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Das Weiße Haus steht in Flammen: Warum Flynns Rücktritt für Trump brandgefährlich werden kann

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FLYNN TRUMP
Warum der Rücktritt von Flynn für Trump brandgefährlich werden kann | The Washington Post via Getty Images
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Das hat nicht lange gedauert: Ex-General Michael Flynn ist in der Nacht zum Dienstag als nationaler Sicherheitsberater von US-Präsident Donald Trump zurückgetreten.

Hinterlassen hat er eine verhängnisvolle Frage, die in den USA allen auf der Zunge liegt: Was hat der US-Präsident gewusst? Und wann hat er es gewusst?

Donald Trump ist nicht einmal einen Monat im Amt – und schon spricht die Hauptstadt über nichts anderes als eine Watergate ähnliche Krise.

Es deutet sich an, dass das Weiße Haus in tiefen, vielleicht katastrophalen Schwierigkeiten steckt.

Wie ein Flächenbrand

Die Liste der Niederlagen und Fehltritte der Trump-Regierung ist so bekannt wie lang:

Aber das ist alles nichts im Vergleich zum gegenwärtigen Flächenbrand.

Flynn ist zurückgetreten, als klar wurde, dass die Ermittler und die Medien seine engen Beziehungen zum russischen Präsidenten Wladimir Putin und seinen Handlangern in Moskau aufdecken würden. Beziehungen, die offenbar erkauft waren.

Die – später gefeuerte – kommissarische Justizministerin Sally Yates hatte Trump und seine Berater vor Wochen darüber informiert, dass das FBI der Ansicht sei, Flynn sei von seinen engen, finanziellen Verbindungen nach Russland beeinträchtigt.

Flynn habe sich mit seinen Verhandlungen mit dem russischen Botschafter über Sanktionen gar erpressbar von Moskau gemacht. Denn: Offiziell war Trump noch nicht im Amt, Flynn also nicht erlaubt für die US-Regierung zu verhandeln.

Jetzt muss sich Trump einigen offenkundigen, aber gefährlichen Fragen stellen.

Kann es wirklich sein, dass Trump nichts wusste?

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US-Präsident Trump mit Sicherheitsberater Flynn und Chefstratege Bannon im Oval Office, Quelle: Getty

Was wusste der Präsident und wann wusste er von Flynns freundlichen und möglicherweise kompromittierenden Telefonaten mit dem russischen Botschafter im Dezember? In diesen Gesprächen soll Flynn dem Botschafter angeblich gesagt haben, er solle die neuen Sanktionen von US-Präsident Barack Obama gegen Russland ignorieren – denn Trump würde sie beseitigen, sobald er im Amt sei.

Ist es möglich, dass Flynn solche Gespräche geführt und Trump nichts davon gesagt hat? Befand sich Trump wirklich im Blindflug, als er Putin dafür gepriesen hat, nicht auf die Sanktionen zu reagieren?

Wer sonst in der Befehlskette, so chaotisch sie auch ist, konnte über Flynns Telefonate Bescheid wissen?

Jetzt, wo Flynn aus dem Weißen Haus ist, kann er sich nicht länger auf das Privileg berufen, bei einer Befragung im Kongress nicht auszusagen. Wird er die Aussage verweigern? Möglich. Oder wird er sprechen? Unwahrscheinlich.

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Sally Yates bei einer Anhörung im Juli 2015, Quelle: Reuters

Die ehemalige Justizministerin Yates hatte ihre Bedenken dem Berater des Weißen Hauses, Don McGahn, mitgeteilt. McGahn ist seit langem ein Berater von Trump, hauptsächlich qualifiziert durch seine Loyalität zu ihm und sein Wissen über Wirtschaft und Wahlkampf-Finanzierung. Über den Bereich Nationale Sicherheit weiß er wenig bis nichts.

Aber wie groß ist die Chance, dass McGahn Trump nichts von Yates Warnung erzählt hat?

Mehr zum Thema: Russische Politiker vermuten Komplott hinter Flynns Rücktritt

Kommt die Wahrheit über Trump gerade erst ans Licht?

Und weitere Fragen bedrängen die US-Regierung.

Wer wird Flynns Nachfolger? Wird die Position noch von Bedeutung sein? Wird der Geheimdienst CIA, der bekanntermaßen Sicherheitsberater Flynn als Sicherheitsrisiko gesehen hat, erleichtert sein?

Noch nie wurde jemand wegen des über 200 Jahre alten Logan Acts verurteilt. Er verbietet es Privatpersonen, Diplomatie zu betreiben. Flynn könnte also deswegen angeklagt werden.

Der Ex-General war außerdem nicht der einzige in der Regierung, der Russland freundlich gesonnen ist. Auch Chefstratege Steve Bannon und Außenminister Rex Tillerson zählen dazu. Was wussten sie und wann wussten sie es? Und wie sah ihre Zusammenarbeit mit Russland bisher aus?

Flynns Rückstritt wird auch unausweichlich die Rolle Russlands und die Hacking-Vorwürfe im Wahlkampf 2016 wieder in den Fokus rücken. Auch die Forderungen, dass Trump seine Steuererklärung öffentlich macht, werden zurückkehren. Der Präsident behauptet, dass er keine Kredite aus Russland oder von Russen hat. Stimmt das?

Die Liste der Fragen wird länger. In Washington gab es später am Montag das Gefühl: Die wahre Geschichte über die Trump-Regierung ist gerade erst dabei, erzählt zu werden.

Dieser Artikel erschien zuerst bei der Huffington Post USA und wurde von Leonhard Landes ins Deutsche übersetzt.

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