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15/02/2017 13:14 CET | Aktualisiert 17/02/2017 16:23 CET

So absurd erklärt AfD-Politiker Poggenburg den wirren Nazisprech in seiner Partei

dpa
So absurd erklärt AfD-Politiker Poggenburg den wirren Nazisprech in seiner Partei

  • AfD-Kollege Poggenburg verteidigt den umstrittenen Höcke: Provokationen seien normal

  • Die AfD würde es immer vermeiden, Begriffe aus der Nazizeit zu verwenden

  • Poggenburgs absurde Ausrede: Die AfD benutze nur zweideutige Formulierungen

Sachsen-Anhalts AfD-Landeschef André Poggenburg ist ein Freund klarer Worte. Diese sind oftmals mehr als grenzwertig. Das wurde erst Anfang Februar deutlich, als er sagte: "Helfen sie dabei, die Wucherung am deutschen Volkskörper endgültig loszuwerden."

Das erklärte Poggenburg nicht etwa im Festzelt gegenüber AfD-Sympathisanten oder am Stammtisch, sondern im sachsen-anhaltinischen Landtag. Nicht nur Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) fragte sich, ob er in Poggenburgs Rede Ähnlichkeit mit Worten von Adolf Hitler sah.

Poggenburgs absurde Begründung für Nazisprech in der AfD

Dass AfD-Politiker auf gezielte Provokation setzen, sei normal, sagt Poggenburg jetzt gegenüber der "Zeit". "Wir würden es immer vermeiden, einen Begriff zu verwenden, der wirklich nur in der Nazizeit verwendet wurde", so Poggenburg.

Seine absurde Begründung für umstrittene AfD-Äußerungen: Man habe deshalb bislang immer nur zweideutige Formulierungen verwendet.

Dieses Eingeständnis ist in der aktuellen Debatte um den Rausschmiss von AfD-Rechtsaußen Björn Höcke bemerkenswert. Offenbart es doch die Taktik des rechten Parteiflügels der AfD, mit provokanten - aber nicht strafrechtlich relevanten - und geschichtlich aufgeladenen Begriffen zu spielen.

Rechtsnationaler AfD-Flügel hält zusammen

Sowohl Höcke als auch Poggenburg gehören zum rechtsnationalen und völkischen Teil der Partei. Auch deshalb steht Poggenburg in der aktuellen Debatte um den Parteirauswurf des Thüringer AfD-Landeschefs zu Höcke.

Denn AfD-Bundesvorsitzende Frauke Petry habe sich aus rein taktischen Gründen für Höckes Ausschluss eingesetzt. "Aber sie wird geschädigt aus diesem Konflikt hervorgehen", so Poggenburg. "Wer unliebsame Positionen nicht aushält, hat wahrscheinlich selbst Probleme mit seinem Demokratieverständnis."

Auch Brandenburgs AfD-Fraktionschef Alexander Gauland attackiert Petry: "Frauke Petry will Höcke loswerden, weil sie der Meinung ist, dass wir mit ihm nie politisch ankommen und Teil einer Koalition werden könnten". Gauland sieht das Hauptproblem darin, dass Petry "die Partei an die CDU andocken" will. Er selbst wolle diese Nähe zur CDU nicht.

Poggenburg und Gauland hatten sich strikt gegen einen Parteiausschluss von Höcke ausgesprochen.

Mehr zum Thema: Nach Antrag zu Höcke-Rauswurf: Jetzt droht der AfD die Spaltung

Berlins AfD-Landeschef verteidigt Petry

Derweil wird Petry von Teilen der AfD verteidigt. So sagt Berlins AfD-Landeschef Georg Pazderski: "Die Sprache, die Höcke benutzt hat – das Gerede von der 'Bewegung', der 'Schande', das hat viele unserer Wähler an den Sportpalast erinnert". Er habe deshalb für den Parteiausschluss von Höcke votiert.

Der Bundesvorstand der AfD hatte am Montag mit neun gegen vier Stimmen entschieden, ein Parteiausschluss-Verfahren gegen Thüringens AfD-Landeschef Björn Höcke einzuleiten, nachdem Höcke im Januar in einer Rede das Berliner Holocaust-Mahnmal als "Denkmal der Schande" bezeichnet hatte.

(jg)

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