Anne Will muss Altmaier und Wagenknecht trennen: "Das ist hirnrissig"

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Ein Gutes hat die Präsidentschaft Donald Trumps - sie belebt deutsche Polit-Talkshows. In Anne Wills gestriger Sendung mit dem Titel "Nach der Münchner Sicherheitskonferenz – Sind Trumps USA noch ein verlässlicher Partner?" ging es hoch her (siehe auch Video oben).

Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU) und Linken-Politikern Sahra Wagenknecht fielen sich immer wieder ins Wort. Die Linke sieht in Trumps Amerika keinen verlässlichen Partner mehr. Die USA hätte durch ihre Interventionen im Nahen Osten die Flüchtlingskrise ausgelöst und würden das Verhältnis zu Russland eskalieren lassen.

"Was die USA schon lange außenpolitisch machen, ist ganz klar gegen europäische Interessen." Europa dürfe sich nicht mehr in Kriege der USA hineinziehen lassen. Selten bei "Anne Will": Das Publikum spendete der Linken-Politikerin stürmischen Applaus.

Anne Will: "Ich setze mich jetzt durch!"

CDU-Politiker Peter Altmaier warf Wagenknecht prompt "Anti-Amerikanismus“ vor. "Wir müssen die Werte, die amerikanische Gis uns nach dem Krieg erklärt haben, die die besten der Welt sind, in den Mittelpunkt der atlantischen Beziehungen stellen.“

Altmaier und Wagenknecht redeten aufeinander ein, bis die Moderatorin die beiden trennen musste, wie streitende Kinder: "Ich setze mich jetzt durch!"

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Nato-Gegnerin Wagenknecht sprach sich klar gegen die von den USA geforderten Mehrausgaben für das Militär aus. "Ich halte diese ganze Aufrüstungsdebatte für völlig kaputt", sagte sie. Es würde geredet, "als hätte die Nato nur in Yogamatten und Wellness investiert".

Bernd Ulrich: "Europäer leben im Dauerschlaf"

Die Nato-Staaten würden 900 Milliarden für Rüstung ausgeben, Russland dagegen nur 66 Milliarden, Russland und China zusammen weniger als 300 Milliarden. Wenn sie von europäischen Interessen rede, dann nicht von den "Interessen der Rüstungslobbyisten". Auch das kommt an beim Publikum.

Immer wieder in die Wolle kriegte sich auch der Vize-Chefredakteur der "Zeit", Bernd Ulrich, mit John Kornblum, der von 1997 bis 2001 US-Botschafter in Deutschland war. Ulrich malte ein düsteres Bild von Trumps Präsidentschaft. "Das ist ein Mann, von dem man nicht weiß, ob er die Demokratie anerkennt oder ob er sie abschaffen will. Oder ob er sie aus Versehen abschafft."

Kornblum winkte ab: Die USA seien durchaus "ein verlässlicher Partner". Man habe schon "mehrere solche Phasen erlebt", zum Beispiel während der Amtszeiten von Nixon und Reagan. Allerdings lebten die Europäer "seit mehreren Jahrzehnten in einem Dauerschlaf".

Statt Anti-Amerikanismus zu zeigen, "wenn die Amerikaner ein bisschen was Komisches machen", sollten Europa seinen politischen Einfluss wahrnehmen. Hier, sagte er, sei er "völlig auf der Seite von Frau Wagenknecht". Kornblum und Wagenknecht - ein überraschendes Bündnis.

Panikmache ist "typisch deutsch"

Klaus Scharioth, der von 2006 bis 2011 deutscher Botschafter in den USA war, konnte Kornblums entspannte Einstellung gegenüber der neuen US-Regierung nicht nachvollziehen. Er sprach von zwei Lagern, die derzeit auf Trump einredeten - eine gemäßigte Fraktion um Außenminister Rex Tillerson und eine radikale Gruppe um Trumps Chefberater Stephen Bannon.

Trump stelle die "Werte der Aufklärung" in Frage. Das Bannon-Lager wolle eine "Zerstörung des multilateralen Systems", zu dem die Nato gehöre. Kornblum winkte müde ab. Diese Panikmache sei "typisch deutsch".

"Zeit"-Vize Ulrich wies darauf hin, dass inzwischen sogar der Republikaner John McCain als Stimme der Vernunft in Washington wahrgenommen werde - ein Mann, der die Evolutionstheorie ablehne und Waffenlieferungen an die Ukraine befürworte.

Wenn es nach jemandem wie McCain ginge, "stünden wir schon in einem europäischen Krieg". Ulrich schien also schon den nächsten großen Konflikt auf uns zukommen zu sehen. Typisch deutsch eben.

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(jg)

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