäischen Institutionen in einer tiefen Krise.

"Ich mache mir um den Zustand der EU mehr Sorgen als um den Zustand der amerikanischen Regierung", sagte Merz im Deutschlandfunk. Was in den USA passiere, sei im höchsten Maße irritierend. "Aber in der Substanz haben wir Europäer das größere Problem", sagte Merz.

"Wir haben in Europa zu viel Populismus"

Europa stehe vor einer Reihe ungelöster Fragen, die Merz als "existenzgefährdend" bezeichnete. "Wir haben in Europa zu viel Populismus, zu viele Zentrifugalkräfte - und wir haben das Problem der Währungsunion bei Weitem nicht gelöst", sagte Merz.

In vielen europäischen Ländern wie Deutschland, Frankreich, Ungarn, Griechenland und den Niederlanden verzeichnen rechtspopulistische Parteien Zulauf. Griechenlands Finanzkrise ist noch immer nicht gelöst.

Darunter, sagte Merz, leide die Glaubwürdigkeit der Institutionen - das sei der Boden, auf dem Populismus groß werde. Dass auch Medien ein großes Glaubwürdigkeitsproblem hätten, sei unübersehbar. Umfragen belegen das.

Dafür verantwortlich machte Merz unter anderem die sozialen Netzwerke. "Was unterhalb der Wahrnehmungsschwelle der verbreiteten Medien an Stimmung entsteht, ist für die Demokratie eine große Herausforderung", sagte Merz.

Die müsse hier in Europa gelöst werden. "Und dabei können uns die Amerikaner nicht viel helfen."

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

(sk)

Korrektur anregen