Studie: Ältere Mütter haben klügere Kinder - das hat einen verblüffenden Grund

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MUTTER KIND
Je älter die Mutter, desto besser sind die gesundheitlichen und sozialen Bedingungen für das Kind, sagen Wissenschaftler. | Getty Images
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Es gibt viele gute Gründe dafür, in jungen Jahren Mutter zu werden. Die Argumente liegen ja auch quasi auf der Hand: Junge Mütter seien belastbarer, könnten Studium und Muttersein gut kombinieren und die biologische Uhr wäre auch erstmal passé. Das war die bisher gängige Meinung.

Doch nun belegt eine Studie der Max-Planck-Gesellschaft genau das Gegenteil. "Kinder von älteren Müttern sind gesünder, werden größer und erhalten eine bessere Ausbildung als die Kinder von jüngeren Mütter“, heißt es in der Studie der Wissenschaflter Mikko Myrskylä, Direktor am Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock und Kieron Barclay von der London School of Economics.

Die demographischen Nachforschungen der Experten haben ergeben, dass es sich inzwischen auszahlt, später geboren zu werden. Denn sowohl die Gesundheit, als auch die Bildungschancen der Menschen in den Industrieländern verbessern sich von Jahr zu Jahr. Mit direkter Auswirkung auf den Nachwuchs.

Gesundheitsrisiken versus Bildung

Es gibt zahlreichen Untersuchungen, die aufzeigen, dass die Gesundheitsrisiken von Kindern mit dem Alter ihrer Mütter steigen.

Je später eine Frau schwanger ist, desto größer ist die Gefahr, dass ein Kind mit Down-Syndrom geboren wird. Aber auch Krankheiten wie Alzheimer, Diabetes oder Bluthochdruck sollten angeblich die Spätfolgen für Kinder aus einer späten Schwangerschaft sein.

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Late Parenting: "Nicht nur soziale Faktoren sind ausschlaggebend." Credit: Getty Images

All dieser Risiken zum Trotz: Kinder profitieren davon, wenn ihre Mütter sie erst spät bekommen. Laut den beiden Wissenschaftler Myrskylä und Barclay, haben Kinder von Müttern, die bei der Geburt älter als 35 Jahre waren, heutzutage höhere geistige Fähigkeiten als Kinder jüngerer Mütter.

Interessant ist jedoch vor allem der Aspekt, dass dies vor weniger als 40 Jahren noch genau andersherum war. Der Wandel hat aber weder biologische noch medizinische Ursachen: Gleicht man Faktoren wie Bildung und Einkommen zwischen den Altersgruppen an, verschwindet er.

Neuer Trend: "Late Parenting"

In fast allen Industrieländern gibt es inzwischen den Trend, älter Mutter zu werden. Bisher war jedoch unklar, wie sich das sogenannte "Late Parenting" genau auf die Gesundheit der Kinder auswirkt. Denn aus der Perspektive einer einzelnen Mutter bedeutet eine späte Schwangerschaft auch ein späteres Geburtsjahr ihres Kindes.

"Bekommt eine Frau ihr Baby beispielsweise zehn Jahre später, ist dieser Aufschub des Mutterwerdens von einem Jahrzehnt begleitet, in dem sich die gesundheitlichen und sozialen Bedingungen, unter denen das Kind groß wird, verändert haben“, heißt es in einer Meldung der Max-Planck-Gesellschaft für demographische Entwicklung.

Vorteile für Nachzügler: Die letzten werden die ersten sein?

Das Forscherteam um Myrskylä fand heraus, dass die Kinder älterer Mütter "größer waren, bessere Schulleistungen erzielten und mit einer höheren Wahrscheinlichkeit eine Universität besuchten“ als die Kinder jüngerer Mütter.

Diese Ergebnisse trafen selbst auf Mütter zu, die bei der Geburt des Kindes bereits 40 Jahre alt oder älter waren. Nicht nur soziale Faktoren sollen hier ausschlaggebend sein. Die Experten schrieben in ihrer Studie, dass ältere Frauen heutzutage ein höheres Einkommen, feste Jobs und ein stabileres Umfeld hätten, wovon als Folge auch ihre Kinder profitieren.

Laut ihrer Studie sei die geistige Entwicklung von Kindern mit jüngeren Eltern nicht dieselbe, wie bei Kindern mit älteren Eltern. Ebenso untersuchten sie die Faktoren Größe und körperliche Fitness, beides gute Indikatoren für den allgemeinen Gesundheitszustand.

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Die Forscher verglichen den Bildungsgrad und den beruflichen Erfolg älterer Eltern mit dem sozioökonomischen Status jüngerer Eltern.

Dabei stellte sich heraus, dass Kinder, deren Mutter bei der Geburt Anfang 40 gewesen war, im Schnitt etwa ein Jahr länger eine Schule oder Universität besuchten als Geschwister, bei deren Geburt die Mutter erst Anfang 20 gewesen war.

Die positiven Effekte sind vielen Eltern kaum bekannt

"Die Vorteile, die sich aus einem späteren Geburtsjahr ergeben, überwiegen die individuellen Risikofaktoren eines höheren Alters der Mutter bei der Geburt“, fasst Mikko Myrskylä die Ergebnisse zusammen.

Seiner Meinung nach müsse die Gesellschaft eine andere Sichtweise auf das fortgeschrittene Alter von Müttern entwickeln.

"Werdenden Eltern ist fast immer bewusst, welche Risiken mit einer späten Schwangerschaft einhergehen – die positiven Effekte kennen sie hingegen kaum“, so der Wissenschaftler.

Kindern helfen

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(ame)

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