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14/02/2017 21:10 CET | Aktualisiert 14/02/2017 23:19 CET

Ist das die Wende beim Klimawandel? Was China und Indien schaffen, galt lange als unmöglich

China Photos via Getty Images
Ist das die Kehrtwende beim Klimawandel? China und Indien schaffen, was man für unmöglich hielt

  • Eine Studie kommt zu dem Ergebnis: Indien und China könnten dafür sorgen, dass die Ziele des Pariser Klimavertrags eingehalten werden können

  • Und das selbst, wenn US-Präsident Trump seinen klimafeindlichen Kurs fortsetzt

Mehr als 190 Staaten haben 2015 einen "historischen Wendepunkt" gefeiert, wie Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) damals sagte. Sie schlossen den Klimavertrag von Paris ab.

Für Kritiker aber glich der Kampf gegen den Klimawandel einem Kampf gegen Windmühlen. Sie verurteilten die Ziele des Vertrags als unrealistisch. Die Herausforderungen schienen unmöglich.

Jetzt aber zeigt eine Untersuchung: Dank neuer Entwicklungen in China und Indien könnten die Klimaziele eingehalten - oder sogar übertroffen werden. Und das selbst, wenn US-Präsident Donald Trump seinen klimaschädlichen Kurs beibehält.

"Es gibt nur ein winziges Fenster, die Ziele zu erreichen"

In Paris hatten sich über 190 Länder verpflichtet, die globale Erderwärmung im Vergleich zur vorindustriellen Zeit auf klar unter zwei Grad Celsius zu begrenzen, wenn möglich sogar auf 1,5 Grad.

Das Problem dabei: Die vorgelegten nationalen Ziele reichen allenfalls, um die Erderwärmung auf rund drei Grad zu begrenzen. Das sei nicht genug, sagte Anders Levermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgeforschung 2015. "Es gibt dann nur ein winziges Fenster, um unter zwei Grad zu bleiben, und die Tür zu 1,5 Grad ist dann geschlossen.“

Um die Erderwärmung also wirklich aufhalten zu können, müssten CO2-Emissionen von Kohle, Öl und Erdgas allmählich auf Null reduziert werden – und zwar schon in weniger als 35 Jahren, bis 2050. Das berechnete die Umweltorganisation Greenpeace in einem Bericht vom November 2015.

Unstillbarer Energiehunger?

Greenpeace forderte daher, dass bis zur Mitte des Jahrhunderts fossile Energien komplett durch erneuerbare ersetzt werden müssen. Gerade Entwicklungs- und Schwellenländer stellt das vor große Herausforderungen.

In China und Indien war man der Meinung, dass der wachsende Hunger für Energie nicht ohne fossile Energien zu decken sei, schreiben die Forscher des Berliner NewClimate Institutes in einer Studie.

Darin kommen die Wissenschaftler aber jetzt zu dem Ergebnis: Beide Länder verabschieden sich schneller von Kohle, Öl und Gas als gedacht. China und Indien verbrauchten 2015 am meisten Kohle. Sollte sich der gegenwärtige Trend aber fortsetzen und Kohle-Energie durch erneuerbare Energien abgelöst werden, die Ziele des Klimavertrags würden in erreichbare Nähe rücken.

China und Indien übertreffen Erwartungen

Über beide Länder heißt es in der Studie: Während die Regierung neue Kohlekraftwerke geplant habe, was bis zur Realisierung zehn Jahre dauern kann, seien erneuerbare Energien wie Solar- und Windkraftanlagen billiger geworden.

Weil der Energiebedarf nicht so stark anstieg, wie beide Regierungen dachten, wurden neue Kohlekraftwerke damit überflüssig. Beide Länder würden ihre Klimaziele von Paris daher übertreffen.

In Indien gehe die Regierung davon aus, dass erneuerbare Energien schon 2027 57 Prozent der Stromgewinnung ausmachen werden. Im Klimavertrag ging man von 40 Prozent bis 2030 aus.

In China habe man den Höhepunkt von CO2-Emissionen bereits 2014 erreicht, weit bevor 2030, wie das Land im Klimavertrag festhielt.

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Trump setzt auf Kohle

Diese Entwicklungen drohen freilich vom drittgrößten Kohleverbraucher der Welt geschmälert zu werden: In den USA hat Präsident Donald Trump seinen "America First"-Energie Plan aufgestellt.

Darin werden Maßnahmen seines Vorgängers Barack Obama zurückgenommen, mit denen der CO2-Ausstoß der USA verringert werden sollte. Der neue US-Präsident glaubt bekanntlich nicht an den Klimawandel. Er will "saubere" Kohle-Technologien fördern und die Kohleindustrie insgesamt wiederbeleben.

Das New Climate Institute geht daher davon aus, dass die USA ihre im Paris-Vertrag festgelegten Ziele zum CO2-Ausstoß bei weitem nicht einhalten werden können. Die prognostizieren, dass die Reduzierung der Emissionen in den letzten Jahren sich bis 2030 umdrehen könnte – also der C0“-Ausstoß ab dann wieder ansteigt.

China und Indien könnte das Klima kurzfristig retten

Trotzdem haben die Forscher eine gute Nachricht: Die positiven Trends in China und Indien könnten die negative Entwicklung in den USA auf kurze Sicht überwiegen. Beide Länder würden stärker an CO2-Emissionen einsparen, als diese in den letzten beiden Jahren angestiegen waren.

Das optimistische Fazit der Forscher: "Also egal was die neue US-Regierung macht, es gibt Hoffnung, dass der Anstieg der globalen Nutzung von Kohle permanent gestoppt wurde. Und dass der Anstieg der globalen Emissionen von Treibhausgasen aus der Energiegewinnung sich in den nächsten fünf Jahren umkehrt – viel eher, als man noch vor zwei Jahren dachte."

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(ks)

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