Volker Kauder attackiert Martin Schulz - und vergreift sich massiv im Ton

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VOLKER KAUDER
Volker Kauder attackiert Martin Schulz - und vergreift sich massiv im Ton | Kai Pfaffenbach / Reuters
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  • Unions-Fraktionsvorsitzender Volker Kauder sieht die Kandidatur von Martin Schulz sehr kritisch
  • Im Interview mit dem "Focus" ging Kauder mit seiner Kritik aber weit, zu weit vielleicht
  • Schulz vertrete in Europa Europa "nicht zuerst die Interessen Deutschlands", so Kauder

Niemand muss es gut finden, dass Martin Schulz als Kanzlerkandidat für die SPD ins Rennen geht.

Volker Kauder, Vorsitzender der Unionsfraktion im Bundestag, darf das sogar nicht gut finden, ganz offiziell. Schließlich gehört es zu seinem Job, einen Mann kritisch zu sehen, der der politischen Konkurrenz Traum-Umfragewerte beschert.

Insofern ist es vollkommen nachvollziehbar, wenn Kauder im Interview mit dem Nachrichtenmagazin "Focus" sagt, seine Chefin, Kanzlerin Angela Merkel, sei am besten von allen Bewerbern geeignet, "deutsche Interessen in Europa und der übrigen Welt erfolgreich zu vertreten“.

Dick aufgetragen

Aber niemand muss sich wegen Schulz' Kandidatur im Ton vergreifen.

Volker Kauder sollte das ganz besonders bleiben lassen, als Mann der ersten Reihe, als einer, der den politischen Ton in einer höchst sensiblen Zeit prägt.

Kauder aber hat in dem Interview in einer Weise gegen Schulz gekeilt, die grenzwertig ist. Er sagte:

„Ein Mann wie Herr Schulz, der im Grunde seines Herzens Schulden vergemeinschaften will, vertritt nicht die Interessen Deutschlands." Und: „Jemand, der auch in Europa nicht zuerst die Interessen Deutschlands vertritt, kann nicht deutscher Bundeskanzler werden.“

Schulz wolle, dass Deutschland die Schulden anderer bezahle, das sei „untragbar, auch wenn man für Europa ist“.

Das ist dick aufgetragen. Nicht nur in der Wortwahl, auch inhaltlich. Denn Schulz war Präsident des EU-Parlaments. Es war sein Job, für den Zusammenhalt der EU zu sorgen, auch im Interesse Deutschlands.

Und jetzt sollte der überzeugte Europäer Schulz auf einmal schreien "Germany first"? Das wäre doch sehr fragwürdig. Menschlich wie politisch.

Aus Erfahrung zurückhaltend

Kauder kritisierte außerdem, dass Schulz noch wenig konkret geworden ist, was das Programm der SPD für die Bundestagswahl angeht. Schulz sei zurzeit „eher abgetaucht“ und wolle sich „lieber aus der Gestaltung der aktuellen Politik raushalten“, sagte Kauder. „Das ist auch kein Wunder für einen Mann ohne jede praktische Regierungserfahrung.“

Man darf davon ausgehen, dass Schulz sich genau deswegen mit Konkretem zurückhält, weil er weiß, wie der Politikbetrieb läuft.

Es wäre aus seiner Warte dumm, das Hoch der SPD jetzt aufs Spiel zu setzen, in dem er Vorschläge präsentiert, die die Wählerschaft polarisieren. Das kann er immer noch machen, wenn er neue Schlagzeilen braucht, wenn die SPD ihr Wahlprogramm vorstellen muss.

Jetzt mit Vorschlägen vorzupreschen, die er zuvor nicht ausreichend innerhalb der Partei abgestimmt hat, wäre sogar töricht. Zumal Noch-SPD-Chef Sigmar Gabriel seine Partei bei Schulz' Kandidatur ohnehin kaum einbezogen hat.

Die CDU muss aufpassen, dass sie den Bogen nicht überspannt

Niemand muss diese Zurückhaltung Schulz' gut finden, viele haben sie schon kritisiert.

Volker Kauder muss sie sogar anprangern, gerade weil sie klug ist. Aber so durchschaubar und aggressiv, wie er es angeht, tut er seiner Partei keinen Gefallen.

(jg)

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