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16/02/2017 18:24 CET | Aktualisiert 16/02/2017 18:35 CET

Psychiater wollten nie öffentlich über Trump reden - jetzt haben sie ihr Schweigen gebrochen

  • Mehr als 30 Psychiater warnen in der "New York Times" vor Donald Trump

  • Ein anderer Experte verurteilt diesen Vorstoß aus fachlichen Gründen

  • Er findet, Trump als krank zu bezeichnen, beleidige die Kranken

  • Eine Zusammenfassung des Schlagabtauschs seht ihr im Video oben

Eigentlich wollten sie nie etwas über Donald Trump sagen. Weil es gegen ihren Ethik-Kodex verstößt, Ferndiagnosen über Prominente abzugeben.

Doch diese Woche haben 35 Psychiater, Psychologen und Sozialarbeiter in den USA ihr Schweigen gebrochen, in einem offenen Brief an die "New York Times". Unter ihnen sind namhafte Forscher wie Psychiater Lance Dodes, der vor seinem Ruhestand unter anderem an der medizinischen Fakultät der Harvard-Universität lehrte.

"Es steht zu viel auf dem Spiel, um zu schweigen"

"Wir fürchten, dass zu viel auf dem Spiel steht, um noch länger zu schweigen", schreiben sie. Und fällen ein vernichtendes Urteil:

"Herrn Trumps Reden und Handlungen zeugen von Unfähigkeit, eine andere als seine eigene Meinung zu tolerieren, was zu wütenden Reaktionen führt. Seine Worte und sein Verhalten legen eine profunde Unfähigkeit nahe, Empathie zu empfinden.

Individuen mit diesem Charakter verzerren die Realität, um sie ihrem Seelenzustand anzupassen, sie stellen Fakten infrage und jene, die sie verbreiten (Journalisten, Wissenschaftler).

In einer einflussreichen Führungsposition werden diese Angriffe wahrscheinlich stärker, weil sein großartiges Selbstbild bestätigt zu werden scheint.

Wir glauben, dass die gravierende emotionale Instabilität, die sich aus Herrn Trumps Reden und Handlungen ablesen lässt, ihn unfähig macht, das Präsidentenamt sicher auszuüben."

Narzissmus-Experte findet: Trump ist nicht krank

Der Brief hat in der Fachwelt auch Widerspruch ausgelöst. Doch auch da kommt Trump nicht gut weg.

Allen Frances, einer der führenden Narzissmus-Experten der USA, antwortet, ebenfalls in der "New York Times".

Seine These: Trump ist nicht krank, sondern einfach so ein Ekel.

In der Fachwelt wird hierbei zwischen narzisstischer Störung und einem herkömmlichen Narzissten unterschieden. Deshalb schreibt Frances über Trump: "Er mag ein Weltklasse-Narzisst sein, aber das macht ihn noch nicht psychisch krank."

Der Grund ist für Frances offensichtlich: Per Definition müssten Kranke unter ihrer Störung leiden. Im Fall Trumps aber litten vor allem die anderen.

"Vergleich mit Trump beleidigt die Kranken"

Was Trump treibe, sei zu offensichtlich, um psychologisch interessant zu sein. Trumps schlechtes Benehmen in die Nähe einer Krankheit zu rücken, sei der falsche Weg, dessen Attacken auf die Demokratie zu begegnen. Er sei vielmehr wegen seiner Ignoranz, Inkompetenz, Impulsivität und seines diktatorischen Auftretens zu verurteilen.

Und dann steht da noch ein Satz in Frances' Brief, der noch vernichtender ist als alle anderen: "Es ist eine stigmatisierende Beleidigung psychisch Kranker (die sich überwiegend manierlich benehmen und es gut meinen), mit Herrn Trump (der beides nicht tut) in einen Topf geworfen zu werden."

(cho)