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17/02/2017 14:58 CET | Aktualisiert 17/02/2017 22:14 CET

"Man muss besoffen sein, um den US-Präsident zu verstehen" - russische Medien verlieren die Geduld mit Trump

The Washington Post via Getty Images
"Man muss besoffen sein, um den US-Präsident zu verstehen" - russische Medien verlieren die Geduld mit Trump

  • Das Verhältnis von Donald Trump zu Wladimir Putin kühlt sich ab

  • Aus diesem Grund schwenkt nun auch die russische Presse um

  • Lange hatte sie eine enge Partnerschaft der beiden Staaten herbeigeschrieben

Donald Trumps Beziehung zum russischen Präsidenten Wladimir Putin kühlt merklich ab. Bereits die Aufforderung des US-Präsidenten, die von Russland annektierte Krim zurückzugeben, kam aus Moskauer Sicht einem Affront gleich.

Nach dem Rücktritt von Sicherheitsberater Michael Flynn und Trumps denkwürdiger Pressekonferenz - einer 77-minütigen Schimpftirade - sind sich nun auch die russischen Medien sicher: Der Traum von Einigkeit und Partnerschaft ist aus.

Das ist bemerkenswert. Denn noch im Januar war Trump in russischen Medien häufiger erwähnt worden als Putin. Nach dem Telefonat der beiden Staatschefs Anfang Februar frohlockte die Zeitung "Kommersant": "Das Tandem Wladimir Putin und Donald Trump wird zum neuen Faktor der Weltpolitik."

Doch diese Sichtweise ist jetzt aus der staatsnahen russischen Presse verschwunden.

Paradigmenwechsel im russischen Blätterwald

Ein Paradebeispiel für den derzeitigen Paradigmenwechsel ist die "Komsomolskaja Prawda", Russlands auflagenstärkste Tageszeitung. Das kremltreue Massenblatt war bis dato ein Unterstützer Trumps. In ihrer Freitagsausgabe kritisiert die Zeitung insbesondere Putins widersprüchliche Aussagen zur Nato.

"Man muss besoffen sein, um die wirkliche Position des US-Präsidenten zu verstehen", so die "Komsomolskaja Prawda" in Anlehnung an ein russisches Sprichwort.

Auch bei der zweitgrößten Zeitung des Landes, der "Moskowski Komsomolez", hat sich die Stimmung gedreht. Am Freitag heißt es in der Boulevardzeitung: "Alles im Weißen Haus ist vermischt". Das Blatt fragt vorsichtig, ob Trump seine Absichten zur Verbesserungen der Beziehungen zu Russland geändert hat.

Weitaus pessimistischer blickt "Wedomosti" auf das Verhältnis der beiden Länder. Es sei schwer zu glauben, dass überhaupt eine Chance der Annäherung bestand. Auch stellt die Zeitung in Frage, dass man auf den Sieg Trumps angestoßen habe.

Anweisungen aus dem Kreml?

Woher kommt dieser einhellige Schwenk der staatsnahen Medien? Laut "Bloomberg" sei die Anweisung dafür direkt aus dem Kreml gekommen. Denn bei führenden russischen Funktionären würden derzeit die Bedenken steigen, dass Tumps Regierung doch "weniger freundlich als zuerst gedacht" sei.

Diese Befürchtung spiegelt sich auch in einem Artikel der "Nesawissimaja Gaseta" wieder. Dort heißt es: "Die exzessive Trump-Liebe und die Aussicht auf eine große Übereinkunft könnten dem Kreml einen Bärendienst erweisen. Denn wenn solch ein Deal aufgrund der überhöhten Erwartungen nicht zustande kommt, könnte das zu beiderseitigen Enttäuschungen und Verhärtung der Positionen führen."

Doch soweit dürfte es schon längst gekommen sein.

(lp)

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