"Feinde des amerikanischen Volkes": Trump attackiert die Medien in beispiellosen Worten

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DONALD TRUMP
„Feinde des amerikanischen Volkes": Trump attackiert die Medien in beispiellosen Worten | Kevin Lamarque / Reuters
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  • Donald Trump hat die Medien erneut beschimpft
  • Seine Wortwahl erinnert Beobachter an den Faschismus

Verbalausfälle gegen die Presse gehören inzwischen zur täglichen Routine des US-Präsidenten Donald Trump. Er muss extreme Register ziehen, wenn seine Tiraden noch auffallen sollen.

Nun, genau das hat er am Freitagabend getan. Er schrieb:

"Die Fake-News-Medien New York Times, NBC News, ABS, CBS und CNN sind nicht nur meine Feinde, sondern sie sind die Feinde des amerikanischen Volkes!"

In einer ersten und wieder gelöschten Version des Tweets hatte er ABS und CBS noch nicht wörtlich erwähnt, sondern nur von "vielen" Medien geschrieben. Doch offenbar war ihm diese Präzisierung wichtig.

Journalisten sind schockiert

Der Tweet schockierte selbst konservative Journalisten. Stephen Hayes, Chefredakteur von "The Weekly Standard" und Autor von Fox News twitterte, es sei nicht nur unangemessen, die Medien so zu nennen. "Es ist unamerikanisch."

Annie Linksey, Korrespondentin des "Boston Globe", erinnerte daran, dass das Weiße Haus noch vor wenigen Tagen die Presse als "Opposition" bezeichnet hatte. Jetzt als "Feind". Sie fragt: "Was kommt morgen?"

TV-Moderator Christopher Hayes merkte ironisch an: "Mann, das klingt wirklich kein bisschen faschistisch".

Er vermutet, dass Trump derart um sich schlägt, weil er wie wohl noch kein Präsident zuvor von den Medien geliebt werden wolle. Aber eben nicht wird.

Der Chef von NBC-News, Michael Beschloss, fühlt sich an den früheren US-Präsidenten Richard Nixon erinnert, dieser habe zur Zeit des Watergate-Skandals zu seinem Sicherheitsberater Henry Kissinger gesagt: "Die Presse ist der Feind, das Establishment ist der Feind, die Professoren sind der Feind.“

Man weiß, wie Nixons Karriere endete.

Wer nicht für Trump ist, ist gegen ihn

Trump hatte erst in dieser Woche in einer Pressekonferenz, in der es eigentlich vorrangig um eine wichtige Personalie gehen sollte, die Medien attackiert. Er bezichtigte sie der Lüge, log aber selbst erwiesenermaßen in der Konferenz.

Es kann schon sehr lange keine Rede mehr von einer Entgleisung des US-Präsidenten sein. Seine Attacken haben Methode.

Wer nicht für ihn ist, ist gegen ihn. Wer Fakten präsentiert, die ihm nicht gefallen, lügt.

Paradox dabei ist, dass er einerseits keinen Wert auf Wahrheit legt, indem er erwiesenermaßen falsche Informationen als "alternative Fakten" verbreitet. Und gleichzeitig den Wert der Wahrheit betont, indem er andere der Lüge bezichtigt.

Eigentlich kann man einen Mann, der solches von sich gibt, nicht ernst nehmen. Das Schlimme ist nur: Die Lage dafür ist viel zu ernst.

(ll)

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