"Alles frei erfunden" - die "Bild" blamiert sich mit falschen Informationen über Falco

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FALCO
"Alles frei erfunden" - die "Bild" blamiert sich mit Fake News über Falco | Getty / Screenshot / Bild
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Die "Bild" hat Großes vor: Sie will "das ehrlichste Medium Deutschlands" sein. Das sei sein Anspruch, verkündete der neue Vorsitzende der "Bild"-Chefredaktionen, Julian Reichelt, kürzlich im "Tagesspiegel".

Auf diesem Weg kommt die Zeitung wirklich sehr gut voran: mit einer Reihe an falschen Informationen.

In der vergangenen Woche verbreitete die Zeitung "die Wahrheit über Falcos Tod", oder, um genau zu zitieren: "die ganze Wahrheit über Falcos Tod".

Falco, genau, das ist der Popstar aus Österreich, der seit 19 Jahren tot ist. Aber nur weil jemand seit 19 Jahren tot ist, heißt das ja nicht, dass er der "Bild" nicht trotzdem noch eine Schlagzeile liefern könnte. Falco starb, als er von einem Parkplatz auf eine Straße fuhr und ein Bus in sein Auto krachte. Die Obduktion ergab: Der Star hatte 1,5 Promille Alkohol, Kokain und Marihuana im Blut.

Es liegt nahe, da einen Zusammenhang zu sehen.

Kein Zitat aus der Dokumentation stimmt

Die Investigativ-Journalisten der "Bild" wollten der Sache aber noch einmal genauer auf den Grund gehen - gut so, so gehört sich das.

Also haben sie sich eine Dokumentation über Falco angesehen. Oh, wir wollen hier keine Fake News verbreiten: Sie haben sich keine Dokumentation über Falco angesehen, sie haben den Artikel nur so geschrieben, dass alle glaubten, sie hätten eine gesehen.

Sie schrieben also über die Kabel-1-Doku "Falco-Die ultimative Doku zum 60. Geburtstag": Hans Reinisch, Falcos Manager - die Info muss stimmen, steht auch so bei Wikipedia - sage, dass Falco "hoffnungslos verliebt" gewesen sei, und zwar in die Dorf-Schönheit Selina.

Selinas Vater, der Bürgermeister des Dorfes, habe allerdings etwas gegen die Beziehung gehabt und den Kontakt verboten. Falcos wilde Vergangenheit habe ihm nicht gefallen. Selina trennte sich - und das habe Falco das Herz gebrochen.

Tatsache ist aber: In der Dokumentation, wie dem medienkritischen Portal "Meedia" als erstes aufgefallen ist, sagt Reinisch nichts von all den Dingen, die er laut "Bild" von sich gab.

Falcos Manager: "Das ist ein Werk der Phantastik"

„Alles, was in der Bild und den anderen Medien gestanden hat, ist frei erfunden“, sagte Reinisch laut "Meedia". Dass Selinas Vater die Beziehung zu Falco wegen dessen Vergangenheit verboten habe, sei zum Beispiel "Blödsinn, der Vater war zu dem Zeitpunkt schon tot".

Auch sei Reinisch nie Falcos Manager gewesen, wie ihn die "Bild" bezeichnet. Falcos tatsächlicher Manager war Horst Bork. Dieser bezeichnet den Artikel als "ein Werk der Phantastik".

Nicht einmal das Foto in dem "Bild"- Artikel ergibt laut "Meedia" Sinn. Die "Bild" zeigt ein Foto, auf dem angeblich Selina zu sehen ist. Doch leider handelt es sich dabei laut "Meedia" lediglich um eine Schauspielerin, die Selina gespielt hat. Kann man aber auch nicht wissen, wenn man sich die Dokumentation nicht angesehen hat.

Die "Bild" entschuldigte die Fake News auf Anfrage von "Meedia" damit, dass man für den Text mit dem Regisseur gesprochen habe und dieser die Zitate aus der Dokumentation falsch wiedergegeben habe - trotz schriftlicher Autorisierung.

Wenn das so ist, ist das natürlich blöd gelaufen. Ehrlich. Auch mit dem Versuch, das "ehrlichste Medium Deutschlands" zu sein.

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