Wieso die jüngsten Entwicklungen in Nordkorea nicht nur den Südkoreanern Angst machen sollten

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KIM JONG UN
Wieso die jüngsten Entwicklungen in Nordkorea nicht nur den Südkoreanern Angst machen sollten | JUNG YEON-JE via Getty Images
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  • Die jüngsten Entwicklungen in Nordkorea beunruhigen viele Menschen in Südkorea
  • Das irre Treiben des Diktators Kim Jong Un könnte aber auch für den Westen zur Gefahr werden
  • Es droht ein gefährlicher Showdown mit US-Präsident Trump

Der Tod des ältesten Halbbruders von Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un gibt weiter Rätsel auf. Die Hinweise auf einen Anschlag verdichten sich. Kim Jong Nam, der älteste Halbbruder des Diktators, war bei dem nordkoreanischen Regime in Ungnade gefallen, galt als vergnügungssüchtiger Kritiker der kommunistischen Diktatur.

Südkoreas Geheimdienstchef Lee Byong Ho äußerte die Vermutung, Kim Jong Un habe die Ermordung beauftragt. Der nordkoreanische Diktator sei von "Paranoia“ geleitet. Der Geheimdienstler glaubt: Die psychische Instabilität Kim Jong Uns bedroht nicht nur sein Land.

Im Süden wird spekuliert, ein Anschlag könnte mit den Beziehungen Nordkoreas zu China zu tun haben. Eine Theorie besage, dass Kim Jong Un noch immer auf die offizielle Anerkennung durch Peking warte, schrieb die linksliberale Zeitung "Hankyoreh“.

Demnach könnte Kim Jong Uns größte Furcht gewesen sein, China wolle eine "Marionetten-Regierung“ unter Kim Jong Nam etablieren.

Die dubiose Geschichte fällt in eine hochnervöse Zeit. Das Regime in Pyöngyang scheint in Alarmbereitschaft versetzt. Eine gängige Theorie ist, dass neben der vermeintlichen außenpolitischen Bedrohung auch im Landesinneren Angst vor einem Umsturz besteht.

Nuklearraketen setzen Washington unter Druck


Eine belastbare Einschätzung über die Lage des akribisch isolierten Landes fällt derzeit jedoch schwerer denn je.

Zumindest eins bereitet Sorge: Das Regime hat die Atomversuche und Raketentests in diesem Jahr deutlich erhöht, es flext die Muskeln. Kim Jong Un erklärte in seiner Neujahrsansprache, Nordkorea wolle bald eine Interkontinentalrakete testen.

Spätestens dann könnte auch Washington nicht mehr tatenlos zusehen. Denn eine mit Nuklearsprengstoff beladene Interkontinentalrakete wäre für die USA eine Bedrohung existentiellen Ausmaßes.

Die US-Regierung reagiert, indem sie die diplomatischen Bemühungen mit Japan und eben Südkorea hochfährt. "Zeit“-Korrespondent Matthias Naß berichtet: "Die Südkoreaner haben gelernt mit der Bedrohung zu leben, ähnlich wie die Deutschen in den Zeiten des Kalten Krieges. Aber etwas ändert sich. Wen man in Seoul dieser Tage auch trifft: Die Sorgen wachsen.“

Angst vor Standoff zwischen Trump und Kim Jong Un

Das habe allerdings nicht nur mit dem bedrohlichen Spiel Kim Jong Uns zu tun. Die Frage sei gleichermaßen: Ist "Washington unter Trump etwa berechenbarer?“

Zudem stehe Südkorea derzeit ohne politische Führung da. Ende vergangenen Jahres entmachtete das Parlament Präsidentin Park Geun Hye nach massiven Korruptionsvorwürfen. Doch die Gerichtsentscheidung in dem Fall wird zur Hängepartie.

Derweil müssen die Südkoreaner zusehen wie "ein Nervenkrieg zwischen zwei Egomanen“, Trump und Kim Jong Un, beginnt, wie Naß es in der "Zeit“ beschreibt.

Es ist ein Nervenkrieg, der auch am Rest der Welt nicht spurlos vorbei gehen wird.

Mit Material der dpa.

(jg)

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