Dieser EZB-Plan könnte Deutschland teuer zu stehen kommen

Veröffentlicht: Aktualisiert:
DRAGHI
EZB-Chef Mario Draghi arbeitet an einem Plan, der für die deutschen Steuerzahler teuer werden könnte | Yves Herman / Reuters
Drucken
  • Die Europäische Zentralbank könnte einen drastischen Kurswechsel bei den Anleihenkäufen vollziehen
  • In Zukunft könnte die Notenbank mehr Anleihen aus kriselnden EU-Staaten kaufen als bisher
  • Das ginge zulasten der Bundesrepublik - deutsche Steuerzahler müssten für Risiken anderer Staaten haften

Die Europäische Zentralbank (EZB) plant einen Tabubruch in der europäischen Geldpolitik - und der könnte für die Bundesrepublik und die deutschen Steuerzahler sehr teuer werden.

Die "Welt" berichtet in Bezug auf Sitzungsprotokolle der EZB-Ratsmitglieder, dass die Banker gravierende Änderungen des billionenschweren Anleihenkaufprogramms auf den Weg bringen wollen. In Zukunft könnten die Notenbanker mehr italienische und spanische Titel kaufen - und weniger deutsche Bundesanleihen, berichtet die "Welt".

Konkret hieße das: Der Anleihenkauf der EZB würde zugunsten der Peripherieländer und zulasten Deutschlands umgebaut.

Bisher waren Anleihenkäufe an Größe der Volkswirtschaften gekoppelt

Die Anleihenkäufe der EZB sind derzeit an die Größe der europäischen Volkswirtschaften gebunden. Deutsche Staatsanleihen werden deshalb am meisten gekauft. Insgesamt lässt die Zentralbank jeden Monat Anleihen im Wert von fast 80 Milliarden Euro von den nationalen Notenbanken aufkaufen - ein Viertel davon machen die Bundesanleihen aus.

"Diese Diskussionen unter den EZB-Ratsmitgliedern sind alles in allem gute Nachrichten für die Peripherieländer”, sagte Norbert Aul, Anleiheexperte bei der Schweizer UBS in London, der "Welt".

Es sei das erste Mal, dass die EZB Abweichungen vom bisherigen Kapitalschlüssel einräume. Ganz abgeschafft werden würde dieser aber wohl nie.

Mit der neuen Strategie könnte EZB-Chef Mario Draghi jetzt Ländern wie Italien, die wegen hoher Verschuldung mehr Unterstützung brauchen, den Vorrang geben, so die Zeitung.

Mit Niedrigzinsen und dem Anleihenkaufprogramm verschaffe Draghi verschuldeten Ländern mehr Zeit. Doch nicht alle Staaten hätten die Gelegenheit genutzt, um ihre Finanzen zu sanieren.

EZB-Plan könnte deutsche Steuerzahler belasten

Ein Abschied vom Kapitalschlüssel bei den Anleihenkäufen, wie er nun im Raum steht, hätte insbesondere für Deutschland verheerende Konsequenzen. Politisch instabile Länder könnten künstlich stabil gekauft werden - Risikoaufschläge auf entsprechende Staatsanleihen würden entfallen.

Und das könnte die deutschen Steuerzahler belasten: Zehn Prozent der Risiken bei Anleihenkäufen in EU-Staaten werden von allen Mitgliedern gemeinsam getragen. Bricht die Wirtschaft in Italien, Spanien oder Portugal zusammen und können diese Länder ihre Verpflichtungen nicht mehr ausgleichen, so müsste auch Deutschland dafür haften.

Auch auf HuffPost:

Milliardenschulden bei der EU: Droht jetzt ein Scheitern des Brexit?

(bp)

Korrektur anregen