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19/02/2017 10:02 CET | Aktualisiert 19/02/2017 13:58 CET

Trump wettert gegen die "unehrlichen" Medien - und verbreitet selbst falsche Behauptungen

Kevin Lamarque / Reuters
US-Präsident Trump hat in Florida bei einer Kundgebung mit Wahlkampf-Charakter gegen die Medien gewettert

  • US-Präsident Trump hat in Florida bei einer Kundgebung mit Wahlkampf-Charakter gegen die Medien gewettert

  • Probleme und Pannen im Weißen Haus nannte er Erfindungen der "unehrlichen Medien"

  • Der Republikaner McCain kritisierte einen Tweet von Trump, so würden Diktatoren beginnen

Nach vier schwierigen Wochen im Amt hat sich US-Präsident Donald Trump am Samstag in Florida an seine Anhänger gewandt - und dabei gesprochen wie im Wahlkampf.

Es war eine ungewöhnliche Veranstaltung, die Themen aber waren bekannt. Trump feuerte mal wieder eine Breitseite gegen die Medien ab, die eine "falsche Geschichte nach der anderen veröffentlichen" würden. Die bisherige Arbeit des Weißen Hauses nannte er selbst "reibungslos".

Reibungslos verliefen gerade die vergangenen beiden Wochen im Weißen Haus aber nun wirklich nicht. Ein Gericht blockierte seinen Einreisestopp für viele Muslime. Und dann waren da noch die Wirbel um den Rücktritt von Trumps Sicherheitsberater Michael Flynn.

Flucht in die jubelnden Massen

Da wirkte die Kundgebung wie Trumps Flucht in die jubelnden Massen, wie etwa die Tageszeitung "Welt" titelt. "Ich will unter Freunden und unter dem Volk sein", sagte Trump in Florida. Ist er auf der Suche nach dem Bewährtem, dem Wahlkampf, weil das Regieren ihm solche Probleme macht?

Der Auftritt in Florida zeigt zumindest: Der Präsident ist nach wie vor im Wahlkampfmodus. Tatsächlich übermittelte er bereits am Tag seiner Vereidigung die offizielle Bestätigung über den Start seines Wahlkampfes für 2020.

Darauf angesprochen sagte Trump zu Reportern am Samstag: "Das Leben ist ein Wahlkampf. Unser Land wieder groß zu machen ist Wahlkampf."

Gibt es vielleicht noch einen weiteren Grund, warum Trump so früh in den Wahlkampf startet? Sein Team und er dürfen nun schon jetzt Spenden sammeln. Und er darf regelmäßig vor einem (von ihm ausgewählten) Publikum Auftritte machen - wie in Florida. Praktisch, wenn Trump weiter eine alternative Wirklichkeit abseits der Medien beschwören möchte.

Als Trump über die Medien spricht, überschlägt sich seine Stimme

Wie schon zuvor in seiner wilden Pressekonferenz am Donnerstag spielte Trump in Florida Pannen seiner Regierung als Erfindungen der "unehrlichen" Medien herunter. Seine Kritik an ihnen bildete den roten Faden seiner Rede, in der sich seine Stimme wiederholt überschlug.

Die Medien "wollen einfach nicht die Wahrheit berichten (...)", erklärte Trump. "Sie sind ein großer Teil des Problems geworden. Sie sind Teil des korrupten Systems. Wir werden nicht zulassen, dass die Fake News uns sagen, was wir zu tun, wie wir zu leben oder woran wir zu glauben haben."

Nach wie vor aber machte Trump selbst überzogene oder falsche Behauptungen. Die Niederlage der Demokraten bei der Wahl 2016 nannte er die "größte Niederlage in der Geschichte des Landes."

Dabei erhielt Trumps Rivalin Hillary Clinton in der Wahl sogar über 3 Millionen mehr Stimmen als der Republikaner. Noch nie hat eine Kandidatin die Mehrheitswahl mit einem solchen Abstand gewonnen - die Wahl selbst aber wegen der Wahlmänner stimmen verloren.

Außerdem sagte er, das US-Unternehmen Intel würde dank ihm viel Geld in eine Fabrik in Arizona investieren und 3.000 Jobs schaffen - dabei hatte das Unternehmen das bereits 2011 unter US-Präsident Barack Obama angekündigt, wie die britische Tageszeitung "The Guardian" berichtet.

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Seine Anhänger jubelten ihm bei seiner Schimpf-Tirade auf die Medien zu, auch sie sind wütend auf die Presse und das "korrupte System". Und Trump sucht die Bestätigung.

Kürzlich verschickte sein Team eine E-Mail-Umfrage an die Anhänger des Präsidenten. Die Fragen hatten dabei so suggestiven Charakter, dass die Antworten eigentlich schon bekannt sind.

"Bei welchen Themen machen die Medien den schlechtesten Jobs, die Republikaner darzustellen?", lautet etwa eine Frage. Ob die Medien einen schlechten Job machen, ist da gar nicht mehr zur Diskussion gestellt. Da die Umfrage nur an Trump-Anhänger geht, werden die Antworten den US-Präsidenten nur weiter in seinen Annahmen bestätigen: Die Medien tricksen, lügen und täuschen.

Trumps Kreuzzug gegen die Presse geht sogar so weit, dass ein Sprecher des Republikaner-nahen CNN-Konkurrenten Fox News mittlerweile auf Distanz zum US-Präsidenten gegangen ist. Es sei "absolut verrückt", was von Trump Tag für Tag zu sehen sei, sagte Shepard Smith am Donnerstag in seiner Sendung.

"Ihre Opposition wird gehackt und die Russen sind dafür verantwortlich, und Ihre Leute haben am selben Tag, als das passiert, mit Russland telefoniert, und wir sind Deppen, weil wir Fragen stellen?", sagte Smith in die Kamera. "Nein, Sir, wir sind keine Deppen, weil wir diese Fragen stellen". Trump schulde den Amerikanern eine Antwort.

"So beginnen Diktatoren"

Bereits zuvor hatte Trump via Twitter über die Berichterstattung zur Pressekonferenz vom Donnerstag gewettert. Die "Fake news media" seien nicht "mein Feind, sie sind der Feind des amerikanischen Volkes", schrieb er.

Kritik an diesem Tweet kam sogar aus den eigenen Reihen. Mit solchen Äußerungen hätten "Diktatoren angefangen", sagte der prominente republikanische Senator John McCain dem Sender NBC News:

"Wenn man sich die Geschichte anschaut, dann haben Diktatoren als erstes die Presse mundtot gemacht. Ich sage nicht, dass Präsident Trump versucht, ein Diktator zu sein. Ich sage nur, dass wir aus der Geschichte lernen müssen."

Mit Material von AP und dpa.

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