POLITIK
15/02/2017 19:03 CET | Aktualisiert 15/02/2017 20:28 CET

Die USA brauchen die Nato so sehr wie lange nicht – das wird Trump jetzt merken

Carlos Barria / Reuters
Die USA brauchen die Nato so sehr wie lange nicht – das merkt jetzt wohl auch Trump

Manchmal wirkt US-Präsident Donald Trump wie ein Klumpen einer weichen, formbaren Masse. Wenn man auf einer Seite draufhaut, beult sich der Klumpen auf der anderen Seite bedrohlich aus.

Genau das war auch in der wieder aufkochenden Debatte um die dubiosen Verbindungen der US-Regierung nach Russland zu beobachten. Als die Medien nach dem Rücktritt des Sicherheitsberaters Michael Flynn zu stark auf Trumps wunden Punkt hämmerten, beulte Trump sich – und blies zu einem unerwarteten Konter.

Er konfrontierte den russischen Präsidenten Wladimir Putin – über seinen Sprecher Sean Spencer – mit der Situation in der Ostukraine und forderte Putin auf, die besetzte Krim an die Ukraine zurückzugeben.

Die Aussagen zeigen nicht nur, dass Trump ein Wendehals ist. Sie beweisen, dass sein ramboesker Konfrontationskurs mit der Welt endgültig begonnen hat. Ein Kurs, auf dem ihn nur einer helfen kann: Die Nato.

Trump sucht Streit mit dem russischen Präsidenten

Am Mittwochmittag twitterte Trump: "Die Krim wurde von Russland zu Zeiten der Obama-Regierung GENOMMEN. War Obama zu weich gegenüber Russland?“

Er konterkarierte damit frühere Aussagen, er werde sich um eine bessere Beziehung zu Russland bemühen, als sie sein Amtsvorgänger geführt habe. Im August vergangenen Jahres hatte Trump noch darauf bestanden, Putin werde ohnehin "nicht in der Ukraine“ gehen. In gewisser Hinsicht ein Blankochef für den russischen Staatschef.

Jetzt die überraschende 180-Grad-Wende: Ein "von 0 auf 100“ in wenigen Stunden, das auch die Diskussion um das Verteidigungsbündnis Nato in eine neue Richtung lenkt.

Nato-Treffen in Brüssel: "Bündnis ist ein fundamentaler Fels"

Bei dem Treffen der Nato-Außenminister in Brüssel verkündete US-Verteidigungsminister James Mattis jetzt, die Nato sei ein "fundamentaler Fels für die USA und die transatlantische Gemeinschaft“.

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US-Verteidigungsminister Mattis und Nato-Generalsekretär Stoltenberg am Mittwoch

Nach "obsolet“, wie Trump die Nato im Interview mit der "Bild“-Zeitung noch vor wenigen Wochen genannt hatte, klingt das längst nicht mehr.

Stattdessen scheint auch das Weißen Haus bemerkt zu haben, wie unerlässlich der Verbund ist, will Trump auch in Zukunft auf Stärke im Umgang mit Russland setzen. Die hinreichende Bedingung der USA auch an diesem Mittwoch: Nato-Verbündete sollen sich stärker finanziell beteiligen.

Von alarmierenden Äußerungen, die Länder an der russischen Grenze, darunter die baltischen Staaten Estland, Litauen und Lettland sowie Polen, hängenzulassen, haben Trump und Mattis Abstand genommen.

Denn ohne die Nato, ohne die Versicherung des US-Präsidenten, weiter für die Verteidigung Europas mitzusorgen, droht diesen Staaten ein ähnliches Szenario wie der Ukraine. Beobachter warnen vor Interventionen im Baltikum, einer Annexion Georgiens und vor Putins Möglichkeit, kritische Teile der Gasversorgung für die Ukraine, oder auch Deutschland, abzuschneiden.

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Auch sie sorgt sich um Putin: Bundesverteidigungsminister Ursula von der Leyen

Trump braucht Nato als Machtinstrument

Eine Eskalation ist nicht ausgeschlossen, auch weil Trump nicht im Ruf steht, über auch nur den kleinsten Funken an diplomatischem Feingefühl zu verfügen. Macht Putin ernst, droht ihm eine noch empfindlichere Schlappe, als sie Obama im Fall der Krim hinnehmen musste. Nach seinem jüngsten Tweet kann sich Trump die nicht erlauben.

Auch im Nahen Osten verfolgt die Trump-Regierung ein Ziel, das im Alleingang kaum zu erreichen sein dürfte: den finalen Sieg über die Terrormiliz Islamischer Staat. Am Mittwoch verkündete Nato- Generalsekretär Jens Stoltenberg, einen Stützpunkt im italienischen Neapel auszubauen, um dort Informationen aus Krisenländern wie Libyen und dem Irak auszuwerten.

Eine Involvierung des Gesamtbündnisses im Kampf gegen den IS könnte Trump seinem zentralen Wahlversprechen ein entscheidendes Stück näher bringen.

Auch wenn Trump dem republikanischen Senator John McCain, der im Januar erklärte, die USA "brauchen die Nato mehr denn je“, wohl noch widersprechen dürfte: Es scheint sich etwas in Bewegung zu setzen.

Vielleicht braucht es nur noch ein paar Schläge aus der richtigen Richtung.

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