POLITIK
18/02/2017 08:44 CET | Aktualisiert 18/02/2017 15:21 CET

Ministerin Hendricks verbietet ihren Mitarbeitern, Gästen Fleisch zu servieren

  • Das Bundesumweltministerium lässt Gästen nur vegetarisches Essen servieren

  • Landwirtschaftsminister Schmidt kritisiert die Anordnung

  • Die wichtigsten Infos des Textes seht ihr auch im Video oben

Bundesumweltmi­nis­te­rin Bar­ba­ra Hend­ricks (SPD) hat anordnen lassen, dass Gästen ihres Hauses bei offiziellen Veranstaltungen kein Fisch oder Fleisch mehr serviert wird. Das berichtet die "Bild"-Zeitung am Samstag.

Ihr Staats­se­kre­tär Jo­chen Flas­barth habe eine E-Mail an die Verantwortlichen im Haus geschickt, laut der seit Ende Januar gelte: "Dienst­leis­ter/Ca­te­rer, die Ver­an­stal­tun­gen des BMUB be­lie­fern, (…) ver­wen­den weder Fisch oder Fisch­pro­duk­te noch Fleisch oder aus Fleisch her­ge­stell­te Pro­duk­te."

Au­ßer­dem sol­len "nur Pro­duk­te aus öko­lo­gi­schem Land­bau", "sai­so­na­le und re­gio­na­le Le­bens­mit­tel mit kur­zen Trans­port­we­gen" und be­vor­zugt "Pro­duk­te aus fai­rem Han­del" ver­wen­det wer­den.

Ministerin Hendricks will Vorbild sein

Die Vorschrift werde mit der "Vor­bild­funk­ti­on" des Mi­nis­te­ri­ums beim Kampf gegen die ne­ga­ti­ven "Aus­wir­kun­gen des Kon­sums von Fleisch" begründet. Bei der Aufzucht von Tieren entsteht viel klimaschädliches Gas, außerdem ist die weit verbreitete Massentierhaltung umstritten.

Kritik vom Landwirtschaftsminister

Bundeslandwirtschafts­mi­nis­ter Chris­ti­an Schmidt (CSU), der immer wieder mit Hendricks aneinandergerät, kritisierte die Anordnung in der "Bild"-Zeitung als "Veggie-Day durch die Hintertür". Er spielte damit auf einen krachend gescheiterten Vorstoß der Grünen an. Sie hatten 2014 einen fleischfreien Donnerstag in Kantinen gefordert.

Schmidt sagte der Zeitung, er setze auf Wahlfreiheit statt Ideologie. Fleisch und Fisch gehörten zu einer ausgewogenen Ernährung.

Ein Sprecher des Umweltministeriums reagierte am Samstag auf den Bericht. Als Gastgeber entscheide das Ministerium "selbstverständlich, was auf den Tisch kommt – so wie jeder Gastgeber das tut. Niemand wird bevormundet, wenn er als Gast mit Speisen bewirtet wird, die der Gastgeber für ihn ausgewählt hat – egal, ob mit Fleisch oder ohne."

Das Ministerium werde bei der Bewirtung seiner Gäste "immer den Maßstab von Gastfreundlichkeit wahren – und bezüglich des Essens darauf achten, dass es unseren Gästen schmeckt".

Es werde auch Ausnahmen vom vegetarischen Catering geben. "Wenn wir demnächst in der Wahner Heide bei Köln den großen Erfolg des Naturschutzprojekts Nationales Naturerbe feiern, wird es dort ganz zünftig zugehen – Wildfleisch inbegriffen."

UPDATE 15.20 Uhr: Der Text wurde um die Stellungnahme des Ministeriums ergänzt.

(ll)