POLITIK
19/02/2017 18:39 CET | Aktualisiert 19/02/2017 19:16 CET

Der Auftritt von Gene Huber zeigt, wie das System Trump funktioniert

We the people
Der Auftritt dieses Mannes zeigt, wie das System Trump funktioniert

Der Mann keucht, fasst sich ans Herz. Vor körperlicher Anstrengung? Vor Aufregung? Vor Ergriffenheit?

Er ist eben von US-Präsident Donald Trump auserkoren worden, zu ihm auf die Bühne in Melbourne in Florida zu kommen, vor die jubelnde Menge, 9000 Leute etwa. Trump sagt, er habe den Mann erkannt, der so Tolles gesagt habe in einem TV-Interview.

„Lasst ihn rauf, lasst ihn rauf! Ich mache mir wegen ihm keine Sorgen“, hat Trump den Secret Service angewiesen. „Ich mache mir nur Sorgen, dass er mir einen Kuss geben könnte“, hat Trump gesagt. Und dass der Mann, der ja so fit aussehe, einfach über den Absperrzaun zu ihm hüpfen solle.

Nun also steht der Mann da neben Trump, in seinem Trump-Fan-T-Shirt – und drückt seien Kopf kurz an die Brust des Präsidenten. Kusslos, ergriffen.

„This guuuuuy“, wie Trump den Mann nennt, der übrigens Gene Huber heißt, darf dann der Menge etwas sagen.

Huber atmet tief. Der Zuschauer erwartet Bedeutungsschwangeres.

Und Hubert sagt ... dass es dieser Bewegung hier zu verdanken sei, dass Trump nun vor ihnen stehe ... Er greift sich an den Kopf, fassungslos, um dann zu sagen ... dass Trump im Wahlkampf gesagt habe, was er alles für die Menschen tun wolle. Und dass er, Huber, gewusst habe, dass Trump genau das auch tun werde.

Das System Trump

Der Auftritt wirkt grotesk, überzeichnet, als sei er einer Satire entnommen. Und sagt sehr viel aus. Er zeigt, wie das System Trump funktioniert.

Es geht nicht um Inhalte, Huber bringt keinen einzigen konkreten Verdienst Trumps zusammen.

Es geht um Emotion, um die Hoffnung, dass Trump tun wird, was er verspricht.

Es geht um Personenkult. Denn Huber darf nicht auf die Bühne, weil er irgendetwas für die Gesellschaft getan hat, sondern weil er ein glühender Anhänger Trumps ist. Ein fanatischer Anhänger. Wie extrem, das zeigt ein CNN-Interview mit Huber nach dem Auftritt.

Die Moderatorin will von Huber wissen, was ihn an Trump so anspricht.

Und wieder ringt Huber nach Worten, es ist offensichtlich schwer für ihn, sein Überwältigtsein in Worte zu kleiden. Und dann sagt er ... dass es Trumps Art zu reden sei ... die Wahrheit, die aus dessen Worten spreche ... es komme von Herzen ... Trump habe ihm alles, aber auch alles beigebracht, denn er, Huber, habe noch nie etwas mit Politik zu tun gehabt.

Gespräche mit der Papp-Figur

Und Huber sagt: „Ich habe eine 1,80 Meter hohe Trump-Pappfigur zu Hause und grüße sie jeden Tag. Ich sage: ‚Mr. President, ich bete heute für Ihre Sicherheit.’“

Das Beweisfoto ist öffentlich, Huber verwendet es als Profilbild auf Twitter:

Während des Gesprächs mit Huber versucht die CNN-Moderatorin krampfhaft, neutral dreinzuschauen. Und dennoch entgleisen ihr die Gesichtszüge.

Keine gemeinsame Basis

Auch dieses Interview erklärt viel. Es zeigt den Graben, der Trump-Anhänger wie Huber und Gegner wie den Sender CNN trennt.

Wertsysteme kollidieren, beide sprechen, keiner versteht den anderen.

Die eine Seite fragt nach konkreten Inhalten, nach Erfolgen. Versucht, dem Phänomen Trump mit Logik beizukommen. Sucht nach rationalen Gründen für die Unterstützung eines Politikers.

Die andere Seite antwortet mit Gefühlen. Mit einer Erzählung über Fürbitten für jemanden, wie man sie sonst für einen Partner vor Gott bringt. Es kommt dieser Seite nicht in den Sinn, das Zwiegespräch mit einem Pappkameraden als etwas Peinliches zu empfinden, wie es offenbar die Moderatorin sieht.

Es liegt also viel, unglaublich viel Arbeit vor den Amerikanern. Weil sie nicht nur klären müssen, was sie konkret machen wollen. Sondern auf welcher Basis sie überhaupt miteinander sprechen wollen. An welchem Maßstab sie das Konkrete messen wollen.

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