POLITIK
18/02/2017 10:21 CET | Aktualisiert 18/02/2017 12:01 CET

Sicherheitskonferenz in München: Merkel beschwört internationale Zusammenarbeit

Michael Dalder / Reuters
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  • In ihrer Rede auf der Sicherheitskonferenz hat Merkel zu internationalem Zusammenhalt aufgerufen

  • Wegen der Vehemenz dieses Appells erntete sich auch Spott

  • Sie selbst allerdings erlaubte sich auf der Bühne einen Seitenhieb gegen Seehofer

Es ist zwar selten. Aber Wirklichkeit an diesem Samstag:

Die Welt hat mit Spannung auf eine Rede von Angela Merkel (CDU) gewartet.

Die Bundeskanzlerin sprach am Samstagmorgen vor der Sicherheitskonferenz in München. Und trifft danach zum ersten Mal auf US-Vizepräsident Mike Pence, geplant war ein Gespräch hinter verschlossenen Türen.

Heftige Kritik an den USA

Deutschland hatte die neue US-Regierung am Freitag so deutlich wie nie kritisiert und ein klares Bekenntnis zu westlichen Werten eingefordert. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hatte die USA zum Auftakt der Konferenz vor "Alleingängen" in der Außenpolitik gewarnt, Merkel hatte daran erinnert, dass die Stärke der USA durch die Nato gewachsen sei.

Nun also hat Merkel gesprochen. Und sagt Sätze wie: "Ich bin der festen Überzeugung, es lohnt sich, für die gemeinsamen multilateralen Strukturen zu kämpfen." Kein Staat könne die Herausforderungen der Welt alleine bewältigen. "Lassen Sie uns gemeinsam die Welt besser machen, dann wird es auch für jeden Einzelnen von uns besser."

Außerdem betonte Merkel, wie sehr Europa ohne die USA im Anti-Terror-Kampf überfordert wäre. Ihr sei aber genauso wichtig, dass bestimmte islamische Staaten miteinbezogen werden in diesen Kampf. Es müsse klar sein, dass nicht der Islam Ursache des Terrors sei, sondern ein fehlgeleiteter Islam.

Gefrotzel über Merkels Rede

Es sind wichtige Sätze, richtige, zweifellos.

Und lösten dennoch einiges Gefrotzel aus. Der Grünen-Politiker Omid Nouripour twitterte, Merkel habe schon in den ersten 30 Sekunden ihrer Rede 7263837272 Mal "zusammen" und "Multilateralismus" gesagt.

Das klingt nicht gerade nach Spannung. Aber es ist allgemein anerkannt, dass der Mensch Dinge sehr oft hören und üben muss, bis er sie behalten kann. Sollte US-Präsident Donald Trump der Rede gelauscht haben, kann man nur hoffen, dass er es bei der 7263837271. Wiederholung verstanden hat.

Selbst der mächtige US-Senator John McCain hatte in München gesagt, die US-Regierung sei unsortiert und Trump widerspreche sich häufiger selbst. McCain warb für die transatlantische Zusammenarbeit und sagte: "Ich glaube mit Stolz an den Westen."

Man muss dieser Tage den Namen Trump nicht mehr in den Mund nehmen, um zu wissen, auf wen sich derartige Aussagen beziehen.

Merkel will gute Beziehungen zu Russland

Auch in den anderen großen außenpolitischen Themen warb Merkel für Einigkeit. Noch gebe es kein stabiles und dauerhaft gutes Verhältnis zu Russland, sagte Merkel, Russland sei aber ein Nachbar der Europäischen Union. Deshalb werde sie nicht nachlassen, "dafür zu werben, dass wir zu Russland ein gutes Verhältnis hinbekommen" - trotz unterschiedlicher Auffassungen in vielen Fragen. Beim Kampf gegen den islamistischen Terror etwa habe man "genau die gleichen Interessen".

Trotzdem fand Merkel Zeit, auf internationaler Bühne einen kleinen Seitenhieb auf CSU-Chef Horst Seehofer loszuwerden. Merkel sagte, auch Seehofer werde die Gäste noch begrüßen, "weil Bayern etwas ganz Spezielles in Deutschland ist".

Merkel, die sonst eher für hölzerne Reden steht, erntete Gelächter. Sie und Seehofer liegen seit Langem im Clinch.

Selbst bei der als Versöhnung inszenierten Nominierung Merkels auch zur Kanzlerkandidatin der CSU hatte Seehofer Merkel vorgeführt. Jetzt allerdings, da es um die ganz große Politik geht, konnte Merkel Seehofer eins mitgeben. Ausgerechnet in "seinem Territorium", in München.

Mit Material von dpa

(ll)

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